RB Leipzig hat seinen Kader mit zwei spannenden Transfers am Deadline Day finalisiert. Sowohl Neil El Aynaoui als auch Marc Guiu hatte der Klub schon seit Jahren im Visier.
El Aynaoui macht Druck auf Seiwald – Guiu sollte schon 2024 kommen
Hektische Betriebsamkeit am Deadline Day ist bei RB Leipzig längst zum Programm geworden, so auch am Dienstag, als zwei Zugänge vollzogen und gleich fünf Verabschiedungen auf den Weg gebracht wurden. Am Ende blieben nur Arthur Vermeeren und Lukas Klostermann als Ladenhüter übrig, die sportlich in Leipzig keine Perspektive mehr haben, aber auch keinen Abnehmer fanden. Der Ex-Nationalspieler besitzt einen hochdotierten und bis 2028 datierten Vertrag, das Arbeitspapier des belgischen Mittelfeldspielers läuft gar bis 2029.
Dass Vermeerens Aussichten auf Einsatzzeiten nur noch minimaler Natur sind, wurde ihm mit der auf den letzten Drücker besiegelten Verpflichtung von Neil El Aynaoui (25) verdeutlicht. Den marokkanischen WM-Teilnehmer hatten Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer und sein Scouting-Team schon längere Zeit im Visier, doch einen Kauf des laufstarken und aggressiven Mittelfeldspielers konnte sich der Klub nicht leisten. Als die AS Roma Bereitschaft zur Ausleihe signalisierte, war für Schäfer der Spalt zum Deal geöffnet. RB bezahlt vier Millionen Euro Leihgebühr und sicherte sich eine Kaufoption über 25 Millionen Euro.
Möglich wurde der Deal, weil Roms Trainer Gian Piero Gasparini den niederländischen Mittelfeld-Routinier Marten de Roon (35) holte, mit dem er schon zwischen 2017 und 2025 erfolgreich bei Atalanta Bergamo gearbeitet hatte. El Aynaoui, der vor einem Jahr von RC Lens nach Rom gewechselt war, hatte da schon einen schweren Stand unter Gasparini.
Für Marokko eine feste Größe
In der heimischen Meisterschaft berief ihn der Coach lediglich acht Mal in die Startelf, nur in der Europa League war er bis zum Achtelfinal-Aus gegen den FC Bologna nahezu durchgängig erste Wahl. In der marokkanischen Nationalmannschaft ist er eine feste Größe, stand sowohl beim nach Sportgerichts-Urteil siegreichen Afrika Cup als auch bei der WM bis zum Viertelfinal-Aus gegen Frankreich durchgängig in der Startelf.
Im Leipziger 4-3-3-System ist El Aynaoui vornehmlich als Konkurrent für Sechser Nicolas Seiwald vorgesehen, er kann aber auch die zuletzt von Rocco Reitz und Ezechiel Banzuzi eingenommenen Achter-Positionen ausfüllen. „Er ist gegen den Ball sehr intensiv und kann gleichzeitig mit seiner Spielstärke für Dynamik und Lösungen im Mittelfeld sorgen. Auch ist er auf beiden Seiten des Balles präsent und kann große Räume bearbeiten“, beschreibt Schäfer die Stärken des Neuzugangs, der aus einer sportlichen Familie stammt. Vater Younes war einst ein Weltklasse-Tennisspieler, der beim olympischen Turnier 1992 in Barcelona in der 2. Runde gegen Boris Becker verloren hatte.
Marc Guiu ist ein Versprechen für die Zukunft
El Aynaoui ist in Leipzig als Soforthilfe eingeplant, die zweite Last-Minute-Verpflichtung Marc Guiu (20) indes ist eher ein Versprechen für die Zukunft. Auch den in Barcelonas Fußballschule La Masia ausgebildeten Stürmer hatte RB schon auf dem Zettel, seitdem er gemeinsam mit Lamine Yamal bei der U-17-EM 2023 Torschützenkönig wurde. Vor zwei Jahren aber scheiterten die Bemühungen, weil der FC Chelsea einen Schritt weiter war und Guiu letztendlich für die per Ausstiegsklausel festgelegten sechs Millionen Euro holte.
Das vermeintliche Schnäppchen entpuppte sich aber nicht als sportlicher Volltreffer. Guiu kam in den beiden Jahren nur auf elf Einsätze in der Premier League, nur einmal durfte er von Anfang an ran. Ein Torerfolg blieb ihm versagt. In der Champions League kam er beim 5:1 gegen Ajax Amsterdam eine Halbzeit zum Einsatz, erzielte da die 1:0-Führung.
In Leipzig sind die Entscheider davon überzeugt, die ins Stocken geratene Karriere des Spaniers wieder in Fahrt zu bringen, allerdings ist die Konkurrenz in Romulo und Rückkehrer Christopher Nkunku enorm. 15 Millionen Euro Sockelablöse investierte RB in den neuen Angreifer, der einen Fünf-Jahres-Vertrag erhielt. Guiu erhält die Nummer 9 von Conrad Harder, der vor einem Jahr gleichfalls als großer Hoffnungsträger geholt wurde, nach einer enttäuschenden Saison aber per Leihe an Racing Straßburg schon wieder abgeschoben wurde.
Auch die Reservisten Ayodele Thomas (für 1 Million Euro zu NEC Nijmegen) und Joyeux Masanka Bungi (Leihe zum VfB Stuttgart II) fanden am letzten Tag des Transferfensters noch Abnehmer. Folgen sollen noch El Chadaille Bitshiabu (Leihe zu Galatasaray Istanbul) und Suleman Sani, um den der saudische Erstligist Al-Qadsiah wirbt. In der Türkei und in Saudi Arabien hat das Transferfenster noch geöffnet.

