Beim 4:0 in Posen zeigt sich Bayer 04 deutlich konstanter und konsequenter als zuletzt. Manager Simon Rolfes lobt den Entwicklungsschritt. Wie belastbar dieser ist, wird sich schon am Sonntag gegen den SC Freiburg zeigen, der ein ganz anderes Kaliber als die Polen darstellt. Nicht umsonst stuft Rolfes den Spitzenreiter nicht als Überraschung ein, sondern als ein Top-Team der Liga.
Bayer in Posen mit verbesserter Konsequenz
Zweites Spiel, zweiter Sieg. 4:0 bei Lech Posen. Der Leverkusener Trip nach Polen am 2. Spieltag der Europa League hätte durchaus schlechter verlaufen können. Zumal es Trainer Carles Martinez durch starke Rotation auch noch gelang, viele Spieler aus der zweiten Reihe ins Laufen zu bringen und durch Erfolgserlebnisse Selbstvertrauen tanken zu lassen.
Mit Torschütze Malik Tillman, Loic Badé, Lucas Vazquez, Ezequiel Fernandez, Martin Terrier und Nathan Tella brachte der Spanier gleich sechs frische Kräfte, die zumindest zum Teil Eigenwerbung betreiben konnten. Und die Martinez zeigten, dass dieser gegen Gegner dieser Kategorie bedenkenlos auch auf die Spieler setzen kann, die nicht zwingend zu seiner besten Startelf im Liga-Alltag gehören.
Anders als zuletzt gab Bayer die Partie nach einer starken Phase nicht mehr aus der Hand
Ein Effekt, den auch Simon Rolfes gleich aus zwei Aspekten wohlwollend zur Kenntnis nahm. „Zum einen gibt das denen, die heute gespielt haben, Selbstvertrauen, sie haben eine gute Leistung gebracht. Aber es gibt ja auch immer ein bisschen Konkurrenzkampf“, erklärt der Geschäftsführer. Für die Psyche jedes Einzelnen, aber auch die Chemie in der Kabine ist dies eminent wichtig. „Zum einen ist es für die Teamhygiene, für die Stimmung in der Mannschaft gut, dass alle auch fühlen, dass sie involviert sind, dass sie eine wichtige Rolle haben“, sagt der Ex-Profi, „aber gleichzeitig ist es ja auch ein kleiner Schubser in Richtung Konkurrenzkampf und Ansporn, dass du eben immer Gas geben musst. Dass jeder, wenn er seine Sache gut macht, auch die Möglichkeit bekommt zu spielen.“
Deshalb und aufgrund des Auftritts dieser stark durchgemischten Elf zeigte sich Rolfes nach den 90 Minuten, die Bayer nicht mit Vollgas beenden musste und dennoch sehr souverän gewann, dementsprechend zufrieden. „Weil wir auch drangeblieben sind nach den Toren und das Spiel dann auch für uns entschieden haben“, skizzierte der Manager den Fortschritt gegenüber den Partien in Augsburg (2:2) und Mainz (4:3), in denen Bayer seinen Phasen der klaren Überlegenheit nicht dazu genutzt hatte, alle Zweifel zu beseitigen, wer die jeweilige Partie gewinnen würde.
5,16 xGoals zeigen: In Sachen Konsequenz ist Bayer noch nicht am Optimum angekommen
Bei einem xGoal-Wert von 5,16 blieb aber auch Rolfes nicht verborgen, dass Bayer bei seinem chronischen Thema der Konsequenz noch lange nicht am Optimum angekommen ist. „In der zweiten Halbzeit hätten wir vielleicht die eine oder andere Chance noch besser nutzen können, aber trotzdem musst du hier erst mal 4:0 gewinnen“, analysierte der 44-Jährige, der zudem mit Wohlwollen nach acht Gegentreffern in drei Bundesliga-Auswärtsspielen in dieser Saison feststellen konnte: „Und wir haben auch sehr, sehr wenig zugelassen. Das war ein guter Auftritt und wir haben auch von der Intensität her nicht nachgelassen.“
Die 90 Minuten in Posen waren ein Schritt in die richtige Richtung – allerdings auch gegen einen limitierten und an diesem Tag extrem ersatzgeschwächten Gegner, der fast sein komplettes Fünfer-Mittelfeld, das im 4-2-3-1-System für das Gros der Torgefahr zuständig ist, ersetzen musste. Am Sonntag wird Bayer da schon ein ganz anderes Kaliber erwarten, auch wenn der SC Freiburg mit dem gelb-rot-gesperrten Yuito Suzuki auf einen herausragenden Kreativspieler verzichten muss.
„Vor sechs oder sieben Jahren war es vielleicht mal überraschend, dass sie oben mit drin sind, aber das ist ja überhaupt nicht mehr der Fall.“ (Simon Rolfes)
Doch die Breisgauer sind dennoch ein Gegner, den Rolfes in die Kategorie der Top-Teams einordnet. Freiburg ist „eine total gefestigte Mannschaft, die sich wirklich peu à peu immer verbessert hat. Früher vor sechs oder sieben Jahren war es vielleicht mal überraschend, dass sie oben mit drin sind, aber das ist ja überhaupt nicht mehr der Fall“, lobt der Manager die Entwicklung des Sport-Clubs, „sondern sie sind einfach gut. Und das zeigt auch die jetzige Tabellenplatzierung, dass es eine Top-Mannschaft der Bundesliga ist. Sie waren letztes Jahr im Europa-League-Finale.“
Rolfes und Bayer 04 bringen dem aktuellen Tabellenführer zu Recht jedweden Respekt entgegen. Und blasen zur Attacke: „Wir werden alles versuchen“, kündigt der Geschäftsführer an, „dass wir den Spitzenreiter der Bundesliga da oben runterholen.“ Das Potenzial dazu – das hat die Mannschaft bereits wiederholt gezeigt, besitzt die Werkself dafür. Die Frage ist, ob sie dieses auch gegen einen Gegner der sich deutlich über dem Niveau von Lech Posen bewegt, auch so konsequent abrufen kann.

