Nach 140 Minuten im XXL-Leistungsvergleich mit Werder sieht sich der Aufsteiger wieder einen Schritt weiter. Drei Wochen vor dem Bundesligabeginn zeichnen sich erste Konturen einer möglichen Startelf ab.
Paderborns Trainer sieht gute Ansätze
Es war die erhoffte Nagelprobe, und sein Team bestand sie zu weiten Teilen. „Ein extrem wertvoller Test“, freute sich Ralf Kettemann nach dem XXL-Vergleich in Oythe bei Vechta gegen den künftigen Ligakonkurrenten Werder Bremen. Beim 2:2-Unentschieden nach viermal 35 Minuten Spielzeit sammelte Paderborns Trainer gleich eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse.
Die wichtigste womöglich: Der Aufsteiger kann nicht nur mithalten, sondern einen Gegner sogar dominieren. Über weite Strecken besaß der SCP weitgehende Spielkontrolle, erzeugte phasenweise einen Belagerungszustand vor dem Bremer Strafraum und erspielte sich Gelegenheiten im Minutentakt.
„Wir kommen mit der Art und Weise, wie wir spielen, Richtung gegnerisches Tor“, zeigte sich Kettemann mit der Struktur und der Idee im Aufbauspiel zufrieden, nicht allerdings mit dem Ertrag. „Das Schwerste, nämlich das Tor zu machen, hat gefehlt“, haderte der 39-Jährige mit dem Chancenwucher, wiederholte jedoch auch seine Aussagen aus den vergangenen Tagen: „Es ist nicht das, was wir sofort erwarten können. Es wird peu à peu kommen. Wichtig ist, dass wir in die Räume dafür kommen.“
Baur und Castaneda kurbeln aus dem Zentrum an
Positiv, wie die Paderborner von Beginn an planvoll vorwärts spielten. Aus dem Zentrum kurbelten Mika Baur und phasenweise auch Santiago Castaneda an, Laurin Curda (rechts) und Raphael Obermair (links) setzten von den Außenbahnen Akzente. So bewährte sich die anfängliche Mittelfeldreihe als Startelf-Variante. Vorne kamen die beiden neuen Flügel Albert Millgramm und Oliver Batista Meier sowie Stefano Marino zwar zu den erhofften Abschlüssen, ein Tor allerdings blieb dem Trio verwehrt.
Zur klugen Spielanlage und dem guten taktischen Verständnis untereinander passte zudem die Abwehr-Dreierkette, in der der zuletzt rechts agierende Mattes Hansen leicht angeschlagen fehlte und durch Jano ter Horst an der Seite von Tjark Scheller und Jonah Sticker ersetzt wurde. Mit Torhüter Nahuel Noll dahinter brannte gegen harmlos anlaufende Bremer wenig an.
Kettemann lobte die Ruhe und Übersicht des Verbundes, die für die anstehenden Bundesliga-Anforderungen wichtig sei. „Man hat gesehen: Wenn es etwas wild wird, wird es auch schnell. Man muss brutal gut verteidigen, die ganze Zeit. Man darf keine Räume hergeben, sonst wird es schwierig.“
Kapitän Götze erstmals wieder an Bord
Dies allerdings passierte in den späteren Spielvierteln, als Werder gegen aufgerückte Paderborner die Situationen nutzte und zweimal zur Führung durch Justin Njinmah (81.) und Paul Erevbenagie (128.) kam. „Wenn wir kompakt gegen den Ball gearbeitet haben, haben wir wenig zugelassen“, merkte Kettemann an. „Sobald die Räume größer werden und du sie verteidigen musst, wird es anspruchsvoll. Man muss schon den Moment genau aussuchen, wann und wie man beschleunigt.“ Immerhin: Mit viel Moral schlugen die Ostwestfalen zweimal mit Ruben Müller (123.) und Lasse Eickel (130.) erfolgreich zurück.
Das erste Testspiel gegen einen Gegner aus der Bundesliga bedeutete in dieser Vorbereitungsphase Neuland für den SC Paderborn 07 und seinen Trainer. „Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause, habe aber gesehen, dass es maximal anspruchsvoll ist, solche Spiele zu bestreiten.“ Ein Vorgeschmack auf die bevorstehende Saison, bei dem Kettemann zunächst in weiten Teilen mit der möglichen ersten Elf zum Start agieren ließ. „Es ist kein Geheimnis, dass wir Spielzeit nicht mehr komplett aufteilen und nicht mehr so viel durchmixen.“
Auswahl und Alternativen gibt es ausreichend. Neben dem zuletzt leicht an der Wade lädierten Marcel Hoffmeier sprang später auch der bisher in dieser Vorbereitungsphase noch komplett außen vor gebliebene Kapitän Felix Götze (nach auskurierter Achillessehnenreizung) zumindest für 35 Minuten problemlos wieder an Bord. Kettemann: „Wir sind froh, dass die beiden zurück sind.“

