Der VfB Stuttgart kassierte gegen Gladbach den nächsten Dämpfer in der Liga und muss nun mit Sorge nach unten schauen. Wie es zur Niederlage gegen die Fohlenelf kam, wusste indes Trainer Sebastian Hoeneß – und auch, was es braucht, um die Trendwende einzuleiten.
Stuttgart im Sog der Kellerkinder
So ordentlich es in der Champions League für den VfB Stuttgart auch läuft (sieben Punkte aus drei Spielen), in der Bundesliga stecken die Schwaben mittendrin in einer handfesten Ergebniskrise. Das 2:3 gegen Gladbach war bereits die fünfte Bundesliga-Niederlage der laufenden Saison. Schon nach dem 0:1 beim HSV hatte Deniz Undav gesagt, dass der VfB „gerade keine Spitzenmannschaft“ sei.
Gegen die bis dato noch punktlose Fohlenelf setzte es den nächsten Nackenschlag – und das trotz gutem Beginn und früher Führung. Für VfB-Coach Sebastian Hoeneß war das Spiel ein typisches Fallbeispiel dafür, wie es im Fußball laufen kann. „Aus unserer Sicht, lief es am Anfang zu gut“, sagte Hoeneß bei Sky und erklärte mit Blick auf den guten Start seiner Elf mitsamt frühem 1:0 durch Ermedin Demirovic, dass man das Gefühl bekommen habe, dass „es schon läuft. Wir haben früh das Tor gemacht und hatten dann zwei gute Möglichkeiten.“
Er bedauerte dabei vor allem die vergebene Möglichkeit von Ramon Hendriks, der aus sechs Metern knapp verzogen hatte (18.). „Das Spiel hing am seidenen Faden. Wenn Ramon den reinmacht, dann geht es mehr darum, ob die Gladbacher dagegenhalten können – auch mental.“
Gladbach nach und nach ins Spiel gelassen
Doch dann kann alles anders, auch weil der VfB die Borussen ins Spiel kommen ließ, wie Hoeneß anmerkte: „Durch unnötige Ballverluste und verlorene Fifty-fifty-Duelle haben wir den Gegner peu à peu reingelassen. Die haben gespürt, vielleicht geht noch was.“ Spätestens nach dem Ausgleich durch Joe Scally (38.) sei die Partie dann völlig offen gewesen – „und uns war es dann nicht mehr möglich, in das Spiel zurückzufinden. Es war hektisch, wild, was auch an den Gladbachern lag, die extrem gefightet haben, aber wir waren nicht strukturiert und haben zu viel nach hinten gespielt.“
Irgendwann habe man dann gemerkt, „wie das Rattern angefangen hat“, so Hoeneß weiter, der Gladbachs Sieg aber keineswegs schmälern wollte und auch Lob für die Borussia übrighatte. „Großes Kompliment an Gladbach“, sagte er und verwies auf die enorme Laufleistung der Rheinländer, die am Ende 128 km gelaufen waren.
„Einige mehr als wir gelaufen sind“, stellte der 44-Jährige auch fest; in der Tat hatten die Schwaben lediglich 122,5 km abgerissen, also fünfeinhalb weniger als der Gegner. „Damit es klar ist, es war zu wenig. Wir haben verdient verloren, Gladbach hat verdient gewonnen. Wir haben zu wenig investiert. Uns muss klar sein, dass du so keine Spiele gewinnst. Das sollte das Learning aus diesem Spiel sein. Wir brauchen Mentalität, die Basics – das war vor 50 Jahren so und das wird in 50 Jahren so sein.“
Hoeneß entzieht sich nicht der Kritik
Er selbst entzog sich aber auch nicht der Kritik, so gab er zu, dass seine Rotation, im Vergleich zum CL-Spiel gegen Atletico Madrid (1:1) standen sechs Neue in der Startelf, schiefgegangen sie. „Wenn es nicht klappt, dann ist es eine falsche Entscheidung. So einfach ist das“, antwortete er, als er auf seine zahlreichen Wechsel angesprochen wurde, verwies dabei aber auch auf die notwendige Belastungssteuerung. „Fakt ist: Es ist nicht aufgegangen, das wird dann kritisiert, das muss ich auch akzeptieren.“
Fakt ist auch: Stuttgart liegt mit gerade einmal sechs Punkten aus sieben Spielen aktuell auf Platz 14 – und könnte sich nach diesem Spieltag auf einen Abstiegsplatz wiederfinden, da die Verfolger Schalke (in Köln), Paderborn (gegen den HSV) und Union Berlin (in Augsburg) lediglich einen Zähler Rückstand haben und alle noch spielen. Gladbach behält derweil die Rote Laterne, hat aber immerhin den ersten Dreier der Saison gelandet.

