Seit wenigen Tagen mischt Neuzugang Patrick Wimmer im Training der TSG Hoffenheim mit. Am Rande des Trainingslagers in Seefeld sprach der Österreicher über das Zustandekommen des Wechsels, seine Rolle im neuen Klub – und die Liebe zum Amateurfußball.
Morddrohungen in Wolfsburg
Patrick Wimmer, Sie haben ja ein Heimspiel hier in Österreich, wie fällt Ihr Fazit aus nach den ersten Tagen mit der Mannschaft in Seefeld?
Heimspiel auf jeden Fall – ich kenne das Ganze schon, weil ich mit dem Nationalteam und auch mit Wolfsburg schon einige Male hier war. Ich habe mich gleich sehr gut ins neue Team eingefunden und wurde super aufgenommen. Es ist eine gute Qualität und eine klasse Stimmung in der Mannschaft. Es macht einfach Spaß, hier zu sein.
Apropos Heimspiel, welche Rolle spielte die komplett österreichische Führung in Hoffenheim für Ihre Entscheidung?
Das hat schon eine Rolle gespielt, aber das Wichtigste sind das Sportliche und die Spielzeiten für mich. Das hat ganz klar für den Wechsel zur TSG gesprochen. Natürlich macht es das leichter, dass ich das Trainerteam und die Sportliche Leitung schon kenne und schon unter ihnen habe spielen dürfen, oder mit Alexander Prass einen Kollegen aus dem Nationalteam hier habe. Ausschlaggebend für den Wechsel war das aber nicht, sondern die Perspektive.
Was ist der größte Unterschied zwischen Wolfsburg und Sinsheim?
Zirka 400 Kilometer schätze ich (schmunzelt). Es sind beides Vereine, die große Ambitionen und große Möglichkeiten haben, auch in Wolfsburg war die Infrastruktur sehr gut, ähnlich wie in Hoffenheim, aber große Unterschiede habe ich noch nicht erkannt.
Beide Klubs sind nicht für große Fanmassen bekannt, finden Sie das schade oder stört Sie das gar nicht?
Beide Klubs sind sicher nicht in der größten Stadt beheimatet, und wenn man die Fan-Menge in Relation zur Einwohnerzahl setzt, sind das vielleicht sogar die Vereine, die prozentual gesehen sogar die meisten Fans ins Stadion ziehen. Diese Fans tragen den Klub genauso im Herzen und wollen für ihn da sein, das ist das Wichtigste. Da ist es im Endeffekt egal, ob es dann 500, 5.000 oder 50.000 sind.
„Wenn man Zuschauerzahl in Relation zur Einwohnerzahl setzt, sind das vielleicht sogar die Vereine, die prozentual gesehen die meisten Fans ins Stadion ziehen.“ (Patrick Wimmer über Wolfsburg und Hoffenheim)
Wie bitter war denn der Abstieg mit dem VfL und wie konnte das passieren?
Wenn ich das wüsste, wären wir nicht in der jetzigen Situation und Sie würden mich das nicht fragen. Natürlich ist einiges schiefgelaufen. Man kann im Nachhinein überall Punkte finden, die nicht gepasst haben in dieser Saison. Es war in allen Bereichen zu wenig, und das summiert sich dann so, dass am Ende der Abstieg steht.
Das war nach dem Abstieg mit Bielefeld bereits der zweite für Sie. Ist das Thema damit endgültig abgehakt?
Ich hoffe nicht, dass da noch einer dazukommt. Natürlich war der Abstieg mit der Arminia ein bisschen vorhersehbarer als der mit Wolfsburg, aber es tun beide Abstiege weh. Sicherlich ist es schlecht, dass das in meiner Vita steht, aber mir ist das letztlich ziemlich egal.
Nehmen Sie persönlich oder generell etwas Lehrreiches mit aus dieser Zeit nach Hoffenheim?
Auf jeden Fall. Egal, was im Verein passiert, was drumherum ist, müssen wir als Mannschaft zusammenstehen, bei uns bleiben. Wir müssen die Leistung auf den Platz bringen. Das bringt die Punkte und den Erfolg und die Kohle für den Verein.
