Neun Punkte nach sechs Spielen und 12:12 Tore: Die Ausbeute des SV Werder Bremen ist „okay“, dafür erscheint die Art und Weise wieder begeisternd – und geht bislang trotzdem zulasten der Defensive.
Defensiv jedoch anfälliger
Zum dritten Mal in Folge nach einem 0:2-Rückstand nicht zu verlieren? Das gab es in der Bundesliga zuvor noch nie. Und wenngleich der SV Werder Bremen dieses Kunststück mit dem 3:2 gegen den FC Augsburg, dem 2:2 in Dortmund und dem 2:2 gegen den SC Paderborn 07 nun tatsächlich vollbracht hat, wäre es eigentlich allen an der Weser irgendwie lieber, wenn man diese Hypothek innerhalb der 90 Minuten künftig vermeiden würde.
„Das zeigt natürlich die Moral, die Mentalität der Mannschaft, dann eben dranzubleiben“, befand Sportchef Clemens Fritz – doch andererseits „können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir jedes Spiel ein 0:2 aufholen“. Auch Coach Daniel Thioune merkte kritisch an, dass „das nicht immer möglich sein wird“ und verwies auf den aktuellen Bremer Gegentorschnitt von zwei.
Defensiv anfällig, aber offensiv immer gefährlich
12:12 beträgt das Torverhältnis nach sechs Spielen – und ja, Werder bleibt defensiv anfällig, obwohl man gegen Paderborn bis auf einen Pfostenschuss von Rayan Philippe in der Nachspielzeit ja eigentlich nicht viel mehr als die beiden Chancen zu den Gegentoren zugelassen hatte.
Allerdings: Grundsätzlich entstehen mehr gegnerische Torschüsse (15,3 gegenüber 13,8) und Chancen (5,8 versus 5,6) als noch in der Vorsaison. „Wir müssen zusehen, dass wir vielleicht auch einfach mal die Null hinten stehen haben“, monierte Thioune.
Doch Werder bleibt vor allem auch offensiv in dieser Saison immer gefährlich. Wusste man in der Vorsaison meistens nicht, wie oder durch wen überhaupt Bremer Tore fallen sollten, hat es Trainer Thioune inzwischen geschafft, der Mannschaft ein spielerisches Konzept zu vermitteln, das wirkt.
Intensität und „einstudierte Dinge“
„Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht in der Art und Weise, wie wir uns Chancen erspielen“, erläuterte Niclas Füllkrug (der übrigens ja für die Hälfte aller Tore sorgte): „Nicht durch Standards, Konter oder sonstiges, sondern durch einstudierte Dinge.“ Dazu ist da die Steigerung der Intensität: Die durchschnittliche Laufstrecke nahm von 117,3 auf 121,1 Kilometer deutlich zu.
Und diese Entwicklungen sind vorläufig dann wohl weitaus wichtiger sowie mittelfristig vielversprechender als der eine oder andere Zähler mehr, der zumindest gegen den SCP denkbar gewesen wäre. Werder gibt im Vergleich zur Vorsaison durchschnittlich mehr Torschüsse ab (14,0 gegenüber 13,1), erspielt sich mehr Chancen (7,0 versus 4,7).
Mit neun Punkten nach sechs Spieltagen bezeichnete Amos Pieper den Status quo in der Tabelle als „okay“. Wenn man ihn jedenfalls vor der Saison danach gefragt, „hätten wir das alle genommen“. Mit einem Sieg am Samstag wäre es wiederum ein „sehr guter Saisonstart“ gewesen, meinte der Verteidiger. Dafür gilt es offensichtlich auch defensiv weitere Schritte zu machen.
Werder begeistert wieder
Trotz allem wirkte Sportchef Fritz indes nicht unzufrieden, zumal Werder die im Sommer formulierte Vorgabe, die sich weniger auf die Punkte als vielmehr auf das Auftreten bezog, zunehmend erfüllt. „Wir haben gesagt, dass wir begeistern wollen“, sagte der 45-Jährige.
Und dieses Versprechen löst die Thioune-Elf insbesondere bei den bislang spektakulär verlaufenden Heimspielen weitgehend ein, so Fritz: „Dann sieht man, was hier für eine Wucht und Energie zustande kommen kann.“

