Zweiter Sieg in Folge: Der SV Werder Bremen bestätigt beim 4:1-Sieg in Berlin, dass der Glaube zurückgekehrt ist. Cheftrainer Daniel Thioune erntet Lob für seinen Einfluss.
Zutrauen folgt Werders Lebenszeichen
Der letzte Treffer war nicht nur Marco Grüll irgendwie entgangen. Auch die Reaktion von Clemens Fritz auf den Treffer von Patrice Covic („Haben wir vier Tore geschossen?“) in der Nachspielzeit zum 4:1-Endstand bei Union Berlin war gewissermaßen ein Indiz dafür, dass man es im Lager des SV Werder Bremen eben nicht mehr unbedingt gewohnt war, über einen derart deutlichen Sieg zu sprechen.
Kann also schon mal passieren – nachdem die Bremer ja erst vor einer Woche ihr erstes Erfolgserlebnis nach zuvor 13 sieglosen Partien erfahren hatten. Dass sie bei Union zum Abschluss des 25. Spieltags nun erstmals in dieser Saison den zweiten Dreier in Serie einfahren konnten, setzte indes weitere Gefühle und Gedanken frei, die es im Werder-Kosmos lange nicht mehr gegeben hatte.
Von „Ruhe und Reife“ sprach Sportchef Fritz und stellte der Mannschaft daher ein „Riesenkompliment“ aus. Selbstverständlich war das jedenfalls nicht angesichts dieser Vorgeschichte – und dem 0:1-Rückstand an der Alten Försterei.
„Hey, wir können es noch“
Doch der jüngste 2:0-Sieg gegen Heidenheim hatte dann eben doch jene befreiende Wirkung erzielt, von der die Bremer auch in Berlin weiter zehren konnten, wenngleich in Überzahl: „Nach all den Wochen und Monaten ohne Sieg hat es uns natürlich gutgetan, dass die Jungs einfach gemerkt haben: ‚Hey, wir können es noch'“, deutete Fritz an.
Wochenlang habe man am Osterdeich versucht, Erklärungen für den anhaltenden Negativtrend zu finden – ohne dass er jedoch gestoppt werden konnte. Ein „Kopfthema“ also, auf das Fritz nun rückblickend noch mal zu sprechen kam: „Es war einfach enorm wichtig, diesen Turnaround hinzubekommen.“ Denn, so der 45-Jährige: „Von außen hörst du immer nur, wie schlecht du bist – das bekommen die Spieler ja auch mit.“
Dass bei Union nun ein solch (seltener) souveräner Auftritt folgte, bestätigte indes, dass „der Glaube wieder da“, wie Fritz erklärte und sogar „die Leichtigkeit in der einen oder anderen Situation“ zurückgekehrt ist.
Fritz‘ Lob für Thioune
Ein Kompliment für seinen Anteil daran erhielt von dem Sportchef auch Cheftrainer Daniel Thioune: „Die Inhalte, die er vermittelt, die Energie, die er reinbringt und die Ansprache, die er an die Mannschaft – das zeigt Wirkung“, betonte Fritz.
Zumal der 51-Jährige in seinem fünften Werder-Spiel auch die richtigen Wechsel in der Halbzeit vorgenommen hatte, indem er die spielentscheidenden Räume ausgemacht und durch die Hereinnahme von Leonardo Bittencourt insbesondere das Zentrum überladen hatte. „Er ist total im Detail drin. Er macht wirklich einen guten Job“, so Fritz weiter. Und dann erzielte Werder ja auch noch den ersten Standardtreffer dieser Saison …
Thioune wiederum gestand zumindest offen ein, dass er nach dem frühen Rückstand zunächst nicht von außen einwirken konnte: „So ehrlich will ich sein, als Trainer kann ich so schnell keine Impulse setzen. Aber was sich verändert hat, war das Zutrauen in die Aktionen.“
Thioune: „Mittendrin statt nur dabei“
Erst in der Halbzeit kam sein Einfluss dann eher zum Tragen, den Gegner vor weitere Probleme zu stellen: „Das war der Wunsch – diesmal war es sehr nahe an der Umsetzung.“
Und doch hielt es Thioune für angemessen, bei Werder weiterhin demütig zu bleiben: „Wir dürfen es nicht überhöhen, dass wir zweimal am Stück gewonnen haben. Es hat letzte Woche dazu geführt, dass wir am Leben bleiben – und jetzt sind wir mittendrin statt nur dabei“, so der Chefcoach: „Aber mittendrin werden wir wahrscheinlich bis zum Ende sein …“