Wie ist der Zustand der TSG, wie ist Ihr Eindruck?
Einige Verrückte habe ich schon gesehen – aber da muss ich mich auch selbst mit einbeziehen (lacht). In manchen Situationen kommt in mir einfach das Kindliche, das Verrückte durch. Es herrscht sehr viel Spaß in der Mannschaft, das habe ich schon gemerkt. Das Klima passt.
Wer sind die Verrücktesten?
Ich kann ja jetzt nicht gegen andere schießen (schmunzelt), aber ich würde mich da ganz weit oben sehen.
Was war denn entscheidend für Ihren nächsten Schritt? Wollten Sie unbedingt in der Bundesliga bleiben oder fanden Sie speziell in Hoffenheim etwas, das Sie für Ihren Karriereweg gesucht haben?
Ich habe natürlich geschaut, welche Möglichkeiten es gibt, aber ich habe in meiner Karriere schon immer mehr auf mein Bauchgefühl gehört. Und es war für mich schon wichtig, international zu spielen, das hatte mit Wolfsburg leider nie funktioniert in den drei Jahren, obwohl wir auch mal sehr knapp dran waren. Das Gesamtpaket sprach für die TSG, auch wegen des Trainers, den ich schon kannte.
Sie haben keine Akademie durchlaufen und gelten als Instinktfußballer. Hilft Ihnen diese Unbekümmertheit gerade in Drucksituationen?
Drucksituationen habe ich sehr selten, und wenn dann nicht auf dem Fußballplatz (schmunzelt). Ich bin ein Spieler, der sich nicht viel Druck macht. Es kommt sowieso alles, wie es kommen soll. Man kann sich sicher ein stückweit Glück erarbeiten, aber Druck verspüre ich bei all dem gar nicht.
„Ich bin ein Spieler, der sich nicht viel Druck macht.“ (Patrick Wimmer)
Sie sagten mal in einem Interview, Sie mögen es nicht, Ihr Leben streng nach Plan zu leben. Wie passt das zu Trainer Christian Ilzer, der einen ganz klaren Plan hat, wie er Fußball spielen will?
Ein klarer Plan auf dem Platz tut gut, wenn das Team genau weiß, was in welcher Situation zu tun ist. Das ist das Beste, was man als Spieler haben kann, und da spüre ich die Handschrift von Chris Ilzer. Mir geht es mehr um das Drumherum. Mittlerweile geht es beim Fußball in einer normalen Woche nur noch zu 20 Prozent um Fußball und 80 Prozent sind Vorbereitung, Nachbereitung, Medien und vieles andere Themen. Da vermisse ich manchmal, wie es im Amateurbereich war. Wenn um 19 Uhr Training war, warst du um 18.30 Uhr dort, hast trainiert, ein, zwei Kaltgetränke getrunken und bist wieder heimgefahren. Das ist jetzt ganz anders getaktet, du brauchst quasi drei Stunden vor dem Training und drei danach. Das ist dieser strikte Plan, den es früher nicht gab. Ich kenne das früher vom Bauernhof und aus Amateurzeiten, dass man sich alles selbst einteilen kann. Das liebe ich, aber da ist der Profifußball strikt und tickt anders. Da muss man sich natürlich einfügen.
Es gibt ein bekanntes Zitat von Ihnen: „Lieber Traktor als ein Goldketterl.“ Ist Ihnen diese Bodenständigkeit wichtig?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe ja zu Hause immer noch den Bauernhof. Ich werde auch nach meiner Karriere schauen, dass ich einen Hof bekomme oder weiterführe. Ich bin ja auch Markenbotschafter für ein Traktorenunternehmen in Österreich. Darum ist mir das auf jeden Fall sehr viel mehr wert als ein Goldketterl oder irgendetwas anderes.
Haben Sie sich mit Andi Schicker schon über das Bauern-Dasein ausgetauscht? Welche Tiere gibt’s auf dem heimischen Bauernhof?
