Das Pflichtspiel-Comeback ist noch nicht absehbar, doch die schlimmste Phase nach seinem Kreuzbandriss liegt hinter Mitchell Weiser: Über den langen Weg zurück hat er nun ausführlich gesprochen.
Offene Worte vom Bremer
Bislang sind es noch kleine Schritte, die Mitchell Weiser seit dem Vorbereitungsstart des SV Werder Bremen gemacht hat: In der vergangenen Woche während des Trainingslagers im Zillertal wurde er noch ohne Körperkontakt in die Einheiten teilintegriert – und trotzdem war dem 32-Jährigen die Freude über seine Rückkehr in fast jeder Aktion anzumerken.
Über ein Jahr liegt sein am 16. Juli 2025 im Training erlittener Kreuzbandriss zurück – nun hat sich Weiser gegenüber den Vereinsmedien erstmals zu seiner Leidenszeit geäußert. Er spricht dabei über Ungeduld („Du fragst dich: Warum dauert es so lange?“), über Lehren („Mir ist noch bewusster geworden, was wir da eigentlich machen“) – aber auch über Zweifel: „Was ist, wenn es nie wieder gut wird?“
Keine verlässlichen Aussagen zur Rückkehr
Es wurde wieder gut: Weiser hinterließ in den Übungen, die er in Österreich absolvieren konnte, sogleich wieder einen spielstarken Eindruck. In dieser Hinsicht hat er ja schon immer einen Unterschied ausgemacht im Bremer Kader – weshalb Werder seinen Vertrag trotz der mit dieser schweren Verletzung verbundenen Unwägbarkeiten erneut verlängert hatte.
Wann der für die rechte defensive Außenbahn vorgesehene Profi jedoch wieder in einem Pflichtspiel mitwirken kann, dazu hält sich Daniel Thioune indes bedeckt: „Das weiß ich nicht.“ Verlässliche Aussagen trifft der Coach bewusst noch nicht: „Es sind zwölf Monate vergangen – und dann werden wir schlimmstenfalls auch noch mal zwölf Wochen durchhalten können, falls es so lange dauert.“
Weiser: „Ich war in einem kleinen Loch“
Wenn es nach Weiser gegangen wäre, hätte er am liebsten schon in den vergangenen Monaten auf dem Platz gestanden: „Ich habe mich zwar nicht gestresst, ein großes Ziel war aber schon, letzte Saison noch zurückzukehren. Als das nicht geklappt hat, war ich schon in einem kleinen Loch.“
„Bänderrisse oder andere Wehwehchen“ – das alles kannte der Bremer aus seiner bisherigen Karriere bereits – aber der Kreuzbandriss? „Das war was komplett anderes.“ Er berichtet davon, wie er anfangs jeden Tag allein zum Training gefahren ist und „die ersten sechs bis acht Monate die langweiligsten Übungen“ absolviert habe: „Am Anfang war sogar das Laufen komisch.“ Zwischenzeitlich erkundigte er sich auch bei David Alaba, Grischa Prömel und Mitspieler Senne Lynen nach deren Kreuzbandriss-Erfahrungen.
„Es ist krass, das zu sagen, aber …“
Im Nachhinein sei es auch für Weiser persönlich eine aufschlussreiche Zeit gewesen, betont er: „Grundsätzlich sehe ich es mittlerweile als das letzte Puzzlestück, was noch gefehlt hat. Ich habe vieles durchgemacht, aber sowas noch nicht. Ich sehe es jetzt positiv, weil ich dadurch sehr viel gelernt habe.“ Und weiter: „Es ist krass, das zu sagen, aber ich bin dankbar für die Erfahrung.“
Und auch jetzt scheint diese ihm zu helfen, die letzten Schritte zu gehen: „Natürlich merke ich nach den ersten Trainings, dass ich mehr will. Ich kann mich aber auch selbst gut bremsen.“ Noch werde er Zeit brauchen, wenngleich sich während des zurückliegenden Jahres immer wieder „Visionen und Filme im Kopf“ abspielten, „wie es ist, wieder auf den Platz zurückzukommen“ – und sogar: „Dass ich reinkomme und ein Tor schieße.“
Wahnsinn Weserstadion: „Das verlierst du aus den Augen“
Weiser werde aus dieser Zeit „viel Kraft ziehen“, kündigt er an, er könne „besser werden als zuvor“ – weil er auch zu schätzen weiß, dass es „absoluter Wahnsinn ist, vor 42.000 Fans im Weserstadion zu spielen“, so der Rückkehrer: „Das verlierst du über die Zeit aus den Augen. Ich habe mir für die restliche Zeit meiner Karriere vorgenommen, die hoffentlich noch lange gehen wird, das noch mehr zu genießen.“

