Seine erste Saison in Mainz verlief enttäuschend. Nun spricht aber manches für William Bövings Durchbruch im zweiten Anlauf. In gleich doppelter Hinsicht haben die Rheinhessen mit ihm einen Joker in der Hinterhand.
Warum der Däne doch noch wichtig für Mainz werden könnte
Ein cleverer Laufweg in die Tiefe. Eine ideale Ballmitnahme. Ein sehenswerter Heber mit herausragender Übersicht und perfekter Abschlusstechnik über den vielleicht minimal zu weit vorn postierten gegnerischen Schlussmann hinweg. Das Traumtor von William Böving (23) zum 3:0-Endstand beim Mainzer Testspielsieg gegen Holstein Kiel vergangene Woche erinnerte unweigerlich an Niko Bungerts Worte aus dem vergangenen Sommer.
„William passt perfekt in das gesuchte Profil. Er ist extrem laufstark, torgefährlich und spielintelligent. Ein Spieler, der uns direkt weiterhelfen kann“, schwärmte der 05-Sportdirektor damals über den Angreifer, der am „Deadline Day“ für drei Millionen Euro Ablöse von Sturm Graz losgeeist worden war. Im Buhlen um den Dänen hatten die Rheinhessen mit dem Liga-Rivalen Hamburger SV und dem damaligen spanischen Erstligisten FC Girona zwei hartnäckige Konkurrenten ausgestochen. Allein: Bungerts Begrüßungsworte hätte man in den vergangenen elf Monaten kaum hervorholen können, ohne Stirnrunzeln auszulösen.
Gerühmten Fähigkeiten blieben lange verborgen
Bövings Bilanz 2025/26 war schließlich nicht einmal die eines Mitläufers: Bei zwei Startelf- und sieben Jokereinsätzen kam er auf ganze 223 Bundesligaminuten. Seine Freistoßflanke zu Kacper Potulskis Kopfballtreffer in München (2:2) blieb die einzige Torbeteiligung. Auch in acht Conference-League-Partien (drei von Beginn an) kam kein Scorerpunkt hinzu. Unabhängig davon, dass Böving in Nadiem Amiri, Paul Nebel und Jae-sung Lee mit drei Topspielern um zwei freie Plätze im offensiven Mittelfeld konkurrierte: Bei seinen Auftritten ließ sich praktisch nie erkennen, mit welchen speziellen Fähigkeiten er den Rheinhessen überhaupt helfen könnte.
„Dranbleiben, arbeiten, sich nicht verunsichern lassen. Das ist der Weg.“ (Urs Fischers Rat an William Böving)
Dass solche Qualitäten aber sehr wohl nach wie vor vorhanden sind, verraten die jüngsten Eindrücke. Gelingt Böving also im zweiten Anlauf doch noch der entscheidende Schritt – zumindest zu einem gewinnbringenden Joker? Die entsprechende Einstellung attestiert ihm Coach Urs Fischer schon seit dem ersten Kennenlernen und empfiehlt: „Dranbleiben, arbeiten, sich nicht verunsichern lassen. Das ist der Weg, anders geht es nicht.“
Endgeschwindigkeit und Laufstärke als Bövings Trümpfe
Auch Bungert will sein damaliges, grundsätzliches Urteil keineswegs revidieren: „William ist definitiv ein Spieler mit Bundesliga-Niveau, den wir bei uns weiterhin in einer wertvollen Rolle sehen. Aber er hat eben auch eine harte Konkurrenzsituation.“ Amiri, Nebel oder Lee zu verdrängen, dürfte unbestritten enorm schwierig bleiben. Allerdings weist Böving selbst gegenüber diesen namhaften Rivalen durchaus Trümpfe auf. Beispielsweise die höchste Endgeschwindigkeit und seine Laufstärke.
Unter letztgenanntem Aspekt ist er sogar die Nummer 1 im ganzen Kader, wie die obligatorischen Leistungstests erst kürzlich wieder ergaben. Hinzu kommt: Ein Verbleib von Amiri und Nebel über den 31. August hinaus ist noch nicht in Stein gemeißelt, auch wenn es aktuell keine Bewegung bei diesen Personalien gibt. Böving macht das also in doppelter Hinsicht zum Joker: Einem lukrativen Angebot, das den Verkauf eines der beiden Stars wirtschaftlich geboten erscheinen lässt, könnten Bungert und Co. mit dem Dänen in der Hinterhand umso gelassener entgegensehen.

