Vom Hamburger SV über Brügge zum SV Werder Bremen: Seine Verpflichtung ruft zumindest in Fankreisen geteilte Meinungen hervor – was Ludovit Reis selbst dazu sagt.
Erst HSV, jetzt Werder
Ein „Social-Media-Typ“, so formuliert es Ludovit Reis, das sei er „sowieso nicht“. Und in diesem Fall war das wohl auch besser so. Denn was im Internet los war, das hatte unmittelbar nach der Verpflichtung des Mittelfeldspielers ja schon Sportchef Clemens Fritz als völlig unangemessen zurückgewiesen.
Vom einen Nordrivalen zum anderen: Der ehemalige HSV-Profi wechselte nur ein Jahr nach dem Abgang zu Club Brügge in diesem Sommer zum SV Werder Bremen – und erhitzte damit einige Gemüter. „Ich kann die Emotionen im Fußball verstehen, ich kann auch jede Reaktion verstehen. Aber natürlich gibt es eine Grenze.“
Zu sehr scheint Reis die Kommentare dann jedoch tatsächlich nicht an sich herangelassen zu haben. Am Mittwoch, als der 26-Jährige erstmals über seinen brisanten Wechsel nach Bremen sprach, betonte er einerseits gelassen, dass sein voller Fokus nun nur Werder gelte. Und andererseits formulierte er eine aufrichtige (doppelte) Liebeserklärung.
Reis: „Jeder weiß, dass ich den HSV liebe“
Zunächst an seinen Ex-Klub: „Ich hatte vier schöne Jahre beim HSV, jeder weiß das – und jeder weiß auch, dass ich den HSV liebe. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es wäre nicht so.“ Dann an seinen neuen Arbeitgeber: „Jetzt bin ich Spieler von Werder – und ich liebe es, hier zu sein.“
Kann man denn auch beide Nordklubs lieben? Offensichtlich. Und Reis ist ja beileibe nicht der einzige Profi, der für beide Vereine spielte: Frank Rost, Aaron Hunt, gar Publikumsliebling Ailton und viele andere. „Ich glaube, vorher gab es auch viele Spieler, die diesen Transfer gemacht haben“, meinte zugleich Reis selbst, obwohl dieser Deal so ja nicht mal zustande kam.
Denn wie die genannten anderen Beispiele wechselte auch der Niederländer nicht direkt zwischen den Klubs – in seinem Fall lag dazwischen noch ein Jahr bei Champions-League-Teilnehmer Brügge. Ein schwieriges Jahr: Eine Schulterverletzung setzte Reis für Monate außer Gefecht – zu einem Einsatz in der Königsklasse kam er nicht.
Stage? „Jens ist Jens – und ich bin ich“
Trotzdem berichtete er: „Das sind Spiele, die du nie vergisst.“ Und die ja vielleicht in Zukunft noch folgen könnten: „Als Spieler willst du immer auf dem höchsten Niveau spielen. Wenn ich jetzt ’nein‘ sage, würde ich mich selbst anlügen.“
Nachdem Brügge ein Jahr zuvor noch sechs Millionen Euro für Reis an den HSV entrichtet hatte, wechselte er nun ablösefrei nach Bremen. Wie genau das möglich war? Da hielt sich der Spieler bedeckt – und verwies auf seinen Berater: „Wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass sich die Wege trennen. Das haben wir sehr gut hingekriegt.“
In Bremen würde Reis nun lieber auf der Acht als auf der Sechs zum Einsatz kommen, womit ihm auch die Aufgabe zukäme, den Ausfall von Jens Stage mit aufzufangen: „Ich glaube, Jens ist nicht zu ersetzen“, entgegnete er wiederum: „Es ist wichtig, dass man sein eigenes Spiel spielt: Jens ist Jens und ich bin ich.“