Früher hatten wir Milchkühe, aber das ist heute nicht mehr der Fall, einfach weil die Leute dafür fehlen. Nach der Karriere wird das dann wahrscheinlich wieder kommen. Bei Andi habe ich gelesen, was er zum Geburtstag bekommen hat (Alpakas, Anm. d. Red.). Meine Berater waren damals, als wir verhandelt haben, auch bei ihm auf der Hütte. Das ist schon geil, wenn man diese Landwirtschaft und das Bauern-Dasein so lebt. Es ist schön, dass es hier beim Verein auch noch ein paar andere gibt wie mich.
Wenn dieses Getaktete manchmal schwierig ist, dann muss der WM-Sommer ja der absolute Horror gewesen sein? Sind sie mental überhaupt schon wieder bereit für die neue Herausforderung.
Der Sommerurlaub ist immer wunderschön, weil ich Zeit mit meiner Frau und meiner Familie verbringen kann. Aber als Fußballer – und das war bei mir in der Jugend auch schon so – will man Spiele spielen, bei denen es um etwas geht, und Spiele gewinnen, bei denen man etwas erreichen kann. Darum freut man sich dann, wenn es wieder losgeht. Mich würde es auch nicht stören, wenn es im Sommer durchginge. Um etwas zu spielen ist immer schön. Im Freibad bei einer kleinen Mini-WM will ich auch immer gewinnen! Aber für mich war es mit der WM und allem top. Du hast um etwas gespielt, hattest trotzdem einen schönen Urlaub, jetzt habe ich zwei Wochen Vorbereitung und dann geht es wieder um die Wurst. Das ist, was ich am Fußball liebe.
Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten bei der WM?
Persönlich gar nicht. Und im Team: Ja. Wir haben gegen Spanien verloren, sind gegen den späteren Weltmeister ausgeschieden. Da kann man verlieren. Natürlich ist es nicht leicht bei einer WM, gerade in Amerika mit einem anderen Klima, aber ich glaube, es wäre mehr drin gewesen.
Ist Ihnen bewusst, was die Mannschaft den Österreichern bei diesem späten 3:3 im Gruppenfinale nervlich abverlangt hat?
So viel kann das nicht gewesen sein (lacht). Das war noch früh am Morgen, die waren alle noch ein bisschen verschlafen. Und dann sind sie am Morgen direkt mit einem Herzinfarkt reingestartet.
Was haben Sie speziell von ÖFB-Coach Ralf Rangnick gelernt?
Mit Ralf Rangnick darf ich jetzt auch schon vier Jahre zusammenarbeiten und unter ihm spielen. Er hat mir vom ersten Tag an gesagt: „Sei einfach wie du bist, spiel dein Spiel, denk dir nix, mach dir nix.“ Das war damals mit 20, 21 Jahren. Er hat mir beim ersten Länderspiel gesagt: „Dich kennen zwar schon viele in Österreich, aber nach dem Spiel wird dich die Welt kennen.“ Ralf Rangnick ist ein Trainer, der sehr viel Ruhe ausstrahlt, sehr viel Erfahrung hat, aber auch jeden Spieler so pusht und mit ihm arbeitet, dass er sich weiterentwickeln kann. Das muss man an ihm sehr, sehr schätzen, und ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich sehr, sehr viel von ihm gelernt habe.
Haben Sie sich mit ihm auch über Hoffenheim unterhalten?
Wir haben mal kurz gesprochen während der WM, aber da war der Hauptfokus natürlich das Turnier. Es ist dann auch alles relativ schnell gegangen. Also wenig, aber wir haben uns unterhalten.
Und er hatte hoffentlich nur Positives zu berichten?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin ja auch nicht der Typ, der sich unbedingt mehrere Meinungen einholen muss. Im Endeffekt entscheide ich selbst, was passieren soll.
Würden Sie trotzdem sagen, dass Christian Ilzer der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere war, weil er diese überhaupt erst ermöglicht hat?
Das kann man auf jeden Fall sagen. Ich weiß nicht, wie andere Trainer in der Situation reagiert hätten, als er bei der Austria war. Ich hatte ja damals erst zwölf Spiele in der zweiten Mannschaft absolviert. Dass er dann so einen Schritt geht, mich gleich raufzieht und mich eigentlich auch jedes Spiel spielen lässt – da kann man schon sagen, dass das die ganze Profikarriere eingeleitet hat und dass er ein sehr, sehr wichtiger Faktor ist, warum ich auch heute wieder hier sitze.
