Seit einer Woche ist Kathleen Krüger bereits in Hamburg, hat auch seit ihrer Unterschrift Mitte Mai schon erste Gespräche geführt. Am Mittwoch trat die neue Sportvorständin des Hamburger SV offiziell ihren Job an.
Fabio Vieira ist zu teuer – Gespräche mit Polzin
Eine Stunde dauerte der erste öffentliche Auftritt von Kathleen Krüger als neue Sportvorständin des HSV. Sie wurde zunächst vorgestellt in einem launigen Talk von den Aufsichtsräten Michael Papenfuß und Henrik Köncke, in der anschließenden Pressekonferenz folgten die ersten klaren Botschaften. Die Wichtigste: Der Vorjahres-Aufsteiger bleibt in seiner zweiten Bundesliga-Saison bei allen Ambitionen ein Herausforderer – auch auf dem Transfermarkt.
„Fabio Vieira liegt preislich nicht im Regal des HSV“
Dass Fans, Umfeld und auch das Trainerteam um Merlin Polzin von einer festen Verpflichtung Fabios Vieiras träumen, hat Krüger natürlich vernommen. Der Leih-Vertrag des Portugiesen ist am 30. Juni auch offiziell ausgelaufen, die Einschätzung der neuen Chefin ist von Realismus geprägt: „Fabio ist ein herausragender Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Gleichzeitig muss man die Realität betrachten. Ein Spieler mit dieser Qualität liegt preislich nicht im Regal des HSV, das muss man so klar sagen.“
Ihre Begründung zeigt, dass sie in den zurückliegenden Wochen bereits tief eingetaucht ist in den neuen Job und keine Luftschlösser bauen will: „Wir haben durch die vergangenen Jahre eine gewisse wirtschaftliche Lücke aufzuholen. Der aufgerufene Preis ist nicht darstellbar.“ 22 Millionen Euro waren als Kaufsumme festgeschrieben, aktuell ist Sportdirektor Claus Costa bemüht, in Gesprächen mit dem FC Arsenal den Preis zu drücken. Krügers Einschätzung gibt gleichzeitig eine generelle Richtung vor: „Für uns ist es wichtig, dass wir richtige, gute und gesunde Entscheidungen treffen – und nicht irgendwelche.“
Eine zentrale Entscheidung steht für Krüger, die neben Matthias Dombrowski vom FC Ingolstadt ab dem 1. August zudem Lena Hof (vom FC Bayern) als Assistentin an ihrer Seite haben wird, auch in der Trainerfrage an (kicker berichtete). Der Vertrag von Erfolgstrainer Polzin endet 2027. Die 41-jährige Ex-Münchnerin will sich nicht treiben lassen, geht dieses Thema aber mit Hochdruck an: „Ich möchte mir keine Deadline setzen lassen. Aber wir haben nächste Woche Trainingsstart, danach direkt ein Trainingslager. Da gibt es viel Zeit, uns kennenzulernen. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir das abgeschlossen haben und wir etwas zu vermelden haben, dann sind wir da.“
Ein erstes Kennenlernen hat zwischen beiden bereits vor Krügers erstem offiziellen Arbeitstag an diesem Mittwoch stattgefunden, nun geht es an die Details. Mit ihrer grundsätzlichen Vorgabe weist sie eine Schnittmenge mit Polzin auf. „Wir werden auch im zweiten Jahr noch sehr häufig der Herausforderer sein“, wählte Krüger einen Satz, der so ähnlich auch schon vom Coach formuliert worden ist. Sie unterstreicht aber ebenfalls, dass sie perspektivisch mehr will: „Wir sind mutig, ambitioniert und leidenschaftlich. Wir wollen nicht verwalten, sondern entwickeln.“

