Der Kreuzbandriss von Nicolai Remberg überschattet den Hamburger Sieg in Hoffenheim. Immerhin: Anders als in der Vorsaison ist mit Sommer-Zugang Kofi Amoako nun ein Profi im Kader, der vom Profil her zum direkten Ersatz taugt.
Neuling ist Anwärter auf den Remberg-Platz
Am Samstagabend nach der Rückkehr aus Sinsheim und einer eingehenden Untersuchung im Athleticum am Volkspark bestand bittere Gewissheit: Der HSV hat den 3:2-Erfolg in Hoffenheim teuer bezahlt, Nicolai Remberg droht nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie das vorzeitige Saison-Aus.
Remberg droht nach das vorzeitige Saison-Aus
Den zweiten Dreier in Folge hatte der 26-Jährige auf dem Rasen vor den 10.000 mitgereisten Hamburgern noch mit einer großen Schiene um das lädierte Knie und an Krücken gefeiert, Vorahnungen hatten der Musterprofi, die Mediziner und der Trainer schon da. „Es sieht maximal beschissen aus“, hatte Merlin Polzin verraten, nachdem noch auf dem Feld der sogenannte Schubladen-Test zum Ausschluss von Kreuzband-Blessuren vorgenommen wurde.
Die am Abend direkt nach dem Rückflug vorgenommene Untersuchung bestätigte den Anfangsverdacht – und bringt Polzin nun in Not. Einerseits wies seine Mannschaft am Samstag nach, dass sie sowohl die Ausfälle von Albert Grönbaek, Patson Daka, Zakaria El Ouahdi und dessen Back-up Bakery Jatta als auch das frühe Ausscheiden von Remberg mit einer Energieleistung kompensieren kann, jetzt allerdings gilt es, den Kapitän über Monate, womöglich bis zum Ende dieser Spielzeit, zu ersetzen. Nur bei einem optimalen Verlauf der Operation und anschließenden Reha-Maßnahmen wird der ehemalige Kieler gegen Saisonende noch zu einer Option werden.
Entsprechend konsterniert reagiert Polzin auf diese Schock-Diagnose. „Das ist ein ganz bitterer Moment für ‚Rambo‘ und für uns.“ Den Grund liefert er direkt nach: „Er steht dafür, was den neuen HSV ausmacht. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir uns unsere Jungs vorstellen.“ Grönbaek (nach Muskelfaserriss) und El Ouahdi (nach Infekt) werden am kommenden Samstag gegen Stuttgart zurückerwartet – aber wie ersetzt der HSV seinen Anführer? Polzin steht vor einer Herkulesaufgabe.
„Wenn du deinen Kapitän und absoluten Anführer verlierst, wird es schwierig“, sagt Yussuf Poulsen, Rembergs Vorgänger als Spielführer. „‚Rambo‘ spielt eigentlich immer 90 Minuten. Nun bricht etwas zusammen, das sich erst wieder finden muss.“ Und der Coach muss es zusammenfügen.
Während der Partie hatte Polzin mit der Einwechslung von Miro Muheim auf den personellen Rückschlag reagiert. Der Schweizer ist eigentlich linker Schienenspieler, hat diese Rolle in der Vorsaison aber als einrückender Spielmacher interpretiert. Nach seiner Einwechslung hatte er zunächst große Probleme in der Defensive, drehte das Spiel dann aber durch eine Vorlage und das Siegtor.
Zu diesem Zeitpunkt indes war Muheim wieder weiter nach links gerückt, weil Polzin zuvor Kofi Amoako eingewechselt hatte. Den 21-jährigen Mittelfeldmann hatte der HSV im Sommer als Back-up für Remberg aus Dresden verpflichtet. Nach schwierigem Start in Hamburg könnte nun die Zeit des Sechsers kommen. Vom Profil her eignet er sich als Ersatzlösung.

