Im letzten Heimspiel sicherte sich Borussia Dortmund nicht nur die Vizemeisterschaft, man verabschiedete sich gebührend von verdienten Spielern und von Sebastian Kehl. Ein Abschied, den die Betroffenen so schnell nicht vergessen dürften.
Süles besonderes Jubiläum – Brandt freut sich auf Bremen
Die Kulisse war würdig, letztes Heimspiel der Saison, volle Hüte und eine energiegeladene Stimmung auf den Tribünen. Borussia Dortmund hat vor dem letzten Heimspiel der Saison drei Spieler und den früheren Sportdirektor Sebastian Kehl verabschiedet. Wenig üüberraschendwurde es emotional. So auch bei Kehl, der bei seiner Verabschiedung lauten Applaus erhielt und gefeiert wurde. Stadionsprecher Norbert Dickel bezeichnete den 46-Jährigen als „echten Borussen“.
Die Fans forderten Kehl auf, vor die Südkurve zu treten und skandierten anschließend seinen Namen. „Kehl, Kehl“ hallte durchs weite Rund – ein Moment, der auch beim 46-Jährigen in Erinnerung bleiben dürfte. Als Spieler erarbeitete sich Kehl in Dortmund während seiner Zeit von 2002 bis 2015 Legendenstatus, er bestritt 361 Spiele (22 Tore) und gewann dreimal die Meisterschaft sowie einmal den DFB-Pokal.
Als Sportdirektor war er jedoch auch immer wieder kritisch beäugt worden. Das tat am Freitagabend aber nichts zur Sache, da stand der Mensch im Fokus – und er wurde auch noch von Dortmunds Präsident Hans-Joachim Watzke geehrt, während Dickel in die Nacht hinausposaunte, dass Kehl „Schwarz-Gelb gelebt und geatmet“ habe.
Süle ist nur noch dankbar
Neben Kehl wurde mit Julian Brandt (306 Spiele für Dortmund), Salih Özcan (96) und Niklas Süle (109) auch noch drei Spieler, die den Klub am Saisonende verlassen werden, gebührend verabschiedet. Brandt stand dann auch in der Startelf, durfte das Team sogar als Kapitän anführen. Der 30-Jährige erwies sich dann auch als Aktivposten und erhielt bei seiner Auswechslung in der 75. Minute tosenden Applaus. „Wenn du dein letztes Heimspiel hier hast, das ist schon was Besonderes“, sagte er nach Abpfiff bei Sky und fügte an: „Im Fußball geht’s schnell – und man sieht sich auch schnell wieder, aber die Wehmut tritt dann schon ein. Das, was man hier über Jahre vorgefunden hat, realisiert man erst dann, wenn es wirklich weg ist.
Özcan und Süle verfolgten das Spiel derweil lange auf der Bank, wurden aber eingewechselt: Özcan in der 78. und Süle in der 88. Spielminute. BVB-Coach Niko Kovac verriet dann noch, dass er am Vorabend Schiedsrichter Patrick Ittrich, der ebenfalls am Saisonende seine Karriere beenden wird, gesehen und ihm gesagt habe. „Pass auf, morgen darfst du nicht abpfeifen, bevor ich den Niki nicht gebracht habe. Das wusste er und Niki wusste auch, dass ich ihn bringe. Das hat er sich verdient, er ist ein toller Junge, hat eine tolle Karriere hingelegt. Jetzt gönne ich ihm seinen Ruhestand, alles Schöne, alles Gute, er wird viel golfen und wahrscheinlich die Welt bereisen.“
„Ich bin unfassbar froh über den Rahmen hier. Dass der Trainer mir nochmal ein paar Minuten gegeben hat, ist unfassbar schön“, sagte der 30-Jährige, der seine Karriere beenden wird und nun auf stolze 300 Spiele in der Bundesliga zurückblicken kann. „Ich bin mega happy“, ergänzte Süle und zeigte sich sehr dankbar: „Man muss ehrlich sein. Wie ich heute verabschiedet wurde, ist auch nicht so üblich – nach vier Jahren, wo die Erwartung ein Stück weit eine andere war, weil es aus verschiedensten Gründen nicht geklappt hat.“ Fakt ist: Süle half am Ende mit, den 3:2-Sieg über die Zeit zu bringen, und er freut sich auf seine nun letzte Woche als Profi.
Brandt freut sich auf Bremen
Und Brandt? Der wird weitermachen, allerdings ist noch unbekannt, wo. „Das wird sich nicht bis in den August ziehen, das kann ich schonmal sagen“, antwortete er, als er auf seine Zukunft angesprochen wurde, „aber es ist noch zu früh und wir wollen die Saison sauber zu Ende bringen.“
Beim Saisonfinale könnte es für Brandt noch mal emotional werden, denn wie der Zufall es so wollte, gastiert der BVB am kommenden Spieltag in seiner Geburtsstadt Bremen. „Der Kern meiner Freunde und meine Familie sind alle in Bremen“, verriet Brandt und schob nach: „Ich hatte nie eine Historie bei Werder Bremen, aber da ich in den Kurven früher stand und mitgefiebert habe, ist es natürlich etwas Emotionales. Es ist eine Geschichte, die hätte man sich selbst nicht schöner schreiben können.“

