Am Mittwoch absolvierte Moussa Diaby in Leverkusen seine erste Einheit bei Bayer 04 nach seiner Rückkehr. Danach sprach er über seine Ambitionen, seine neue Rolle und darüber, dass sein Comeback eine lange Vorgeschichte hatte.
Rückkehr zu Bayer nach drei Jahren
Als Moussa Diaby nach dem Mittwochtraining die Journalisten per Handschlag zum kurzen Gespräch am Trainingsplatz begrüßt, fällt der Handschlag des Franzosen alles andere als kräftig aus. Der 27-Jährige ist eben auch nach seiner Rückkehr nach Leverkusen als Mensch derselbe geblieben, der die Bundesliga vor drei verlassen hatte. Ruhig, introvertiert, schüchtern – ganz anders als, als Spieler auf dem Platz, wo der Tempodribbler ein Draufgänger ist, spektakuläre Aktionen vollführen und das Publikum begeistern kann.
Und Diaby selbst betont, dass die Zuschauer in Leverkusen und in der Bundesliga noch mehr erwarten können als von dem Spieler, der zwischen 2019 und 2023 in 172 Pflichtspielen 49 Tore erzielte und 50 vorbereitete. So erklärt der 27-Jährige auf die Frage, ob er sich als Fußballer verändert habe: „Das könnt ihr sehen, wenn ich meine erste Minute spiele, und danach sagt ihr mir, ob ich immer noch derselbe Spieler bin: besser oder schlechter.“
Diaby kündigt eine bessere Version von sich selbst an
Der französische Nationalspieler (elf Einsätze) ist zwar ein introvertierter Typ, wirkt aber durchaus selbstbewusst und wischt Bedenken, dass er nach zwei Jahren in der Saudi-Pro-League nicht mehr sein Top-Niveau erreichen könne, mit dieser Aussage vom Tisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Diabys Worten auch Taten folgen werden, ist groß. Schließlich gilt der Angreifer als Profi mit hoher Eigenmotivation, der keinen Antrieb von außen benötigt, um das Beste aus sich herauszuholen. Die Gefahr, dass der schnelle Linksfüßer in Saudi-Arabien die Zügel etwas schleifen ließ, ist somit eher gering.
Diaby kündigt also eine bessere Version von sich an als die, die Leverkusen 2023 für 55 Millionen Euro Ablöse gen Aston Villa verlassen hat. Doch warum hat der Muslim den Golfstaat, in dem er zehn Millionen Euro netto verdiente, nach zwei Jahren vorzeitig den Rücken gekehrt?
Diaby wollte zurück, „um wieder diese europäischen Abende zu erleben“
„Es war eine gute Erfahrung dort“, sagt Diaby zu seinem vor allem wirtschaftlich interessanten Abstecher in den arabischen Raum, doch die große Bühne hat ihm im Land der Scheichs gefehlt. „Ich hatte das Gefühl, nach Europa zurückkehren zu wollen, um um etwas Neues zu kämpfen, die europäischen Abende wieder zu erleben und in einem großen Stadion gegen eine gute Mannschaft zu spielen“, erklärt er den sportlichen Anreiz als Motivation, „und Leverkusen war eine gute Wahl. Ich weiß, dass es ein großer Verein ist und wir etwas Großartiges erreichen können.“
Klar ist: Diaby, der mit Al-Ittihad FC 2025 in Saudi-Arabien Meister und Pokalsieger wurde, möchte auch in Leverkusen die Silberware hochstemmen, die der Klub erst gewann, nachdem er 2023 die Bundesliga gen England verlassen hatte. „Es hat sich hier viel verändert. Seit ich weg bin, hat Bayer 04 einige Titel gewonnen, das ist großartig. Es gibt viele französische und spanische Spieler. Als ich noch hier war, waren viele Deutsche dabei. Aber ja, wie auch immer, es ist gut so. Denn wir haben gute Spieler, eine gute Mannschaft, einen guten Trainer, und wir können in dieser Saison um Titel kämpfen.“
Diaby möchte den jungen Spielern „zeigen, wie man gemeinsam kämpft“
Dazu möchte der Profi, der 2019 als 19-Jähriger von PSG nach Leverkusen kam auch in einer neuen Rolle beitragen. Diaby soll und möchte Führungsaufgaben übernehmen und das nicht nur durch Leistung auf dem Platz. „Als ich damals hier war, war ich noch jung. Jetzt, wo ich zurückgekommen bin, bin ich ein bisschen älter. Ich kann der Mannschaft helfen“, sagt er, „denn wir haben viele junge Spieler in diesem Team. Ich muss mit diesen Spielern reden, um ihnen zu zeigen, wie man spielt und wie man gemeinsam kämpft, um eine starke Mannschaft zu sein.“
„Immer wenn ich die Möglichkeit hatte, meinen Verein zu verlassen, habe ich Simon und Fernando gefragt, ob es möglich ist, zurückzukommen.“ (Moussa Diaby)
Diaby wählt, ohne nur ansatzweise großspurig zu wirken, klare Worte, wenn er einen besseren Spieler ankündigt, der zudem auch als Leader auftreten möchte und ohnehin mit seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung als Vorbild für seine Teamkollegen dienen kann. Dass er wieder ein Leverkusener Profi wurde, geschah übrigens alles andere als zufällig. War eine Rückkehr Diabys doch immer wieder ein Thema, wie der Linksfüßer verrät.
„Weil ich immer Kontakt zu Simon (Rolfes) und Fernando (Carro, die beiden Geschäftsführer von Bayer 04, Anm. d. Red.) hatte. Wenn ich also die Möglichkeit hatte, meinen Verein zu verlassen, habe ich immer mit ihnen gesprochen und gefragt, ob es möglich ist, zurückzukommen. Und sie sagten: ‚Du bist hier immer willkommen.‘ Und diesmal war der Zeitpunkt perfekt.“
„Wir müssen zu Hause zurückkommen und unseren Fans unser anderes Gesicht zeigen.“ (Moussa Diaby)
So, dass Diaby am Samstag in der BayArena gegen Union Berlin seine Rückkehr in Leverkusens Startelf feiern könnte. Was angesichts der bei der 2:3-Niederlage in Elversberg lange erschreckend harmlosen rechten Seite von Bayer 04 auch bitter nötig ist, um einen Fehlstart zu vermeiden. Diaby weiß, wie wichtig die Partie trotz des frühen Zeitpunkts in der Saison bereits ist.
„Ich freue mich darauf, am Samstag zu spielen. Auch, weil das erste Spiel nicht gut gelaufen ist. Wir müssen zu Hause zurückkommen und unseren Fans unser anderes Gesicht zeigen. Ihnen zeigen, wie Leverkusen spielt, wie Leverkusen gemeinsam kämpft, und etwas Großartiges für sie leisten.“ Damit die Euphorie um eine starke Transferperiode nicht schnell von der harten Realität der Liga ausgebremst wird.

