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Extrem zäher Poker: Warum sich Bayer bei Diaby keine Deadline setzt

Leverkusens Verantwortliche wollen Flügelspieler Moussa Diaby unbedingt verpflichten. Doch die Rückholaktion zieht sich in die Länge. Woran es hapert. Und wie der Klub plant.

Bei Newcastle startete Maza rechts vorne

Von außen betrachtet schien dieser Transfer schon Mitte der vergangenen Woche auf der Zielgeraden zu sein. Dass sich Bayer mit Moussa Diaby geeinigt habe und der Franzose gern ins Rheinland wolle, verbreitete sich. Dass die Ablöse bei rund 30 Millionen Euro liegen solle, sickerte durch. Geschäftsführer Simon Rolfes machte im Leverkusener Trainingslager in Blankenhain darüber hinaus einen immerhin recht optimistischen Eindruck, als er auf die Personalie angesprochen wurde. Doch der Durchbruch, er ließ auf sich warten. Ein Tag, zwei Tage, drei Tage regte sich nicht viel – und auch an diesem Wochenende konnte bisher nicht Vollzug gemeldet werden.

Dass es an der Abfindungszahlung für Diaby hakt, berichtete der kicker bereits am vergangenen Mittwoch. Und darüber gibt es auch aktuell nach kicker-Informationen keine Einigung. Der 27-jährige rechte Flügelstürmer, der bei Al-Ittihad rund zehn Millionen Euro netto pro Jahr verdienen soll und noch bis Sommer 2029 unter Vertrag steht, würde mit dem Wechsel nach Leverkusen auf einiges an Gehalt verzichten. Um dies (teilweise) zu kompensieren, möchte Diaby davor von seinem Noch-Arbeitgeber eine Ausgleichszahlung einstreichen.

Das Problem: Die will ihm der Klub aus Saudi-Arabien nicht in der gewünschten Höhe zahlen. Wie auch der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, möchte Al-Ittihad stattdessen mehr Geld vom Werksklub einstreichen, wovon ein Teil weiter zu Diaby fließen könnte. Folglich würde das finanzielle Paket für Bayer höher ausfallen – was Leverkusen wiederum ganz offenkundig nicht will.

Bayer schaut sich längst nach Diaby-Alternativen

Eine ziemlich komplexe Situation. Bei Bayer indes hoffen sie weiterhin aufs Gelingen des Deals – und harren der Dinge. Eine Deadline existiert nicht, was einleuchtet: Selbstredend läuft die Fahndung nach Diaby-Alternativen schon länger – zig Spieler, die interessant und bezahlbar sind, tummeln sich aber nicht auf dem Markt, sonst hätte Bayer bereits zugepackt und würde nicht auf Diaby warten.

Und weil zumindest numerisch kein Problem rechts vorne besteht, wird der Werksklub nur dann tätig, wenn sich auch wirklich ein Upgrade zu Profis wie Nathan Tella oder Abgangskandidat Ernest Poku finden lässt. Einen x-beliebigen Zugang sucht und braucht Bayer nicht – der Bundesligist will einen Bessermacher, der die Qualität erhöht, um final mit dem linken Außenstürmer Afonso Moreira eine Flügelzange auf sehr hohem Level bilden zu können.

Dem Vernehmen nach könnte das auch ein weiterer Rechtsfüßer sein. Ein inverser Flügelspieler, der mit links nach innen kurven kann, würde aber freilich die Möglichkeiten erweitern und neben einem Profi wie Tella ein weiteres Profil bieten. Auch deswegen passt Diaby so gut: Der Linksfüßer, der bereits von 2019 bis 2023 bei Bayer spielte, ist rasendschnell, torgefährlich und dribbelstark, bringt demnach eine besondere Klasse im Eins-gegen-eins mit, das Trainer Carles Martinez in seinem 4-2-3-1 oder 4-3-3 forciert, in dem er aus dem Zentrum auf die Flügel spielen lässt – und eine Seite ab und an auch bewusst überlädt, um über die andere gefährlich zu werden.

Bei Newcastle blieb Poku draußen – und Maza startete aushilfsweise rechts

Wird es also Diaby? Wird es ein anderer, aktuell noch unbekannter Flügelspieler? Oder kommt schlussendlich gar keiner, womit die Suche nach dem X-Faktor gescheitert wäre und der Klub auf der rechten Seite ohne den gewünschten Unterschiedsspieler wenigstens durchs erste Saisonhalbjahr gehen müsste? Aktuell ist alles denkbar.

In der Pflichtspielgeneralprobe bei Newcastle United (2:1) blieb Poku, der immer wieder mit der Premier League und Sunderland in Verbindung gebracht wird, trotz der sieben Wechsel bis zum Ende auf der Bank. 1:0-Torschütze Ibrahim Maza startete stattdessen aushilfsweise – und in Abwesenheit des nach seinen muskulären Problemen erst später eingewechselten Tella – nominell auf der rechten Seite.

Allerdings rückte der gelernte Zentrumspieler meist ein, wodurch die Wucht auf der rechten Seite fehlte und das Flügelspiel dafür vor allem über links und Moreira vonstatten ging. Insgesamt hatte es gemischten Erfolg. In puncto Chancenkreation und Ballbesitz, Positionsspiel und Pressing sah es in Summe zwar etwas besser aus als noch bei Nottingham (1:2) oder gegen Sevilla (2:1). Viel Luft nach oben bleibt allerdings. Bayer agierte verbessert, doch lieferte auch viel Stückwerk.

Weitere Fragezeichen im Bayer-Kader

Das muss nicht verwundern: Der Kader ist noch nicht komplett, in allen Tests wurde viel rotiert, zudem kamen Zugänge wie Miguel und Facundo Medina und WM-Fahrer wie Jarell Quansah und Exequiel Palacios später dazu. Klar ist dadurch aber auch, dass der Werksklub die nötigen Automatismen erst in den Pflichtspielen richtig einschleifen kann, wenn alle an Bord sind, geklärt ist, welche 15, 16 Spieler das Grundgerüst bilden – und bestenfalls auch die Spezialkraft für den rechten Flügel gefunden ist, die für die höchsten Ziele nötig sein dürfte.

In den nächsten Tagen und Wochen bis zum Ende der Transferperiode ist jedenfalls noch einige Bewegung zu erwarten – auf der Zu-, doch auch auf der Abgangsseite, die Zuwachs erhalten muss, da das Aufgebot derzeit noch zu groß ist. Immerhin: Außenstürmer-Wunschlösung Diaby kam am Samstagabend gegen Al-Kholood (1:1) zum Einsatz, wurde jedoch augenscheinlich topfit nach 62 Minuten ausgewechselt. Ein Umstand, den sie in Leverkusen gewiss erfreut zur Kenntnis genommen haben werden, als sie nach ihrer England-Testspielreise wieder in Deutschland ankamen – und weiter auf ein Zeichen aus Saudi-Arabien warteten.

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