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Kompany widerspricht Bischof: „Er hat einen Fehler gemacht in diesem Interview“

Nach dem knappen Sieg in Wolfsburg waren sich beim FC Bayern nicht alle einig – sogar vor laufenden Kameras.

20-Jähriger äußert Kritik

Das Schlimmste ist aus Sicht des FC Bayern überstanden, Tag eins und zwei nach dem schmerzhaften Halbfinal-Aus gegen Paris. „Donnerstag war sehr hart“, fand sicherlich nicht nur Tom Bischof rückblickend, da konnte man es ihm und seinen Kollegen fast nachsehen, dass sie am Samstag in Wolfsburg 45 Minuten lang nicht wirklich auf der Höhe waren.

„Da hätten wir fünf Tore bekommen können“, erzählte der Aushilfslinksverteidiger nach dem Spiel und kritisierte, dass „wir keinen so guten Fußball gespielt haben“, dass die „Abstände zu groß waren“. Einzig Jonas Urbig verhinderte mehrfach einen Rückstand, auf der anderen Seite sorgte Michael Olise in Hälfte zwei mit seinem Trademark-Move für das Tor des Tages.

Und am Ende gingen die Bayern nach zwölf Gegentoren aus den vergangenen vier Spielen erstmals wieder mit einem Zu-null-Sieg vom Feld. Die absolute Zufriedenheit herrschte im Lager des alten und neuen deutschen Meisters jedoch nicht vor, dafür saß der Mittwochabend in der Königsklasse wohl doch noch zu sehr in den Knochen und im Kopf.

Bischofs Kritik: „Wir machen nicht mehr die Basics“

Bischof jedenfalls, der in Hälfte zwei auf die Doppelsechs gerückt war und kurz vor Schluss einen beinahe folgenschweren Fehlpass zum Konter-Gegentor gespielt hatte, zog einen ganzheitlichen Blick auf die vergangenen Wochen, die er aufgrund einer Wadenverletzung größtenteils verpasst hatte. „Es ist immer schlecht, wenn man so viele Chancen und Gegentore bekommt“, meinte der 20-Jährige im Sky-Interview. „Ich glaube – ich habe jetzt ein paar Spieler leider von außen gesehen -, wir machen einfach nicht mehr die kleinen Basics.“

Soll heißen: „Dieses Gegenpressing direkt nach dem Ballverlust fehlt uns in letzter Zeit, das ist mir von außen aufgefallen.“ Also jenes kompromisslose Anlaufen am gegnerischen Strafraum, das die meisten Bundesliga-Kontrahenten überfordert. Eine Frage der Frische? Immerhin wartet auf die Bayern-Profis in der kommenden Woche die erste ohne ein Spiel am Dienstag oder Mittwoch seit Anfang März. „Wir machen immer diese langen Wege“, findet Bischof. „Und die sind unnötig. Wenn wir schnelles Gegenpressing haben – das hat man diese Saison gesehen -, haben wir brutal viele Tore gemacht. So haben wir jetzt leider viele Gegentore kassiert.“

Ob Trainer Vincent Kompany seinem Youngster zustimmt? Er lachte erstmal leise, als er bei Sky auf Bischofs Interview angesprochen wurde. „Nein“, sagte er dann schmunzelnd. „Natürlich nicht. Er ist ein junger Spieler, er hat einen Fehler gemacht in diesem Interview.“

„Irgendwann werden die Beine einfach auch entscheidend für dich.“ (Vincent Kompany)

Gegenpressing, führte Kompany aus, „kannst du nicht hundertmal machen, wenn du einen Ballverlust hast oder einen schnellen Ballverlust. Das Problem ist nicht die Intention für das Gegenpressing, sonst würde ich das im Training schon sehen und auch sagen. Dann kannst du kein Spiel gewinnen.“

Für den Trainer geht es vielmehr darum, „dass man vielleicht nicht immer das Gefühl haben muss, dass man in den ersten zehn, fünfzehn Minuten schon drei, vier Tore machen muss und die anderen dann einfach auf dem Boden liegen. Das passiert nicht so.“ In Wolfsburg zum Beispiel hatte seine Mannschaft okay begonnen, dann aber schnell die „Geduld verloren“. „Und dann wird es halt schwieriger“, erklärt Kompany. „Das erste Mal, zweite Mal, dritte Mal kannst du gutes Gegenpressing machen, aber irgendwann werden die Beine einfach auch entscheidend für dich.“

Vor allem in vorderster Reihe waren mit Harry Kane, Jamal Musiala und Torschütze Olise drei Akteure entscheidend für die schnelle Ball-Rückeroberung, die auch am Mittwoch viel Kraft gegen Paris gelassen hatten. „Ich glaube, dass wir in der zweiten Halbzeit viel Besserung gezeigt haben“, fand Kompany. „Und das hatte zu tun mit unserem Ballbesitz, so einfach war das.“

Ein paar freie Tage warten nun auf die Profis des FC Bayern, vielleicht wird Kompany sich dann, am Mittwoch beim Training, nochmal mit Bischof austauschen und die unterschiedlichen Standpunkte analysieren, vielleicht auch einfach die insgesamt gute Leistung des links verteidigenden Sechsers. „Ich bin mir sicher, dass er in ein paar Jahren genau das Gleiche sagen wird“, meinte der Trainer im Interview. Und schmunzelte erneut.

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