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Donnernder Applaus der Mitglieder – Krösche emotional wie nie

Große Emotionen auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt: Markus Krösche wählt bewegende Worte zum Abschied und erhält donnernden Applaus. Der Sportvorstand verlässt den Klub durch das große Tor.

Sportvorstand verabschiedet sich

Immer wieder stockten Markus Krösche die Worte, als er am Montagabend von Präsident und Aufsichtsratsboss Mathias Beck um 18.14 Uhr auf die Bühne in der Frankfurter Jahrhunderthalle gerufen wurde. So emotional hat die Öffentlichkeit den scheidenden Sportvorstand noch nie erlebt. Aber der Reihe nach.

Zunächst hatte Beck den 46-Jährigen mit Worten voller Anerkennung begrüßt: „Mit deinem Namen immer verbunden bleiben wird der Gewinn der Europa League in Sevilla 2022. Mit deinem Namen immer verbunden bleiben wird der Einzug in die Champions League als Höhepunkt von vier internationalen Teilnahmen in Folge. Weiterhin mit deinem Namen verbunden bleiben werden die großen Transfers für unseren Klub. Mehr noch, du hast Eintracht Frankfurt bei Spielern, Beratern und Klubs in Europa zu einer attraktiven Marke gemacht.“ Das letzte Transferfenster habe Krösche an die „Grenzen des Leistbaren“ gebracht.

„Ich wirke vielleicht ein bisschen kalt und neutral, aber das bin ich nicht.“ (Markus Krösche)

Als Krösche die Bühne betrat, wirkte er dem öffentlichen Bild des kühl-distanzierten Managers mit eindringlichen Worten entgegen. „Natürlich muss ich in meinem Job rational sein und eine gewisse Kälte haben, um das Beste für Eintracht Frankfurt umzusetzen. Ich bin auch nicht derjenige, der nach Siegen oberkörperfrei durch Frankfurt gelaufen ist“, sagte Krösche, „deswegen wirke ich vielleicht ein bisschen kalt und neutral, aber das bin ich nicht.“

Das Heimspiel gegen Köln sei für ihn „extrem emotional“ gewesen – in dem Wissen, dass dies sein letztes Spiel als Sportvorstand der SGE sein würde. An die Mitglieder gerichtet sagte er: „Ich möchte euch danken. Es war eine besondere Reise, ein besonderer Weg. Ihr habt mir sehr, sehr viel gegeben. Wenn ich an die Europa-League-Reise 2022 denke, Barcelona, die Champions League, das Pokalfinale – ihr habt mir so viel gegeben. Ich wünsche diesem Klub nur das Beste der Welt und werde immer ein Eintrachtler sein.“

Krösche fehlt die „Durchschlagskraft“ zum Weitermachen

Die Beendigung der Zusammenarbeit wurde in den vergangenen Wochen heimlich, still und leise vorangetrieben. Nach der Transferperiode wurde in den Gesprächen und Analysen mit dem dreiköpfigen Hauptausschuss des Aufsichtsrats schnell klar, dass sich die Wege nach knapp fünfeinhalbjähriger Zusammenarbeit trennen würden. Beide Seiten entwickelten das Gefühl, dass dies die beste Entscheidung ist. Eine vorzeitige Verlängerung des bis 2028 laufenden Vertrages war kein Thema.

Krösche legte den Mitgliedern dar, weshalb in ihm der Wunsch reifte, sein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen. „Ich habe mir in den letzten Wochen Gedanken über meine Arbeit und den Anspruch an meine Arbeit gemacht. Und über den Anspruch, den Eintracht Frankfurt, den ihr an meine Arbeit haben müsst und sollt. Ich habe lange nachgedacht und kam zum Schluss, dass ich nicht mehr den besten Job für Eintracht Frankfurt machen kann, weil mir die Durchschlagskraft fehlt“, erläuterte der Manager.

Weiter betonte Krösche: „Als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt brauchst du eine gewisse Durchschlagskraft und Power. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich zu 100 Prozent den besten Job für Eintracht Frankfurt machen kann.“ Deswegen sei es für ihn klar gewesen, mit dem Trennungswunsch auf den Hauptausschuss zuzugehen.

„Ich kann heute einfach nur Danke sagen für fünf extrem erfolgreiche und emotionale Jahre. Ihr habt mir gezeigt, was es bedeutet, ein Traditionsklub zu sein und was man als Traditionsklub schaffen kann. Das gab mir so viel Energie, Power und Leidenschaft für diesen Job. Dafür bin ich extrem dankbar“, bekräftigte Krösche. Als er seine Rede beendete, erhoben sich die gut 1300 Mitglieder in der Jahrhunderthalle und spendeten Krösche einen fast zweiminütigen donnernden Applaus. Einen würdigeren, emotionaleren und schöneren Abschied kann man sich kaum ausmalen. So etwas gelingt im Profifußball selten.

Wichtig für die Eintracht: In den der Trennung vorausgegangenen Verhandlungen gelang es, eine Ablöse für Krösche festzulegen, die dessen neuer Klub bei einer Verpflichtung entrichten muss. Nach kicker-Informationen liegt der Betrag im Bereich zwischen vier und sechs Millionen Euro. Das schon im Sommer aufgekommene Interesse der AC Mailand scheint sich laut italienischer Medienberichte wieder zu intensivieren. Es wäre keine Überraschung, wenn Krösche schon bald wieder irgendwo auf der Bildfläche auftaucht.

Die Eintracht führte schon erste Gespräche mit Nachfolgekandidaten

Erste Gespräche mit Nachfolgekandidaten wurden nach kicker-Informationen bereits in den vergangenen Wochen geführt – und werden nun verstärkt vorangetrieben. Namen kursieren viele, doch längst nicht alle Spuren sind heiß. Der Nürnberger Sportvorstand Joti Chatzialexiou versicherte unter anderem gegenüber dem kicker, bisher nichts von der Eintracht gehört zu haben.

Erwartungsgemäß dauerte es nicht lange, bis auch der Name des früheren Eintracht-Kapitäns Christoph Spycher (BSC Young Boys) auftauchte. Spycher wurde schon mit der Eintracht in Verbindung gebracht, als der frühere Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic 2021 zu Hertha BSC gewechselt war. Damals war ein Abschied für den Schweizer aus familiären Gründen kein Thema. Wie Spycher heute darüber denkt, ist bislang nicht bekannt.

Auch ist offen, ob er tatsächlich zum engeren Kandidatenkreis zählt. Bei der Eintracht herrscht große Verschwiegenheit. Doch mit einer zeitnahen Entscheidung ist zu rechnen. Spätestens in einigen Wochen dürfte Klarheit darüber herrschen, wer in Krösches große Fußstapfen tritt.

Der erhielt zum Abschied auch Axel Hellmann herzliche Worte. Der Vorstandsvorsitzende hatte die Lacher auf seiner Seite, als er von Krösches süßen Sünden erzählte: „Ritter Sport wird schwer leiden. Der Marzipan-Ritter-Sport-Konsum wird zumindest in der Frankfurter Ecke massiv einbrechen. Ich kenne niemanden, der so aussieht und sich mehr oder weniger ausschließlich von Marzipan-Schokolade ernährt.“

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