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Not macht romantisch: Leipzigs Hoffnung auf Nkunku

Zum zehnten Mal in Folge zog RB Leipzig in die zweite Runde des DFB-Pokals ein. Hinter den Kulissen nimmt die Rückholaktion von Christopher Nkunku konkrete Formen an.

Leipzigs Stürmersuche konkretisiert sich

In den vergangenen zwei Jahren mühte sich RB Leipzig mehr schlecht als recht bei unterklassigen Teams in die zweite Runde des DFB-Pokals, musste sowohl beim SV Sandhausen (4:2) als auch bei Rot-Weiß Essen (4:1) Rückständen hinterherlaufen. Vor diesem Hintergrund war der souveräne 6:0-Auftritt des zweimaligen Pokalsiegers bei Eintracht Trier, durch den RB zum zehnten Mal in Serie die Auftakthürde überstand, keine Selbstverständlichkeit. Entsprechend froh war der neue Trainer Martin Demichelis über den geglückten Pflichtspiel-Auftakt.

Demichelis und Schäfer zufrieden mit dem Pokal-Auftritt

„Wir haben von Anfang bis Ende ein seriöses Spiel gemacht“, urteilte der Argentinier, und Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer merkte an: „Was mir gefallen hat, ist, dass wir im Gegensatz zum letzten Jahr von der ersten Sekunde an sofort aufs Gaspedal gedrückt haben.“ Auf dem Gaspedal bleiben muss auch Schäfer in den noch verbleibenden Tagen bis zur Schließung des Transferfensters. Mit den Verpflichtungen von Verteidiger Maxime Esteve und Mittelfeldspieler Rocco Reitz sowie der erneuten Ausleihe des schon in Frühform auftrumpfenden Offensiv-Allrounders Brajan Gruda hat der Sport-Geschäftsführer dem Kader zwar drei wichtige Verstärkungen zugefügt.

Der Abgang von Yan Diomande zu Real Madrid aber wurde bislang noch nicht kompensiert, was in erster Linie daran liegt, dass Schäfer trotz der 125-Millionen-Einnahme für den Flügelstürmer von der Elfenbeinküste wirtschaftlich die Hände gebunden sind. Da vom Mutterkonzern auch in diesem Jahr wieder ein Transferüberschuss von knapp 100 Millionen Euro eingefordert wird, sind ohne weitere Abgänge keine größeren Sprünge drin. Für potentielle Verkaufskandidaten wie Verteidiger Castello Lukeba gibt es aktuell keinen Markt, und die erneuten Ausleihen der ausgemusterten Lutsharel Geertruida (PSV Eindhoven) und Eljif Elmas (Atlanta Bergamo) sind unter finanziellen Aspekten kaum mehr als die berühmten Tropfen auf dem heißen Stein.

Spielt Milan bei der geplanten Nkunku-Rückholaktion mit?

Not macht erfinderisch, heißt es da gerne im Volksmund. Not macht romantisch, scheint die Devise bei RB Leipzig zu sein. Nach den Absagen von Diego Moreira (von Straßburg zu Milan) und Said El Mala, der stattdessen beim 1. FC Köln seinen Vertrag verlängerte, stützen sich die Leipziger Hoffnungen auf Christopher Nkunku. Die Rückholaktion des 28-jährigen Franzosen, der Leipzig 2023 nach drei Erfolgsjahren für 60 Millionen Euro gen Chelsea verließ, ist zwar noch nicht auf der Zielgeraden, nimmt aber konkrete Formen an. Der bei der AC Mailand ausgemusterte Stürmer, an dem auch diverse Premier-League-Klubs wie Aston Villa und Newcastle United interessiert sind, will dem Vernehmen nach zurück zu jenem Klub, bei dem einst sein Stern aufging.

Offen ist aktuell aber noch, ob sein aktueller Arbeitgeber mitspielt. Milan hatte Nkunku vor einem Jahr für 37 Millionen Euro aus Chelsea geholt und ihn mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet, der dem Angreifer ein geschätztes Jahresgehalt von rund zehn Millionen Euro garantiert. Da er damit jenseits des Leipziger Gehaltsgefüge liegen würde, müsste der italienische Renommierklub bei der geplanten Leihe einen erheblichen Teil des Salärs übernehmen. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren, eine Entscheidung ist in den nächsten Tagen zu erwarten.

Gelingt die Rückkehr, dann erhält RB einen Spieler zurück, der während seines Gastspiels zwischen 2019 und 2023 die erfolgreichsten Jahre des Klubs entscheidend mitgeprägt hat. 2020 scheiterte man in der Champions League erst im Halbfinale an Paris St. Germain, das Nkunku ein Jahr zuvor für 20 Millionen Euro gen Leipzig transferiert hatte. 2022 und 2023 gewann man jeweils den DFB-Pokal, wobei Nkunku in seinem letzten Spiel für die Leipziger mit einem Tor und einem Assist maßgeblichen Anteil am 2:0-Finalsieg gegen Eintracht Frankfurt hatte.

Mittelstürmer-Verpflichtung abhängig von Harder

Aus dem damaligen Kader zählen nur noch Willi Orban, David Raum, Lukas Klostermann und Ersatzkeeper Örjan Nyland zur aktuellen Belegschaft, und auch in puncto Grundausrichtung und Spielsystem hat sich seitdem vieles verändert. Die Position in einem Zwei-Mann-Sturm, in der Nkunku (meist an der Seite von Timo Werner) Fußballer des Jahres (2022) und Bundesliga-Torschützenkönig (2023) wurde, gibt es in dem von Demichelis bevorzugten 4-3-3-System nicht. Als Achter kommt er nicht infrage, als Flügelspieler kommen seine Qualitäten nur bedingt, als Stoßstürmer noch weniger zur Geltung.

Auch deshalb ist Schäfer auf der Suche, neben Nkunku noch einen echten Mittelstürmer zu verpflichten. Das lässt sich wirtschaftlich aber nur realisieren, wenn der intern skeptisch beurteilte Conrad Harder noch verkauft wird. Mit seinem Treffer zum 4:0 betrieb der eigensinnige Däne nach seiner Einwechslung zumindest ein bisschen Eigenwerbung.

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