Knapp 20 Millionen Euro kostete den Hamburger SV das Transferpaket, bestehend aus Fabio Vieira, Zakaria El Ouahdi und David Möller Wolfe, am letzten Tag des Transferfensters. Der kicker erklärt, wie das möglich ist.
Elfadli-Leihe zum LASK
Am Mittwoch stieg auch David Möller Wolfe erstmals jene Treppe, die vom Trainingstrakt auf den Platz im Volkspark führt, herab. Tags zuvor hatte Fabio Vieira dies unter derartig tosendem Beifall der Anhänger getan, dass Zakaria El Ouahdi beinahe ein wenig untergegangen ist. Der HSV hat, wie vor einem Jahr, am letzten Tag des Sommer-Transferfensters einen Dreierpack geschnürt. Der große Unterschied: Der aktuelle zahlt nicht nur kurz-, sondern langfristig auf die Entwicklung ein.
Der fünfte Jahresgewinn in Folge wird erwartet
Luka Vuskovic und Fabio Vieira kamen im Spätsommer 2025 auf Leihbasis, nur Albert Sambi Lokonga wurde fest verpflichtet. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt eine gewaltige und dringend notwendige Qualitätssteigerung. Nun wurden Heimkehrer Fabio Vieira für vier und El Ouahdi für fünf Jahre unter Vertrag genommen, ist für Möller Wolfe mit den Wolverhampton Wanderers eine Kaufoption ausgehandelt. Das bedeutet: Gehen die sportlichen Pläne auf, hat der HSV sich nachhaltig verstärkt.
Merlin Polzin findet es „unfassbar, dass wir ein Jahr nach dem Aufstieg über solche Spieler sprechen“. Weil sie einerseits Qualität versprechen und andererseits exakt die gesuchten Profile verkörpern: El Ouahdi und Möller Wolfe, zwei WM-Teilnehmer, sind die im modifizierten 3-4-2-1-System lange gesuchten Schienenspieler mit der Fähigkeit, konsequent die Außenlinie zu besetzen und zu beackern. Und Fabio Vieira ist der gewünschte Unterschiedsspieler.
Für Fabio Vieira zahlt der HSV neun Millionen Euro, für den Marokkaner El Ouahdi acht Millionen zuzüglich Boni in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro, für den Norweger Möller Wolfe 600.000 Euro – der Vorjahres-Aufsteiger schnürte somit annähernd ein 20-Millionen-Paket, das die Frage aufwirft: Wie geht das?
Es ist gewissermaßen das Ergebnis vom Hamburger Bank-Geheimnis. Vorstand Eric Huwer hatte im Mai im kicker-Interview erklärt, der HSV sei noch nicht in der Lage, über 20 Millionen für einen Spieler auszugeben, er hatte aber auch gesagt, dass sich der Klub Spielraum erwirtschaftet habe, bei entsprechenden Möglichkeiten auf dem Transfermarkt zu agieren. Denn: Vier Jahre in Folge schrieb der Klub schwarze Zahlen, vermeldete im Sommer 2025 erstmals seit vier Dekaden Schuldenfreiheit und erwartet auch ein fünftes positives Jahresergebnis. Dazu kamen Transfererlöse wie die 7 Millionen Euro für Fabio Baldé. Eine Entwicklung, die das mutige und gleichzeitig auf das Generieren von Werten ausgerichtete Agieren auf dem Transfermarkt ermöglichte.
Elfadli geht nach Linz
Der Trainer ist glücklich über diese Entwicklung, sagt: „Von der individuellen Qualität her machen uns diese drei Transfers definitiv besser, aber wir lehnen uns jetzt nicht zurück, das ist erst der Anfang.“ Damit will Polzin ausdrücklich keine Abkehr von den Zielen propagieren, sondern die Sinne schärfen: „Wir sind jetzt wieder eine neue Mannschaft.“ Eine, aus der sich am Mittwoch mit Daniel Elfadli (auf Leihbasis zum Linzer ASK) ein weiterer Aufstiegs-Held verabschiedet hat. „Wir brauchen Zeit, um Verbindungen aufzubauen, wir müssen die neue Qualität jetzt wieder in ein mannschaftliches Gefüge bringen.“ Damit das Bank-Geheimnis auch tatsächlich zum Gewinn führt.

