Direkt nach seinem Debüt verletzte sich Guela Doué an der Wade. Ein Comeback nach der Länderspielperiode in der Partie in Mainz schreibt Bayers neuer Rechtsverteidiger ab, der mit Leverkusen die Meisterschaft gewinnen will und zur Integration Spanisch lernt.
Bayers neuer Rechtsverteidiger noch lange nicht fit
Der Blick auf den Trainingsplatz am Rande der BayArena tut Guela Doué weh. Kann der 23-Jährige am Dienstagvormittag doch seinen neuen Mitspielern nur zuschauen. „Es ist echt scheiße, hier zu sein. Denn ich sehe meine Teamkollegen, wie sie einfach Spaß am Fußballspielen haben“, sagt der ivorische Nationalspieler, der mit einer Wadenverletzung ausfällt, „für mich ist das meine Leidenschaft, deshalb möchte ich einfach mit ihnen auf dem Platz stehen, um das zu tun, was ich so gerne mache.“
Bis es dazu kommt, dass der für eine Ablöse von 32 Millionen Euro plus Boni bei Racing Straßburg losgeeiste Rechtsverteidiger für Bayer 04 aufläuft, wird aber noch eine Weile dauern. Schließlich hat es den WM-Teilnehmer heftig erwischt. Anfangs musste Doué, der sich nach seinem Joker-Debüt für Bayer 04 am 3. Spieltag in Augsburg (2:2) im Training vor dem Europa-League-Spiel gegen NK Celje (2:0) verletzte, sogar an Krücken gehen, um den lädierten Muskel („Es war sehr schmerzhaft“) zu entlasten.
Selbst an Lauftraining ist noch nicht zu denken
Inzwischen hat er die Gehhilfen zwar weggelegt, doch noch nicht einmal an Lauftraining, das er wohl erst in einer Woche starten kann, ist aktuell zu denken. Vielmehr stehen Reizstrom-Therapie, Massagen und Aquajogging auf dem Programm. „Ich weiß, dass ich Geduld haben muss“, erklärt der Bruder von PSG-Star Desiré Doué, „damit diese Verletzung erst einmal heilt.“ Viel Geduld.
Bis zu seinem Comeback wird noch einige Zeit ins Land ziehen. „In ein paar Wochen werde ich wieder spielen können“, sagt Doué, der dann die Möglichkeit verneint, dass er im ersten Spiel nach der Länderspielperiode in Mainz wieder dabei sein könnte: „Nein“, erklärt Doué auf Nachfrage der Bild, „ich muss leider noch warten.“
Die Meisterschaft gewinnen? „Natürlich – warum sollte ich sonst spielen?“
Also kann der Profi, den Bayer 04 verpflichtete, um die Dauerbaustelle Rechtsverteidiger für lange Zeit zu schließen, vorerst nichts dazu beitragen, um seine hohen Ambitionen mit dem Werksklub umzusetzen. Dabei legt Doué, der wie in Straßburg praktiziert auch innen verteidigen kann, die Latte schon für die laufende Saison auf die höchste Stufe. „Ich möchte Titel gewinnen“, sagt er und schließt die Meisterschaft dabei explizit nicht aus. „Natürlich – warum sollte ich spielen, wenn ich nicht gewinnen will? Es hat keinen Sinn zu spielen, wenn man nicht gewinnen will“, unterstreicht der schnelle und auch offensivstarke Außenverteidiger seine Einstellung.
Für seine Rolle bringt er eine Vielzahl wichtiger Skills mit. Die er auch selbstbewusst einordnet, wenn er über sich als Spielertyp spricht. „Ich bin in erster Linie ein Verteidiger. Ich spiele als Außenverteidiger, aber ich liebe es, zu verteidigen. Ich liebe Eins-gegen-eins-Situationen. Ich mag es, aggressiv zu sein, um Bälle zu gewinnen, Zweikämpfe zu entscheiden und auch offensiv mit Flanken, Toren und Vorlagen zum Spiel beizutragen“, erklärt Doué, der zusammenfassend urteilt: „Ich würde mich also als kompletten Spieler bezeichnen, defensiv stark und mit diesem Siegeswillen. Ich hasse es, zu verlieren.“
„In der Bundesliga ist es ein Spiel wie in der Premier League: Man muss kämpfen, und das liebe ich.“ (Guela Doué)
Seit der Double-Spielzeit 2023/24 hatte Doué Bayer 04 im Blick, „als sie mit Xabi Alonso diese großartige Saison hatten. Und ich war überrascht, weil es wirklich eine offensive Spielweise ist. Es fallen viele Tore. Es ist ein Spiel der schnellen Umschaltphasen. Ich war überrascht von dieser Intensität und Aggressivität.“ Ein Spiel-Charakter, der gut mit seinem Auftreten auf dem Platz korrespondiert. „Wenn ich meine Stärken betrachte, denke ich, dass ich gut in die Bundesliga passe, weil ich gerne renne, eine breite Brust habe und Zweikämpfe liebe“, sagt Doué, „es ist also ein Spiel wie in der Premier League: Man muss kämpfen, und das liebe ich.“
Die Eingewöhnung bei Bayer fällt ihm trotz seiner Verletzung leicht. Stellen doch neben den spanischsprachigen die französisch sprechenden Profis die größte Fraktion im Kader, in dem mit Martin Terrier und Loic Badé, mit denen er einst bei Stade Rennes zusammenspielte, auch zwei für Doué persönlich bekannte Gesichter stehen. Entsprechend der Größe dieser Gruppen hat der Ivorer, der sehr gut Englisch spricht, seine sprachlichen Ambitionen ausgerichtet.
„Ich fange an, Spanisch zu sprechen, ich versuche, es zu lernen, weil es wichtig für die Integration ist“, erzählt Doué. Eine überraschende Aussage für einen Profi, der in die Bundesliga wechselt, aber angesichts von nur sieben potenziellen DFB-Spielern im Kader auch logisch. Doch der Abwehrspieler greift auch beim Sprachunterricht an. Er lerne „sogar Deutsch“, sagt der Athlet, „vielleicht kann ich bald ein Interview auf Deutsch geben.“ Doch dann nicht während, sondern nach einer Trainingseinheit. Damit Doué der Blick auf den Trainingsplatz keine Schmerzen bereitet.

