Sein Startplatz ist erst mal weg. Aber Ermedin Demirovic ist noch da. Stuttgarts Torjäger will den Respekt für seinen Namen wiederherstellen.
Wechsel-Gerüchte beschäftigten den Bosnier
Wucht ist eine seiner unübersehbaren Qualitäten, eine seiner absoluten Stärken. Mit ebendieser setzte sich Ermedin Demirovic beim 4:1 gegen Köln auf dem rechten Flügel gegen Luka Lochoshvili durch, zog in den FC-Strafraum und knallte den Ball ins kurze Eck zum Stuttgarter 2:0. Ein Treffer, den er vor der Cannstatter Kurve feierte. Mit ihm zujubelnden Fans und einer Geste, die klarmachen sollte: Ich bin da, ich geh‘ nicht weg!
Auch Cheftrainer Hoeneß war verärgert
Mit dem Zeigefinger auf die eigene Brust deutend. Ein Signal an alle Zweifler und Kritiker – und an den TV-Sender, der in der Vorbereitungszeit in den Raum gestellt hatte, dass Demirovic den VfB verlassen dürfe beziehungsweise sollte. „Eine Lüge“, wie der bosnische WM-Fahrer verärgert meint. Die besagte, „dass der Trainer mich verkaufen möchte“. Worauf auch Sebastian Hoeneß mit dem Statement reagierte, er sei „irritiert und verärgert“ darüber.
Damit hätte die Sache ausgestanden sein können. Doch sie verfolgte Demirovic weiter. Die Sache habe ihn „viele schlaflose Nächte gekostet“. Und obwohl der 28-Jährige öffentlich erklärte, „dass ich bleiben will, hat es nicht aufgehört. Natürlich kommst du dann irgendwann in eine Phase, in der du dich fragst: Muss ich mich jetzt wirklich umschauen? Bin ich so unerwünscht? Wie sieht die Situation aus? Umschauen, nicht umschauen, andere Vereine“?
Schlaflose Nächte und Kopfschmerzen
Erst Hoeneß und die Familie brachten Ordnung in die irritierten Gedanken des Stürmers, der bisher in 90 Pflichtspielen für den VfB 33 Treffer erzielt hat. „Nach vielen intensiven Gesprächen, mit vielen Kopfschmerzen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass das der richtige Weg ist.“ Vor allem der Austausch mit dem Cheftrainer half. „Ich kenne ihn so lange. Wir hatten so viele offene und ehrliche Gespräche. Ich habe ihm ganz klar gesagt: Ich möchte bleiben. Wenn du mich aber nicht brauchst und denkst, ich soll gehen, dann muss ich mich natürlich umschauen.“
„Ich habe ihm keine andere Wahl gelassen.“ (Ermedin Demirovic über VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß)
Hart, aber fair, so bevorzugt es Demirovic. „So ist das Geschäft. Ich finde, dass gar nichts daran falsch ist“, so der bosnische WM-Fahrer. „Aber der Trainer hat mir das Gefühl gegeben von Wichtigkeit, dass er mich hierbehalten will, dass er mich braucht und auch gerne mit mir weiterarbeiten will.“ Also genehmigte sich der Spieler, wie er mit einem Lächeln auf den Lippen sagt, das letzte Wort: „Ich habe ihm eigentlich keine andere Wahl gelassen, weil ich gesagt habe, ich bleibe bei dir.“
Für beide Seiten die wohl beste Entscheidung, meint der 28-Jährige, der im weiteren Verlauf des Sommers noch einmal ins Grübeln geriet. Als Galatasaray nach Istanbul lockte. Mit einer Verdoppelung seines Netto-Einkommens. Allerdings mit dem Haken, sich hinter dem von den Gala-Fans angehimmelten Torjäger Victor Osimhen anstellen zu müssen. Was die Absage der Seite Demirovic folgen ließ.
„Es gibt momentan nicht viel Besseres da draußen.“ (Demirovic über den VfB Stuttgart)
Aktuell muss er sich zwar auch gedulden und hinter VfB-Neuzugang Dzenan Pejcinovic warten. Allerdings ist es das wert. „Ich fühle mich wohl in Stuttgart. Wir haben noch einiges vor, wir spielen Champions League. Ich glaube, dass es momentan nicht viel Besseres gibt da draußen.“
Blieb eigentlich nur noch eine Sache, die einer Klärung bedurfte. Die Heilung des angekratzten Images infolge der Gerüchte um seine Person. Vor Saisonbeginn habe er sich deswegen „vorgenommen, den Respekt für meinen Namen wiederherzustellen“, sagt Demirovic. Er sei weder ein Verkaufskandidat gewesen noch ein Spieler auf Vereinssuche, der nicht fündig geworden ist. „Das habe ich gegen Köln ganz gut hinbekommen.“