Wie oft haben Sie eigentlich mit Chris und Andi telefoniert, bevor Sie sich final für den Wechsel nach Hoffenheim entschieden haben?
Mit beiden zusammen kein einziges Mal, glaube ich.
Kein einziges Mal?
Mit Chris habe ich das erste Mal telefoniert, als am nächsten Tag eigentlich schon der Medizincheck anstand. Da war eigentlich schon alles durch. Bei Andi war es so, dass meine Berater natürlich schon bei ihm waren und ich dann mit meinen Beratern telefoniert habe, wo er dabei war. Vielleicht habe ich mit Andi einmal telefoniert.
Nicht, dass er am Ende noch überrascht war, dass Sie auf einmal da sind!
Der Trainer hat mich beim ersten Training auf einmal angeschaut, was ich hier mache, und ich so: „Ja, ich bin der Neue! Ich gehöre da jetzt dazu.“ Da muss er jetzt wieder durch (lacht).
Wo sind Sie eingeplant und wo sehen Sie eigentlich am stärksten? Sie können ja offensichtlich alles spielen.
Wo ich mich am stärksten sehe, kann ich gar nicht genau sagen. Das hat viel mit meiner Unbekümmertheit zu tun. Ich kann offensiv fast jede Position bekleiden, auch auf der Acht spielen, im Notfall auch mal als Außenverteidiger. Mich stört es generell nicht, dass ich mehrere Positionen spielen kann. Wenn mich der Trainer auf einer bestimmten Position braucht, dann werde ich sie auch spielen. Bei dem Gespräch, das wir hatten, hat der Trainer auch gesagt: „Du kannst rechts, links, in der Mitte, vorne spielen.“ Das sehe ich exakt genauso.
Was müssten Sie in einem Jahr sagen können, damit es in der Rückschau genau der richtige Schritt war? Was muss dazu passieren?
Das Wichtigste für mich ist die Spielzeit. Und als Team muss man natürlich immer nach dem Größten streben. Ich glaube, letzte Saison war schon sehr, sehr gut, aber wir wollen auf jeden Fall diese Saison versuchen, noch einen draufzusetzen – auch wenn es schwer ist, weil vielleicht ein kleiner Umbruch war und ein paar neue Spieler dazu gekommen sind. Aber der Trainer ist derselbe, die Idee ist dieselbe, und da strebt man natürlich immer nach dem Größten. Wenn wir auf die Bundesliga schauen: Fünfter sind wir geworden, ab dem vierten Platz spielt man Champions League, also vielleicht Champions League. In der Europa League müssen wir mal schauen, wie die Auslosung wird, aber es ist natürlich ein Ziel, dass man so weit kommt wie möglich. Man muss immer nach dem Größten streben. Gerade in K.-o.-Spielen kann man jeden Gegner schlagen. Wir müssen einfach das bestätigen, was die Jungs letzte Saison mit dem fünften Platz hinbekommen haben. Wenn wir das erreichen, ist es schon sehr, sehr gut.
Oliver Baumann hat gesagt, dass es mittlerweile für jeden Gegner unangenehm sei, gegen Hoffenheim zu spielen. Können Sie das aus der vergangenen Saison bestätigen?
Ja, auf jeden Fall. Das Hinspiel in Wolfsburg war ein 2:3 und war extrem unangenehm. Diese Intensität, die Hoffenheim auf den Platz bringt, macht es jedem Gegner schwer. Wenn das Pressing greift, hast du kaum eine Chance, flach herauszuspielen oder längere Ballkontrolle zu haben. Im Rückspiel lagen wir zwar lange 1:0 vorne, aber auch da war Hoffenheim klar die bessere Mannschaft und wir konnten froh sein, überhaupt geführt zu haben. Auch bei uns in der Wolfsburger Kabine war Hoffenheim häufiger ein Thema. Wir haben gesagt, dass sie mit ihrem Pressing und ihrem schnellen vertikalen Umschaltspiel einen richtig geilen Fußball spielen. Das kann ich absolut bestätigen.
