Erst das 3:2 gegen Bayer Leverkusen, nun dieses 4:3 bei Borussia Mönchengladbach: Die SV Elversberg mischt die Bundesliga auf. Der Aufsteiger bewegt – auch außerhalb des Saarlands.
Trainer Wagners „stiller Protest“
Elversberg rockt die Bundesliga. Der Dorfklub scheint sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen, trotz aller Widerstände. „Wir liegen vor dieser Kulisse mit 1:3 zurück und drehen das Spiel als Aufsteiger, das ist schon bemerkenswert. Wir sind einfach eine Einheit, wir geben uns niemals auf“, verweist Kapitän Lukas Pinckert stolz auf die Moral und den unbedingten Siegeswillen seines Teams, das sich auch von 49.000 gegnerischen Fans – gut 2000 waren aus dem Saarland nach Mönchengladbach gereist – nicht hat aus der Ruhe bringen lassen: „Mich pusht es sogar, wenn alle gegen uns sind. Wir lassen uns davon nicht beeinflussen, sondern spielen einfach unseren Fußball.“
Der Spielstil ist auch in der Beletage von Mut und kalkuliertem Draufgängertum in der Offensive geprägt, seit Jahren – bei der Trainerwahl entsprechend berücksichtigt – genau so einstudiert, denn: Die Philosophie in den Köpfen ist längst zur in Fleisch und Blut übergegangenen sogenannten Klub-DNA geworden.
„Es war ein stiller Protest.“ (Vincent Wagner)
Gegen Gladbach standen mit den jungen Francis Onyeka (19) und Cole Campbell (20) nur zwei Neuzugänge in der Startelf. Neben diesen beiden konnte sich die SVE dank ihres langfristig erarbeiteten exzellenten Rufs als Ausbildungsverein aber auch die Dienste weiterer vielversprechender Top-Talente sichern und hat daher die Option, auch den einen oder anderen Unterschiedsspieler von der Bank zu bringen.
Krattenmacher ist einer der Hauptdarsteller
Gegen Gladbach erwies sich insbesondere Maurice Krattenmachers Einwechslung (65.) beim Stand von 1:3 als Glücksgriff. Gleich mit seinem ersten Ballkontakt traf der 21-Jährige die Latte, mit seinem zweiten erzielte er sein erstes Bundesliga-Tor, indem er den Alu-Abpraller zum 2:3-Anschlusstreffer über die Linie bugsierte und die furiose Aufholjagd der Saarländer einleitete. Auch an den Toren drei und vier war Krattenmacher, vor der Saison vom FC Bayern verpflichtet, maßgeblich beteiligt. Vor dem Ausgleich war er gefoult worden, Felix Keidel nagelte den fälligen Freistoß zum 3:3 in den Winkel. Den Siegtreffer übernahm der 21-Jährige wieder selbst und hat damit die Karten um die Position auf der linken offensiven Außenbahn, auf der sich zunächst Campbell durchgesetzt hatte, neu gemischt.
Einer aber war außen vor statt mittendrin: SVE-Trainer Vincent Wagner, der wegen Reklamierens auf dem Weg Richtung Kabine Gelb-Rot gesehen hatte und fortan auf der Tribüne ausharren musste. Sein Ärger über eine falsche Einwurfentscheidung, die letztlich zum 1:2-Pausenstand geführt hatte, war nachvollziehbar, der Platzverweis für Wagner selbst dagegen nicht: „Es war ein stiller Protest, gemeckert habe ich nicht, ich bin auch nicht gerannt und habe nicht gewunken.“
Schiedsrichter Martin Petersen hatte in Wagners Verhalten trotzdem eine Regelwidrigkeit erkannt, erklärte bei Sky: „Er hat mich zwar nicht mit irgendwas konfrontiert, aber er läuft in meine Richtung, das ist eben eine Unsportlichkeit.“
Doch selbst dieser Platzverweis konnte die Akteure nicht bremsen, weil auch Wagners Co-Trainer die SVE-DNA längst verinnerlicht haben und intuitiv die richtigen Entscheidungen trafen. „Wir machen die richtigen Wechsel und haben am Ende noch die Courage, statt auf Halten auf Sieg zu spielen“, lobt Wagner seine Vertreter, aber auch das durchaus vorhandene Selbstbewusstsein seines Teams: „Wir glauben an uns und wissen, dass wir sehr gut Fußball spielen können. Das musst du in dieser Liga aber auch.“
Die Elversberger gehören aber auch deshalb aktuell zu den Top-Teams der Liga, weil sie schnell lernen und permanent versuchen, ihre Fehler, von denen es auch in Gladbach durchaus viele gab, kurzfristig abzustellen. Zudem gelingt es den Spielern, durch möglichst hohe Laufleistung und enorme Willensstärke eigene Schwächen zu kompensieren und einander zu unterstützen.
„Wir haben einfach auch eine coole Mentalität, sowohl auf als auch neben dem Platz“, erläutert Wagner. Die wird man auch brauchen, wenn nächstes Wochenende Elversberg-Jäger Nummer eins, der FC Bayern, zu Gast ist. Denn die Münchner wollen angesichts zweier Punkte Rückstand in der Tabelle die Dorfidylle empfindlich stören und standesgemäß auf die Überholspur gehen.

