Vitaly Janelt ist einer von elf Neulingen, die Jürgen Klopp für seinen XXL-Kader nominiert hat und doch unterscheidet er sich von den anderen Debütanten: Der Mittelfeldspieler des FC Brentford ist bereits 28 Jahre alt und durfte nun einen Schritt vollziehen, auf den er lange gewartet hat. Zu lange?
Brentford-Profi sieht sich als Profiteur von Klopps England-Faible
Aus Herzogenaurach berichten Sebastian Wolff und Oliver Hartmann
Sollte Vitaly Janelt Lampenfieber vor seinem ersten öffentlichen Auftritt als Nationalspieler haben, so versteht er dieses gut zu kaschieren. Der gebürtige Hamburger kommt lässig in Badelatschen in die Mixed Zone im Home Ground in Herzogenaurach und eröffnet die anberaumte Fragerunde direkt selbst: „Wer von euch möchte anfangen?“
Der England-Legionär hat bereits deutlich mehr erlebt als die anderen Debütanten von Jürgen Klopp und strahlt dies außerhalb des Feldes aus. Jetzt will er dies auch auf dem Platz tun. So wie seit sechs Jahren in England.
Auf den Anruf eines Bundestrainers hatte er aufgehört zu warten
2021 ist der beim HSV und RB Leipzig ausgebildete Mittelfeldspieler für vergleichsweise läppische 600.000 Euro vom VfL Bochum zum FC Brentford gewechselt, ist mit den West-Londonern auf Anhieb in die Premier League aufgestiegen und in dieser eine feste Größe: 166 Spiele und 12 Tore aber haben bislang nicht ausgereicht, um als U-21-Europameister von 2021 in den Kreis der A-Nationalspieler aufzusteigen, und Janelt verhehlt nicht, dass der Anruf eines deutschen Bundestrainers zu einem Zeitpunkt kam, da er beinahe schon aufgehört hatte, auf diesen zu warten.
„Ich bin bei diesem Thema relativ entspannt“, sagt er. Einerseits. Andererseits bekennt er: „Natürlich wäre ich gern schon zu einem früheren Zeitpunkt mal dabei gewesen, hätte ich mir eine Chance erhofft. Aber ich habe in der Vergangenheit so oft darüber gesprochen, dass ich zuletzt keine Lust mehr hatte, darüber zu reden.“
Als Gruß eines Unbeachteten aus der Premier League an vorherige Bundestrainer will Janelt seine Worte indes nicht verstanden wissen: „Brentford ist nicht Chelsea, Manchester United oder Manchester City, das ist mir schon klar. Ich bin niemandem böse. Jeder Trainer hat seine eigene Idee.“ Gleichwohl weiß er, dass Klopps England-Kenntnisse aus dessen Zeit in Liverpool für ihn ein klarer Vorteil sind. „Wahrscheinlich ist das gut für mich.“
Sonntag wurde der Neuankömmling in Augsburg auf der Tribüne Zeuge der 0:1-Niederlage gegen Griechenland, seit Wochenbeginn darf er sich in Herzogenaurach im zweiten Klopp-Kader nun endlich erstmals selbst zeigen und charakterisiert sich selbstbewusst, ohne dabei zu hoch ins Regal zu greifen. „Ich denke, ich bin gut für ein Team, sehe mich als Teamspieler.“ Das bedeutet ganz konkret: „Ich mache Drecksarbeit für die Jungs vor mir.“
Janelt gibt sich außerdem überzeugt davon, einer Gruppe auch außerhalb des Spielfeldes etwas vermitteln zu können. „Ich versuche, ein Bindeglied zwischen den jüngeren und den älteren Spielern zu sein. Das ist eine Stärke von mir.“ Weil er im Kreise der A-Nationalelf zwar ein Neuling, als Spätberufener aber eben kein Frischling mehr ist. „Ich habe in der Premier League die meisten Spiele für meinen Verein gemacht, habe mir in Brentford etwas aufgebaut.“ Jetzt will er zeigen, dass er auch dem DFB etwas geben kann.