Was ist unangenehmer? Gegen solch eine Mannschaft zu spielen? Oder jetzt selbst Teil eines Teams zu sein, das so intensiv agiert?
Ich würde das mit dem Nationalteam vergleichen. Wenn du nur nach vorne denken, anlaufen und pressen musst, ist das eigentlich etwas Schönes. Du weißt, wenn du losgehst, ziehen die Mitspieler hinter dir mit. Dann musst du nicht viel nachdenken, sondern kannst einfach aggressiv draufgehen und den Schädel ein bisschen ausschalten. Deshalb ist es deutlich unangenehmer, gegen so eine Mannschaft zu spielen, als selbst Teil dieser Spielweise zu sein.
Man sieht Sie immer wieder auf Kreis- und Amateurplätzen. Wird das auch in Hoffenheim so sein?
Auf jeden Fall. Ich muss mich hier erst einmal umschauen, aber es gibt ja einige Amateurvereine in der Region. Ich werde mir sicher wieder Kreis- oder Bezirksligaspiele anschauen. Ich komme selbst aus dem Amateurfußball und genieße es einfach, sonntagnachmittags entspannt auf einem Sportplatz zu stehen und eine Currywurst zu essen. Das erinnert mich daran, wo ich herkomme.
„Entspannt auf dem Sportplatz stehen und eine Currywurst essen- das erinnert mich daran, wo ich herkomme.“ (Patrick Wimmer)
Sie haben kürzlich einmal offen darüber gesprochen, wie sehr Sie die Begleiterscheinungen des Profifußballs, das In-der-Öffentlichkeit-Stehen, stören. Hat es eine Rolle gespielt, dass es in Hoffenheim auch medial etwas ruhiger ist?
(schmunzelt) Naja, wenn wir eine überragende Saison spielen, in der Bundesliga Bayern-Verfolger Nummer eins sind, plötzlich im Pokal-Halbfinale und Europapokal-Viertelfinale stehen, dann wird das Medieninteresse sicher auch noch größer werden. Aber nein. Solche Dinge wie Medienpräsenz oder Zuschauerzahlen beeinflussen meine Transfers überhaupt nicht. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, bodenständig und höre vor allem auf mein Bauchgefühl.
Sie haben auch öffentlich gemacht, dass Sie Morddrohungen erhalten haben. Denken Sie manchmal, es wäre schöner gewesen, Amateurfußballer zu bleiben?
Ich weiß nicht, ob die Morddrohungen vielleicht auch gekommen wären, wenn ich in einer Amateurliga 70 Tore geschossen hätte (lacht). Aber im Ernst: Was mich am Profifußball wirklich extrem stört, sind anonyme Beleidigungen und Drohungen in den Sozialen Medien. Wenn jemand ein Problem mit mir hat, kann er es mir ins Gesicht sagen. Aber dieses anonyme Draufhauen verstehe ich nicht. Solange es mich betrifft, kann ich damit umgehen. Sobald aber meine Frau oder meine Familie angegriffen werden, hört für mich der Spaß auf, da verläuft die Grenze. Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich heute hier sitzen darf. Fußballprofi zu werden war nie mein großer Plan oder mein Traum. Aber ich bin dankbar, dass sich alles so entwickelt hat. Die negativen Begleiterscheinungen gehören leider dazu, aber insgesamt überwiegt ganz klar die Freude darüber, diesen Beruf ausüben zu dürfen.
Ihre Frau hat Ihnen vor einem Spiel mal Vanillekipferl als Glücksbringer gebacken und Sie haben direkt abgeliefert. Wird es die auch in Hoffenheim geben?
Vielleicht war es eher das Problem, dass es nach Weihnachten keine Vanillekipferl mehr gab (lacht). Spaß beiseite: Meine Frau ist unglaublich wichtig für mich. Sie unterstützt mich in allen Bereichen und stellt sich komplett auf meinen Beruf ein. Wenn die ersten Tore oder Assists fallen, schauen wir mal, was ich vorher von ihr bekommen habe. Vielleicht wird daraus wieder ein Glücksbringer.

