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Rückenprobleme? Bayers missglückter Balanceakt mit Einsatzverweigerer Fernandez

Der Fall um den gegen Augsburg suspendierten Ezequiel Fernandez dokumentiert das gestörte Binnenverhältnis bei Bayer 04. Der Balanceakt des Klubs ist missglückt.

Argentinier war gegen Augsburg suspendiert

Wie gestört ist das Binnenverhältnis in der Kabine von Bayer 04? Am Freitag kam heraus, dass der Werksklub Ezequiel Fernandez für die Partie gegen den FC Augsburg (1:2) am vergangenen Samstag suspendiert hatte. Der Grund: Der Argentinier habe es laut Bild als „Beleidigung“ empfunden, für die letzten Sekunden des vorangegangenen Spiels bei Borussia Dortmund (1:0) eingewechselt zu werden und seinen Einsatz gegenüber Trainer Kasper Hjulmand verweigert. Auch Malik Tillman, der stattdessen zum Zug kam, soll ob der Statisten-Rolle bedient gewesen sein, habe sich dann aber dennoch anstelle von Fernandez zum Zeitschinden wenigstens einwechseln lassen.

Ein unter diesem Blickwinkel indiskutabler Vorfall um Fernandez, dessen Strafe sogar noch viel zu milde erscheint. Allerdings gab dieser später an, dass er wegen Rückenproblemen nicht ins Spiel kommen wollte. Eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen ist. Doch Zweifel waren angebracht. Warum saß der 23-Jährige denn dann überhaupt auf der Ersatzbank? Und warum setzte er Hjulmand nicht wenigstens von seinen Beschwerden in Kenntnis, bevor dieser ihn einwechseln wollte?

Der Argentinier, der aufgrund seiner frustrierenden Reservistenrolle in den vorangegangenen Wochen so reagierte, bekam jedenfalls intern coram publico eine klare Ansage von Geschäftsführer Simon Rolfes, der wie Hjulmand die Absicht hatte, den gesamten Vorgang intern zu halten.

Bei den Fans unten durch

Durch die Berichterstattung ist jetzt aber Fernandez ins Fadenkreuz der Bayer-Fans geraten, die dessen Verhalten als absolut inakzeptabel einstufen. Bei den Anhängern ist der 30-Millionen-Euro-Einkauf unten durch. Auf die Möglichkeit, dem früheren U-23-Nationalspieler beiseite zu springen, verzichtete Bayer jedoch.

Dass der Werksklub seit Freitag nicht auf den Bericht zu Fernandez‘ Verweigerung reagierte, lässt darauf schließen, dass man auch im Klub der Version des Spielers nicht so recht glauben mag. Wäre es doch sonst zwingend, diesen mit einem öffentlichen Statement in Schutz zu nehmen.

Leistungsprinzip steht infrage

Die Idee war offenbar, anhand von Fernandez ohne öffentliches Aufsehen die gegenüber der Vorsaison zumindest gesunkene Disziplin wiederherzustellen. Und Hjulmand für die letzten Partien in dieser Saison noch so gut wie möglich zu stützen, damit dessen Autorität nicht weiter untergraben wird.

Denn im Kader herrscht bei überdurchschnittlich vielen Profis Frust, weil die Aufstellungen des Dänen für sie leicht vorhersehbar sind, mehr als eine Handvoll Spieler außen vor ist, und nicht nur diese das Leistungsprinzip infrage gestellt sehen.

Unter Xabi Alonso undenkbar

Ein solcher Vorfall wie mit Fernandez wäre unter Xabi Alonso, der es schaffte, deutliche größere Teile des Kaders mitzunehmen, undenkbar gewesen. Und so dokumentieren die Ereignisse von Dortmund vor allem, dass die Chemie zwischen Trainer und nicht unerheblichen Teilen des Kaders nicht mehr stimmt.

Als Resultat einer Entwicklung, die nicht über die jüngsten Spiele, sondern die vergangenen Monate zustande kam, in denen Hjulmand es offensichtlich nicht geschafft hat, den mit vielen Profis mit hohem Anspruchsdenken besetzten Kader zu moderieren.

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