Beim 1:2 gegen den FC Everton wurde der HSV erstmals von Nicolai Remberg als Kapitän aufs Feld geführt. Dessen Vorgänger gibt Einblicke, wie die Amtsübernahme in den zurückliegenden Wochen abgelaufen ist.
Vorgänger schwärmt von seinem Nachfolger
Die Situation in der Mixedzone am Samstagabend, unmittelbar nach dem Hamburger 1:2 gegen den FC Everton, kam ungeplant zustande und war doch voller Symbolik. Beinahe Schulter an Schulter standen Yussuf Poulsen und Nicolai Remberg vor dem blauen Absperrband und gaben ganz ähnliche Antworten auf die fast gleichen Reporterfragen. Der eine, Remberg, ist der neue Kapitän des HSV, und der Vorgänger, Poulsen, verriet, dass er diese Wahl ebenfalls so getroffen hätte.
„Rambo ist die Zukunft des HSV als Leader“
Unmittelbar vor dem am Ende trotz der späten Niederlage sehr ansprechenden Test gegen den Premier-League-Klub hatte Merlin Polzin die Entscheidung über die Neuvergabe der Kapitänsbinde gegenüber der Mannschaft und der Öffentlichkeit kommuniziert, intern hatte es zuvor einige Gespräche gegeben – vor allem mit Remberg und Poulsen. Den im Vorjahr aus Leipzig gekommenen Angreifer schätzte und schätzt Polzin als Führungsfigur, aufgrund der langen Ausfallzeiten aber hatte er schon zu Vorbereitungsbeginn ganz bewusst offen gelassen, ob Poulsen das Amt behält.
In verschiedenen Konstellationen wurde die Anführerfrage während der bisherigen Trainingswochen erörtert und der alte Kapitän erklärt, dass er den neuen Kapitän für die absolute Idealbesetzung hält: „Ich bin froh, dass Rambo jetzt die Binde hat. Er ist die Zukunft des HSV als Leader.“ Remberg, bis 2023 noch bei Preußen Münster in der Regionalliga am Ball, hat über den Zwischenschritt Kiel einen steilen Aufstieg hinter sich, und die Art und Weise, wie er diesen Weg beschritten hat, soll beispielhaft sein. „Rambo ist das absolute Role Model für den HSV, den wir darstellen wollen“, findet Polzin.
„Wenn ich der Trainer wäre, dann hätte ich auch so gewählt.“ (Yussuf Poulsen)
Der 26-Jährige ist geschätzt für seine positive Art und trägt seinen Spitznamen „Rambo“ nicht zufällig, ist die personifizierte Intensität. Obwohl der HSV in dieser Hinsicht im Vergleich zur Zweitliga-Saison 2024/25 schon zugelegt hat, war er in verschiedenen Lauftstatistiken in der abgelaufenen Spielzeit Bundesliga-Schlusslicht, und der neue Spielführer kündigt an: „Wir haben in dieser Vorbereitung schon wichtige Schritte gemacht, wir wollen bei den Laufdaten nicht auf Platz 18 stehen. Wir wollen intensiv sein.“
Poulsen ist sicher, dass Polzin den richtigen Kopf ausgewählt hat, um die Mannschaft auf dem nächsten Entwicklungsschritt anzuführen. „Wir haben darüber gesprochen und uns ausgetauscht. Am Ende ist es die Entscheidung des Trainers gewesen, ich finde sie richtig.“ Und noch deutlicher: „Wenn ich der Trainer wäre, dann hätte ich auch so gewählt.“
Baum kommt nicht – Dompé vor Abschied?
Der HSV hat vor dem Beginn des dritten Trainingslagers, ab diesem Montag in Herzogenaurach, einen neuen Kapitän, ein mit dem 3-4-2-1 modifiziertes System, das immer besser greift, und mit Patson Daka einen neuen Stürmer, der sich bislang hervorragend einfügt und wie schon beim 3:1 gegen Heidenheim auch gegen Everton traf. Der Vorjahres-Aufsteiger aber hat auch noch Baustellen, und diese bestehen nicht nur auf dem Personalsektor, weil ein Innenverteidiger und ein rechter Schienenspieler fehlen.
Der einstige Wunschkandidat Elias Baum bleibt in Frankfurt, Polzin muss im Verbund mit Sportdirektor Claus Costa aber noch ein weiteres Problem lösen: die Zukunft von Jean-Luc Dompé. Der Franzose, im Vorjahr durch außersportliche Eskapaden in den Schlagzeilen, wird in der bisherigen Vorbereitung vor allem durch Fitnessdefizite auffällig und auch dadurch zur Belastung für die Gruppe. Der vorzeitige Abschied erscheint als einziger Ausweg.

