Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen

Matthäus über Olise: „Lasst ihn so, wie er ist!“

Lothar Matthäus erfreut sich am FC Bayern und leidet mit Borussia Mönchengladbach. Der Rekordnationalspieler über die Tendenzen in der Bundesliga – und beim Ballon d’Or.

Vermisster Weckruf in Gladbach

Ein paar Minuten zu spät tauchte er auf, aber da konnte man Lothar Matthäus fast nicht böse sein, so sehr, wie er direkt grinste. „Erst mal umschauen, wer mir hier gefährlich werden könnte“, sagte der Rekordnationalspieler, als er am Montagmorgen bei einem Sponsorentermin im Hotel Bayerischer Hof durch den kleinen Saal stapfte, um über die Lage in Fußball-Deutschland zu sprechen.

„Viele Tore“ sehe er zurzeit in der Bundesliga und in der Champions League. Und natürlich ist es „immer das Schönste, Tore zu sehen“. Wenn diese dann auch noch der Ex-Verein mal öfter erzielen würde. „Meine Borussia aus Mönchengladbach“, sagte Matthäus deshalb, „leider total abgeschlagen.“

Einmal quer durch die Bundesliga und über die Nationalmannschaft flog der Franke Matthäus („Kimmich ist bei mir gesetzt“), über die Ballon-d’Or-Wahl, die eigentlich an Harry Kane oder Michael Olise gehen müsste („Es kann nur einer dieser beiden sein“). Ansonsten sprach er über …

… den FC Bayern und seine Offensivstars: „Wenn ich sehe, wie die eingesetzt werden … das war so geil herausgespielt, der Laufweg von Brown vor dem 5:0. Das ist eben hohe Qualität. Der Chipball von Kimmich auf Luis Diaz zum 1:0. Das ist ja alles wow. Deswegen greift der Gegner die Spieler nicht, weil die ihre Position ständig verändern. Das ist hohe Qualität, aber das ist auch Bereitschaft. Wenn die sieben Kilometer mehr laufen … das ist auch eine Stärke des FC Bayern. Und daran siehst du, dass die Spieler Freude haben. Dann läufst du und läufst du, weil du Spaß daran hast.“

„Die Bosse in Salzburg, in der Schaltzentrale, sind schon ein bisschen nervös.“ (Matthäus über RB Leipzig)

… den introvertierten Michael Olise nach dessen Platzverweis: „Die größte Strafe für Olise ist, dass er übermorgen nicht Fußball spielen darf. Er will mit euch nicht reden, er will mit mir nicht reden. Er will seine Ruhe haben, er will keine Lederhose anhaben. Lasst ihn so, wie er ist! Ich freue mich, wenn er da zaubert auf dem Platz, wenn er mir da Freude bereitet. Das ist für mich Fußball, das liebe ich. Der Aussetzer darf nicht passieren, aber wenn du nur provoziert wirst … es war ein Fehler. Für den Fehler hat er Kritik einstecken müssen, auch vom Trainer. Und er hat am Samstag gegen Leipzig im Endeffekt das Gleiche einstecken müssen, aber nicht mal abgewunken. Da wurde der Lerneffekt schon erfüllt.“

… Jonas Urbig als Nachfolger von Manuel Neuer: „Ich traue Urbig jedes Spiel beim FC Bayern zu. Nicht nur seine Leistung, auch seine Interviews und seine Art und Weise, das ist alles top. Seine Bewegungen auf dem Platz, seine Körpersprache, seine Ruhe, die er auch auf die Mitspieler überträgt. Und das mit 23 Jahren. Der hat in diesen anderthalb Jahren schon sehr, sehr viel von Manuel Neuer gelernt. Ich sehe Manuel Neuer trotz allem noch als wichtigen Faktor für den FC Bayern, um die großen Titel zu erreichen. Und er ist ein wichtiger Faktor für Urbig, um zu lernen.

… Borussia Dortmund als Titelanwärter: „Nein, nein, nein, nein. Ich traue es ihnen in einem Spiel gegen Bayern zu, aber mehr nicht. Großen Respekt, was Niko Kovac da gezaubert hat, da waren ja ganz große Trainer in Dortmund. Wenn Bayern München nicht in der Bundesliga spielen würde … Sie haben nicht diese Qualität wie Bayern München. Bei Dortmund ist das schon weniger, das ist der Unterschied. Ich bin der Meinung, dass es Dortmund in den zwei Jahren unter Niko Kovac sehr gut gemacht hat. Jetzt gerade, würde ich sagen, ist es eine leichte Krise.“

… Bayer 04 Leverkusen: „Die haben sich schneller gefangen, als ich das erwartet hatte. Sie spielen einen Fußball, der Spaß macht. Attraktiven Fußball. Leverkusen ist im Soll nach anfänglichen Wacklern. Sie haben die Stabilität, dass sie ein Kandidat für einen Champions-League-Platz sind.“

„Die führende Hand im ganzen Verein fehlt.“ (Matthäus über Borussia Mönchengladbach)

… RB Leipzig nach der Demontage in München: „Sehr viel Unruhe. Man sieht es, wie über den Trainer gesprochen wird. Es war keine einstimmige Entscheidung, dass der ehemalige Trainer gehen musste. Ole Werner hat da einen Super-Job gemacht. Im Endeffekt hat Leipzig gegen Frankfurt so gespielt wie Bayern gegen Leipzig. Ihnen fehlt vielleicht der Mut in Auswärtsspielen. Die Qualität im Kader ist so groß, dass sie einen Champions-League-Platz holen müssten. Die Bosse in Salzburg, in der Schaltzentrale, sind schon ein bisschen nervös. Weil sie nicht alle einverstanden waren mit dem Trainerwechsel. Der ist nach wie vor ein Thema in Leipzig und in Salzburg. Wenn da nicht schnell Stabilität reinkommt … da gibt es Unruhe. Wenn keine Ergebnisse da sind, wird es in Leipzig vielleicht sogar einen Trainerwechsel geben. Und Martin Demichelis war der klare Wunsch von Jürgen Klopp.“

… den punktlosen Letzten Mönchengladbach: „Das Problem ist nicht erst gestern aufgetaucht, auch nicht mit dem neuen Trainer. Es wurde immer vor dem Saisonstart am Trainer gezweifelt, dann trotzdem verlängert, und nach drei, vier Spieltagen wurde er entlassen. Corona liegt zwar ein paar Jahre zurück, aber da wurden Werte verloren. Viele Spieler sind ohne Ablöse gegangen, die Gelder fehlen für neue Spieler. Die führende Hand im ganzen Verein fehlt. Einer, der klare Ansagen macht. An die Angestellten, an die Spieler. Du musst auch mal die Spieler wecken. Diesen Weckruf habe ich noch nicht gehört. Sie sind im Abstiegssumpf, ganz unten. Die Köpfe werden nicht frei.“

Hinterlasse einen Kommentar

0.0/5