Der Nachfolger des ausgeschiedenen Frankfurter Sportvorstands Markus Krösche wird sich mit großen Herausforderungen konfrontiert sehen. Auf der Mitgliederversammlung erklären die Bosse den Strategiewandel der Eintracht.
„Abhängigkeit von Transfererlösen reduzieren“
Mit Verkäufen in schwindelerregenden Höhen machte sich der auf eigenen Wunsch als Sportvorstand ausgeschiedene Markus Krösche einen Namen in Frankfurt und Europa. Schon unter seinem Vorgänger Fredi Bobic entwickelten sich Spieler wie Luka Jovic oder Sebastien Haller zu Kassenschlagern. Diesen Weg setzte Krösche in seiner knapp fünfeinhalbjährigen Amtszeit mit Überfliegern wie Randal Kolo Muani, Hugo Ekitiké, Omar Marmoush oder auch Willian Pacho fort.
Was all diese Stars eint: Sie wechselten von Frankfurt in andere europäische Top-Ligen, wo das Geld oft noch lockerer sitzt als in der Bundesliga. Dieser Weg stößt mittlerweile an Grenzen. Während in der Premier League ein Agreement getroffen wurde, primär innerhalb der eigenen Liga zu investieren, verlor der lukrative Markt in Saudi-Arabien durch die kriegerischen Konflikte an Attraktivität für die Profis.
Verändertes Geschäftsmodell
Das wirkt sich auch auf die Strategie bei Eintracht Frankfurt aus. „Das Geschäftsmodell hat sich verändert“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann auf der Mitgliederversammlung am Montag. Der 55-Jährige konstatierte, dass die Entwicklung von Spielern und damit einhergehende Generierung hoher Ablösesummen in den vergangenen Jahren die Investitionsmöglichkeiten in den Kader erhöhten und den Klub „strukturell auf ein anderes Niveau“ brachten. Dies aber habe im jüngsten Transfersommer nicht mehr in dem Maße funktioniert. Keine Eintracht-exklusive Herausforderung: „Wir sind beileibe nicht die Einzigen, die diese Erfahrung auf der Zielgeraden des Transferfensters machen mussten.“
Der Vorstandsvorsitzende glaubt nicht, dass der Markt wieder an Dynamik zulegt. „Deswegen muss für uns eine Erkenntnis aus diesem Sommer sein: Wir müssen unsere Abhängigkeit auf der wirtschaftlichen Seite von Transfererlösen systemisch reduzieren“, betonte Hellmann und führte aus: „Wir müssen sehr stark vor die eigene Haustür gehen. Und wir sollten uns sehr stark darum bemühen, unsere wirtschaftliche Stabilität auf die Erlöse zu konzentrieren, die aus dieser Region kommen, von unseren Partnern, aus unserem Umfeld, in dem wahnsinnig großen wirtschaftlichen Kraftfeld, in dem wir uns in der Rhein-Main-Region bewegen.“
Mit Blick auf künftige Transferaktivitäten sieht der Jurist eine Modifizierung, keine „Abkehr vom bisherigen Weg“. Spannende Talente, so der Eindruck der Eintracht-Bosse, werden immer teurer, was im Verkauf die Gewinnmarge weiter schmälert. Als jüngstes Beispiel dient Noel Aseko (FC Bayern), der zwölf Millionen Euro kostete, obwohl er in der vergangenen Saison lediglich in der 2. Liga für Hannover spielte.
Fokus auf deutschen Markt und NLZ
„Die Preise für junge Talente sind brutal gestiegen, die Abnehmer am Markt haben sich stark reduziert“, bilanzierte der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Beck. Zwar wolle man auch weiterhin „internationale Top-Talente nach Frankfurt holen“, sagte der 55-Jährige, kündigte aber an: „Wir werden unseren Fokus stärker auf den deutschen Markt und unser Nachwuchsleistungszentrum richten. Wir wollen eine Mannschaft, die diese Identität und die Wucht verkörpert, die sich das ganze Eintracht-Umfeld wünscht.“
Krösches Nachfolger wird finanzielle Mittel erhalten, um schon im Winter-Transferfenster tätig zu werden. Aktuell besteht vor allem in der dünn besetzten Defensive Handlungsbedarf. Ohne Verkäufe werden aber wohl keine großen Sprünge drin sein. Auch für den wichtigsten „Transfer“ dieser Saison muss wohl Geld locker gemacht werden: Nach kicker-Informationen wird kein Sportvorstand kommen, der aktuell frei verfügbar ist. Der dreiköpfige Hauptausschuss des Aufsichtsrats, zu dem neben Beck auch Sven Janssen und Felix Wirmer zählen, werden den Krösche-Nachfolger von einem anderen Klub abwerben.
Das Trio zeigte sich rund um die Mitgliederversammlung sichtlich erfreut und erleichtert darüber, dass es gelungen ist, den Trennungsprozess in vertrauensvollen Gesprächen mit Krösche zum Abschluss zu bringen. Vor der offiziellen Pressemitteilung drang nichts nach außen. Es gab lediglich die allgemeine öffentliche Erwartung, dass es eher früher als später zur Scheidung kommt.
Dementsprechend verschlossen geben sich die Gremienmitglieder auch nun auch bei der Nachfolgersuche, die schon seit Wochen im Hintergrund läuft. Wer der Top-Kandidat ist, weiß nur der engste Kreis. Klar ist, dass Christoph Spycher (YB Bern) und Marcel Schäfer (RB Leipzig) bei den Eintracht-Bossen große Wertschätzung genießen. Beide wurden schon 2021 als mögliche Bobic-Nachfolger gehandelt.

