Richtung Saisonende geht Borussia Dortmund die Luft aus. Das wird für das Abschneiden keine Konsequenz haben, wirft aber mit Blick über den Sommer hinaus Fragen auf.
Trend wirft Fragen auf
Die philosophischen Diskussionen darum, ob das Glas am Ende halb voll oder halb leer ist, haben in Dortmund in der laufenden Saison fast schon Tradition. Die starke Punkteausbeute in der Bundesliga auf der einen Seite, die nicht immer überzeugenden Siege auf der anderen. Hier die vielen sicheren Erfolge gegen die Kleinen der Liga, dort die auffälligen Probleme gegen die direkten Konkurrenten.
Die Diskussionen werden wieder lauter
Und dazu die Diskrepanz zwischen der so gut wie sicheren Champions-League-Qualifikation im Kerngeschäft und dem schwachen Abschneiden in den Pokal-Wettbewerben. Es war deswegen im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis die Diskussionen um die Art und Weise, mit der Dortmund seine vielen Punkte bislang eingesammelt hatte, wieder lauter werden – dann, wenn die eben nicht mehr eingesammelt werden.
Zwei Niederlagen in Folge leistete sich der BVB nun gegen Bayer Leverkusen und bei der TSG Hoffenheim, davor stand ein glücklicher Sieg beim VfB Stuttgart mit zwei späten Treffern aus den einzigen beiden Torchancen. Es ist eine bedenkliche Tendenz zum Saisonende. Ein xG-Wert von zusammengerechnet 2,61 zu erwartenden Treffern in diesen drei Spielen, 27 Torschüsse, neun Chancen, drei Tore.
In Hoffenheim fehlte mit Ausnahme der Einzelleistung von Serhou Guirassy erneut die offensive Durchschlagskraft. Zudem, fast noch gravierender, mangelte es an der richtigen Einstellung. „Griffiger, schärfer, intensiver in den Zweikämpfen“ sei die TSG vor der Pause gewesen, erklärte Trainer Niko Kovac erst in der Halbzeit seinen Spielern, danach der Öffentlichkeit.
Fragen mit Blick auf die kommende Saison
Wenn eins von beiden in der laufenden Saison fehlte, konnte Dortmund das gerade gegen schwächere Gegner häufig genug kompensieren, aktuell reicht es nicht mehr. Rang 2 ist immer noch nah, die erneute Qualifikation für die Champions League weiter nahezu sicher. Aber gerade jetzt, in der immer intensiver vorangetriebenen Planung für die kommende Saison, werfen die Auftritte Fragen auf.
Liegt es nur am Fehlen von Verbindungsspieler Felix Nmecha, dass dem BVB im Spielaufbau so wenig einfällt? Liegt es nur an den nahezu sicher erreichten Zielen, dass die Spannung abfällt? Ist die schwache Punktausbeute gegen die anderen Top-6-Teams der Liga nur eine unglückliche Momentaufnahme oder ein Indiz für fehlende Qualität?
Es sind Fragen, die (sich) allen voran Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Ole Book beantworten müssen. Denn die Antworten müssen die Herausforderungen der kommenden Saison bestehen. Schafften Kovac und der BVB es in der vergangenen Spielzeit, das Momentum des starken Endspurts über den Sommer hinweg zu bewahren und positiv in die neue Saison zu gehen, droht aktuell das umgekehrte Szenario. Ein verunglücktes Finale könnte die Stimmung im und rund um den Verein drücken und damit ein Stück weit Handicap werden.
„Nicht ein bisschen, sondern mit allem“
„Wir müssen zeigen, dass wir die Spiele gewinnen wollen. Nicht nur ein bisschen, sondern mit allem, was wir haben“, fordert Ricken nun also: „Das wird die Aufgabe für die nächsten Spiele.“ Vor allem, damit das Glas wieder halb voll ist: „Wir haben noch vier Spiele Zeit, nicht nur mit Siegen, sondern auch mit einem positiven Gefühl aus dieser Saison herauszugehen.“

