Findet der BVB nach dem herben 1:4 in Bergamo ausgerechnet gegen den FC Bayern zurück in die Spur? Dortmunds Trainer Niko Kovac wünscht sich im Topduell am Samstag eine mutige Reaktion seiner Elf. Der Druck jedenfalls ist durch das Champions-League-Aus deutlich größer geworden.
Kovac fordert Mut im Duell mit dem „Nonplusultra“
Vor einer Woche noch blickte Borussia Dortmund äußerst optimistisch in die nahe Zukunft. Ein souveräner Heimsieg in der Bundesliga gegen Mainz 05 (4:0), ein souveräner Sieg im Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Atalanta Bergamo (2:0). Der defensiv stabile und spielerisch verbesserte BVB schien bereit für die in dieser Saison noch wartenden Aufgaben – und vielleicht sogar für einen Titelkampf mit dem FC Bayern. Doch nach einem 2:2 bei RB Leipzig und vor allem nach dem Aus in der Königsklasse durch eine spektakulär schiefgelaufene Vorstellung in Bergamo (1:4) droht die lange Zeit grundsätzlich positive Stimmungslage zu kippen.
Bei einer Niederlage droht ein Spannungsabfall – und Diskussionen
Dortmund steht ausgerechnet vor dem direkten Duell mit dem Liga-Primus am Scheideweg. Mit einem Sieg wäre die Mannschaft von Niko Kovac national voll in der Spur und dürfte weiter auf einen – selbst dann noch immer unwahrscheinlichen – Coup hoffen. Bei einer Niederlage indes droht ein kompletter Spannungsabfall, verbunden mit schmerzhaften Diskussionen über die Kader-Qualität und die Arbeit der Verantwortlichen.
Dass es den im deutschen Klassiker unbedingt zu vermeiden gilt, ist den Dortmundern bewusst. Auch wenn Kovac am Freitag betonte, dass sich alle im BVB-Lager auf das Spiel gegen den FC Bayern freuen würden: Es ist Druck auf dem Kessel, dazu reichte in den vergangenen Tagen einen Blick in den Pressespiegel, die Fanforen und Sozialen Medien.
Dortmund will und muss ein anderes Gesicht zeigen
Kovac indes will die Partie gegen den souveränen Tabellenführer als Chance verstanden wissen: „Wir freuen uns darauf und können mit einem Sieg einiges wieder spannend machen“, sagt der BVB-Coach, ohne das Wort Titelkampf in den Mund zu nehmen. Ihm ist ein anderer Aspekt wichtig: „Wir können das, was wir in Bergamo an Reputation eingebüßt haben, wieder aufpolieren.“ In jedem Fall wird seine Elf ein anderes Gesicht zeigen müssen. Spielerisch wie in der Bereitschaft, mit der sie diese Partie angeht, denn: „Wir müssen zu 100 Prozent ein gutes Spiel hinlegen, von der ersten bis zur letzten Sekunde, denn unser Gegner ist das Nonplusultra in Europa.“
Mut darf dem BVB machen, dass die Stabilität national zuletzt trotz vereinzelter Rückschläge wie in der ersten Hälfte in Leipzig stets gewährleistet war. In den jüngsten 31 Partien in der Bundesliga gingen die Dortmunder nur einmal als Verlierer vom Platz – beim 1:2 im Hinspiel. Und selbst da kam die Kovac-Elf nach einer desolaten Hälfte zurück und hätte die Partie fast noch gedreht.
„Wir müssen zeigen, dass wir dieses Spiel gewinnen möchten.“ (Niko Kovac)
„Wir müssen uns die zweite Hälfte von damals zum Vorbild nehmen“, sagte Kovac am Freitag in Erinnerungen an einen Auftritt, der nach dem Seitenwechsel ebenso mutig wie angriffslustig war – und die Blaupause für das jetzige Heimspiel darstellen soll. Dabei setzt Kovac auch auf die Unterstützung des Publikums, die Dortmunds Coach auch mit einer klaren Körpersprache überzeugen möchte: „Es geht für uns darum, eine Reaktion zu zeigen. Wir müssen zeigen, dass wir dieses Spiel gewinnen möchten.“
Personell kann der 54-Jährige dabei wieder auf die Dienste von Innenverteidiger Nico Schlotterbeck zurückgreifen, der in Bergamo zwar bereits wieder auf der Bank saß, aber noch nicht zum Einsatz kommen konnte. Gegen München ist der Nationalspieler wieder eine Option für die Startelf – und damit ein zusätzlicher Mutmacher für den BVB.

