Union Berlins Geschäftsführer Horst Heldt hatte nicht ausgeschlossen, dass Marie-Louise Eta länger Männer-Cheftrainerin bleibt. Präsident Dirk Zingler schob dem nun einen Riegel vor.
„Da tun wir ihr einen Bärendienst“
Die Dimensionen des Engagements von Marie-Louise Eta wurden spätestens mit ihrer international besetzten Pressekonferenz klar. Dazu trudelte zuletzt auf der Geschäftsstelle des 1. FC Union Berlin ein Brief von der FIFA ein, unterschrieben von Jill Ellis, Chief Football Officer beim Weltverband.
„Die Ernennung zur weiblichen Cheftrainerin in einer Spitzenposition bei den Männern bringt unser Spiel insgesamt nach vorne und sendet ein starkes Signal an viele andere Mädchen und Frauen in der ganzen Welt, dass auch sie davon träumen können, als Trainerinnen auf dem höchsten Niveau zu arbeiten – im Frauen- und im Männer-Fußball“, schrieb Ellis, die frühere Weltmeisterinnen-Trainerin der USA.
Mit der Diskussion tue man niemandem einen Gefallen, sagt Zingler
Rund um die Partie des 1. FC Union gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) werden wie schon derzeit in den Trainingsheiten unzählige Objektive und Mikrofone in Richtung der 34-Jährigen gerichtet sein. Dieser Medienrummel allerdings wird nur noch wenige Wochen anhalten. Das stellte Vereinspräsident Dirk Zingler zumindest durch Aussagen bei Sky indirekt klar.
„Marie-Louise Eta hat vor zwei Wochen mit ganz großer Überzeugung, wir beide haben mit ganz großer Überzeugung einen Vertrag für die Frauen-Bundesliga unterschrieben“, sagte Zingler. Geschäftsführer Horst Heldt hatte zunächst die Zukunft über die Saison hinaus offen gelassen und damit nicht ausgeschlossen, dass Eta länger Männer-Cheftrainerin bleibt.
„Marie-Louise Eta wird für fünf Spiele hier verantwortlich sein und danach wird sie die Frauen übernehmen“, sagte Zingler. Mit der Diskussion über eine Verlängerung des derzeit auf die letzten fünf Saisonspiele vereinbarten Engagements tue man niemandem einen Gefallen, meinte Zingler.
Eta hatte die Frage gelassen umschifft
„Wenn sie richtig gut ist, dann bleibt sie bei den Männern, wenn sie nicht so gut ist, geht sie zu den Frauen: Diese Diskussion führe ich gar nicht. Es ist immer eine fachliche, inhaltliche Entscheidung, wer welche Mannschaft trainiert und sie mit dieser Diskussion zu begleiten, da tun wir ihr und auch dem Frauenfußball insgesamt einen Bärendienst“, sagte der 61-Jährige.
Möglicherweise will Zingler schon frühzeitig aus einer potenziellen Zwickmühle aussteigen – die entstehen könnte, wenn Eta den erhofften Erfolg im Saisonschlussspurt hat und sich dann einen Riesenbonus bei den Fans und in der Öffentlichkeit erworben hat.
Sie selbst war bei der Pressekonferenz gelassen mit der Frage zu einem längerfristigen Engagement umgegangen und hatte auf ihre geplante Aufgabe bei den Frauen verwiesen. „Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall noch Trainerin, ja“, sagte die 34-Jährige und ließ mit dieser Antwort offen, für welche Mannschaft.
Eta war „schon auch überrascht“ von ihrer Ernennung
Bei Sky berichtete sie nun, dass ihre Ernennung zur Cheftrainerin der Männer auch für sie unerwartet kam. „Ich habe mich über das Vertrauen sehr gefreut, war natürlich schon auch überrascht“, sagte die gebürtige Dresdnerin. Sie habe „in der direkten Vorbereitung auf das U-19-Spiel, was am Sonntagvormittag stattgefunden hat“, von der historischen Entscheidung erfahren.
Trotz der Freude über die Beförderung sei es „nicht das Einfachste“ gewesen, „den Jungs und dem Trainerteam am Samstagabend zu sagen, dass ich am Sonntag nicht kommen kann“.

