Elf Tage vor dem Start der Bundesliga haben Simon Terodde und Dietmar Hamann als TV-Experten ihre Thesen für die neue Saison präsentiert. Besonders bei einem Klub widersprachen sie sich.
„Ob Füllkrug der Heilsbringer ist?“
Bei dieser einen Frage würde sich so mancher TV-Experte winden, um niemandem so prominent auf den Fuß zu treten. Dietmar Hamann hat in seinem Job bekanntlich aber keine Berührungsängste. Welche Klubs er auf den untersten drei Plätzen der Abschlusstabelle 2026/27 erwarte, fragte ihn eine Moderatorin bei einem Medientermin seines Arbeitgebers Sky.
„Bremen, Elversberg und Paderborn“, antwortete Hamann und dürfte damit den einen oder anderen bei Werder überrascht haben. „Ich mache mir ein bisschen Sorgen“, erklärte der 52-Jährige und ging auf Neuzugang Niclas Füllkrug ein: „Er war überall, hat kaum gespielt. Wenn er gespielt hat, hat er keine Tore geschossen. Ob er der Heilsbringer ist? Das ist ein Spieler, der ins Alter gekommen ist, aber mit Sicherheit irgendwie seine Tore machen wird.“
Dagegen ist Hamann optimistisch bei Borussia Mönchengladbach. „Alles, was ich da sehe und höre, gefällt mir“, sagte er. „Ich habe das Gefühl, dass man sich jetzt nach diesem Übergangsjahr gefunden hat.“ Für den FC Schalke 04 wiederum sieht er eine „unruhige Saison“ kommen. Beim Blick auf die Vereine und Kader vergesse man leicht, dass die Königsblauen ja ein Aufsteiger seien.
Wie schnell sich Schalke in der Bundesliga wieder einfindet, sei abzuwarten. Simon Terodde, einstiger Gelsenkirchener, beurteilte die Aussichten seines Ex-Vereins deutlich vielversprechender. „Ich wurde von vielen Fans gefragt. Ich habe immer gesagt: einstellig“, sagte Terodde lächelnd über seinen Platzierungstipp.
Terodde tippt auf acht Dzeko-Tore
Das machte er auch anhand von Personalien fest, Robin Gosens etwa: „Der passt. Der passt gut.“ Oder die Vertragsverlängerungen von Soufiane El-Faouzi und Mertcan Ayhan stimmen Terodde zuversichtlich. „Es ist heutzutage ungewöhnlich, dass sie sich ohne Ausstiegsklausel so lange binden“, sagte der 38-Jährige, der 2024 seine Karriere beendete.
Weil er bei einem Unfall mit seiner Vespa einen Syndesmoseriss und Wadenbeinbruch erlitt, musste Terodde sein geplantes Kreisligadebüt verschieben, wie er am Dienstag berichtete. Der zwei Jahre ältere Edin Dzeko hingegen ist noch immer erstklassig unterwegs. „Aus der Schalker Kabine hört man, dass Dzeko enorm wertvoll ist“, sagte Terodde. „Ich glaube nicht, dass er auswärts in Leipzig oder in München anfangen wird, aber gerade in den Heimspielen vielleicht.“ Er tippe auf acht Saisontore des Bosniers.
Hamann legte sich auf sechs Tore fest und konterte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in der oberen Tabellenhälfte ankommen. Ich glaube, dass sie bis zum Schluss gegen den Abstieg spielen werden.“
Hamann fordert Quartett für die DFB-Elf im September
Terodde wiederum sieht den 1. FC Köln nicht in der besten Lage für die neue Saison. „Sie haben junge, talentierte Spieler verpflichtet. Der Weg ist spannend und der FC-Fan wartet. Wenn die ersten beiden Spiele in die Hose gehen, dann wird es für René Wagner ganz schwer, weil er zum Ende der Saison auch keine Euphorie entfacht hat.“ Terodde sagte, er sehe es „eher kritisch gerade“.
Dem Hamburger SV empfahl der 90-malige Bundesligastürmer die Verpflichtung eines neuen Angreifers – auch nach dem Abschied von Robert Glatzel in Richtung Wolfsburg. „Sie arbeiten eher mit spielerischen Stürmern, aber Yussuf Poulsen war jetzt auch immer wieder verletzt. Da vorn muss definitiv nachgelegt werden.“ Sportdirektor Claus Costa mache gemeinsam mit Trainer Merlin Polzin aber „einen Riesenjob“, weswegen der HSV „einen Schritt weiter“ als etwa Köln sei.
Auch über die Nationalelf sprachen beide Experten kurz – und waren sich darüber einig, wen der neue Bundestrainer Jürgen Klopp für seine ersten Länderspiele im September mitnehmen solle: „Yann Aurel Bisseck, Kevin Schade und Said El Mala hätten schon mit zur WM fahren sollen“, fand Hamann. „Und Nicolo Tresoldi ist hoffentlich im September auch dabei.“

