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Mut oder Vorsicht? Johannessons Sperre führt zur Stilfrage

Bei Union Berlin kann der 1. FC Köln einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen. Isak Johannesson wird dabei nicht mitwirken können, als Ersatz stehen Profis mit unterschiedlichen Profilen bereit.

Kölns Trainer Wagner hat die Wahl

Isak Johannesson hatte am Samstag gleich doppelten Grund, sich zu ärgern. Zum einen natürlich, weil der 1. FC Köln nach einem eigentlich guten Auftritt gegen Bayer 04 Leverkusen aufgrund mangelhafter Chancenverwertung und eines fälschlicherweise gegebenen Handelfmeters letztlich mit leeren Händen dastand (1:2). Zum anderen aber auch, weil er sich vor der Pause mit einem robusten Einsteigen gegen Alejandro Grimaldo seine fünfte Gelbe Karte einhandelte.

Der Isländer, der auch unter Trainer René Wagner für den etwas offensiveren und kreativeren Part der Doppel-Sechs verantwortlich ist, verpasst damit das Auswärtsspiel bei Union Berlin und kann seinen Kollegen am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) nicht dabei helfen, dem Klassenerhalt womöglich einen entscheidenden Schritt näherzukommen. Für Wagner bedeutet das nach dem Ausfall von Ragnar Ache, der mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel wohl auch die restlichen drei Spiele verpasst, die nächste gezwungene Umstellung.

Huseinbasic blieb zuletzt außen vor

Kandidaten gibt es für die Vertreter-Rolle an der Seite von Abräumer Eric Martel gleich mehrere. Bei Wagners Premiere, als Johannesson nach der Länderspielreise mit Island die nötige Frische für die Startelf fehlte, setzte der Trainer etwa auf Denis Huseinbasic. Überzeugen konnte der 24-Jährige unweit seiner alten Wirkungsstätte, dem Bieberer Berg in Offenbach, beim 2:2 in Frankfurt allerdings nicht (Note 4,5).

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Und auch die Trainingsleistungen haben Coach Wagner offensichtlich nicht überzeugt. Ganz im Gegenteil: Eine Woche später saß er beim 3:1 gegen Bremen 90 Minuten auf der Bank, zuletzt stand er zweimal gar nicht erst im Kader. Dort wird er es zwar aller Voraussicht nach aufgrund von Johannessons Ausfall bei Union wieder hineinschaffen, eine echte Alternative scheint er zurzeit jedoch nicht zu sein.

Krauß wäre die defensivere Variante

Geschrumpft ist unter Wagner auch die Rolle von Tom Krauß. Er begann ebenfalls in Frankfurt, vertrat Martel, tat das jedoch ebenso mit viel Luft nach oben wie sein Nebenmann Huseinbasic (Note 4,5).

Auf einen Kurzeinsatz gegen Bremen folgten zuletzt zwei Spiele über 90 Minuten auf der Bank. Zwar spielte der 24-Jährige unter Lukas Kwasniok auch schon neben Martel, ist tendenziell aber eher als dessen Backup und nicht als der von Johannesson eingeplant. Eine Doppelsechs mit den beiden eher defensiv denkenden Sechsern wäre die vorsichtige Variante, die Wagner zur Auswahl hat.

Chavez könnte zum Startelf-Debüt kommen

Geht der Trainer es jedoch mutig an, könnte die Stunde von Felipe Chavez schlagen, dessen Einsatzzeiten gegensätzlich zu denen von Huseinbasic und Krauß zuletzt anstiegen. In Wagners ersten beiden Spielen als Chef musste der 19-Jährige noch zuschauen, zuletzt kam er zweimal von der Bank.

Der peruanische Nationalspieler denkt noch einen Tick offensiver als Johannesson, Wagner brachte ihn immer dann, wenn sich das Spiel öffnete und sich Räume für seine Kreativität boten. Ähnelt sich das Rückspiel bei Union dem Hinspiel, in dem der FC zwar 62 Prozent Ballbesitz hatte, aber mit 0:1 verlor, könnte genau seine Spielstärke gefragt sein, um aus der Kontrolle auch Gefahr zu kreieren.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Nachhaltig überzeugen konnte der vom FC Bayern mit Kauf- und Rückkaufoption geliehene Youngster, den die Kölner für knapp unter fünf Millionen Euro fest verpflichten können, in seinen sechs Joker-Einsätzen für den FC noch nicht – auch, weil eine echte Chance über mehr als 20 Minuten bislang ausblieb.

Aktiver Auftritt gegen Leverkusen

Gegen Leverkusen warb er zumindest für mehr, zeigte sich in der Schlussphase sehr aktiv, immer anspielbereit und mit dem nötigen Zug nach vorne. Seine Qualität ließ er nicht zuletzt mit einem gefährlichen hohen Pass in die Tiefe zu Sebastian Sebulonsen aufblitzen. Dreimal schloss er in 19 Minuten Spielzeit selbst ab, brachte 16 von 17 Pässen an den Mann. Zum Vergleich: Johannesson gelangen in 71 Minuten nur zehn angebrachte Zuspiele mehr bei 30 Versuchen.

„Wenn die Mannschaft so spielt, wird niemand versuchen, defensiv zu spielen“, sagte Wagner nach dem durchaus forschen, offensiven Auftritt gegen Leverkusen, mit dem sich der FC ein klares Chancenplus erspielte (13:5). Ein Vorhaben, das gegen Union für den offensiveren Chavez sprechen würde. Die Erfahrung könnte vor dem wichtigen, da womöglich vorentscheidenden Spiel, dennoch den Ausschlag für den defensiveren Krauß geben. Dann bliebe für Chavez erneut nur begrenzte Zeit, um für mehr Spielzeit und womöglich auch eine Festverpflichtung zu werben.

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