Augsburgs Geschäftsführer Michael Ströll weilt mit Sportdirektor Benni Weber momentan in New York. Zu Hause in der Fuggerstadt sind noch einige Personalien in der Schwebe, während sich die sechs WM-Fahrer des FCA noch nicht für lukrative Offerten qualifizieren konnten.
Abgangskandidaten wie Claude-Maurice und Kömür
47. Straße in Manhattan, ein Katzensprung vom Times Square. In einer Bar trifft der kicker Geschäftsführer Michael Ströll und Sportdirektor Benni Weber vom FC Augsburg, die für eine Woche zur WM gereist sind.
Weber kommt gerade von einem Besuch im MLS-Büro, bei dem auch andere Bundesliga-Vertreter wie Leipzigs Marcel Schäfer und VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth dabei waren, Letzterer sitzt hinten etwas abseits in der Bar. Ströll und Weber wiederum haben gerade die Leihe von Aiman Dardari zu Rot-Weiss Essen finalisiert, der 21-jährige Offensivspieler soll in der kommenden Saison beim Drittligisten reifen, nachdem er zuletzt schon ein Jahr an Greuther Fürth verliehen war.
Eine personelle Randnotiz mit Blick auf das große Ganze beim Kader der Augsburger, in dem es schon Bewegung gab und noch geben wird. Wobei sich Ströll und Weber einig sind, dass die großen Transfers wohl erst spät über die Bühne gehen werden, die Branche wartet die WM ab. Das betrifft beim FCA zum Beispiel den wechselwilligen Alexis Claude-Maurice, für den es einen Markt in Frankreich gibt.
Generell gilt: Unverkäuflich ist niemand, sollte ein verrücktes Angebot vorliegen. Etwa für die sechs WM-Fahrer der Augsburger, von denen allerdings nur Fabian Rieder bei der Schweiz regelmäßig spielt, mit Abstrichen noch Michael Gregoritsch (Österreich), bei dem der FCA erst kürzlich ebenso wie bei Rodrigo Ribeiro die Kaufoption gezogen hat. Rieder soll übrigens auch in der kommenden Saison als spielstarker Part der Doppelsechs fungieren, eine Positionsverschiebung aus einer offensiveren Rolle von Trainer Manuel Baum, die voll aufgegangen ist.
PAOK bietet zu wenig für Giannoulis
Verlassen könnten den FCA Dimitrios Giannoulis und Kristijan Jakic. Giannoulis würde gerne in die Heimat zu PAOK wechseln, doch die Griechen boten nur eine Million Euro an Ablöse, deutlich zu wenig. Dem FCA schweben eher drei bis vier Millionen vor. Jakic konnte sich bei der WM als Ersatzspieler Kroatiens bislang nicht ins Schaufenster spielen. Um mit 29 Jahren noch einen möglichst hoch dotierten Vertrag zu bekommen, könnte Katar ein Ziel sein.
Die drei weiteren WM-Fahrer spielen in den Plänen keine Rolle. Ismael Gharbi wird nicht fest verpflichtet, Elias Saad und Nathanael Mbuku kehren nach ihren Leihen nur vorübergehend zurück. Für sie soll es eine Lösung andernorts geben, wie bei Maximilian Bauer, Henri Koudossou (beide Bielefeld), Dardari und Torwart Marcel Lubik (22, Wisla Krakau) bereits geschehen. Lubik soll weiter auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln, das sehen die FCA-Chefs als wichtiger an als eine Rolle als Nummer 2 in Augsburg.
Spur nach Brügge bei Kömür
Talent Mert Kömür zieht es weiterhin weg, er sieht für sich zu wenig Spielpraxis beim FCA. Nachdem im vergangenen Winter türkische Erstligisten um den Offensivspieler gebuhlt hatten, könnte nun eine Spur nach Belgien zum FC Brügge führen. Der Traditionsklub kann damit werben, mit Nicolo Tresoldi derzeit ein deutsches Talent weiterentwickelt und dessen Marktwert enorm gesteigert zu haben.
Kaufen muss der FCA nach derzeitigem Stand höchstens im Falle von Abgängen, mit Gregoritsch und Ribeiro ist er in Vorleistung gegangen, Calvin Brackelmann kommt für die Abwehr ablösefrei als wertvolle Alternative. Und vor allem als günstigere im Vergleich zu Arthur Chaves, der sechs Millionen Ablöse gekostet hätte und deshalb nach einem halben Jahr beim FCA vorerst nach Hoffenheim zurückkehrt.
Tschauner verstärkt Torwarttrainer-Team
Eine weitere Veränderung betrifft das Team der Torwarttrainer. Michael Weirich ersetzt bekanntlich Marco Langner, nun wird auch Philipp Tschauner dazustoßen. Der Ex-Profi arbeitete zuletzt bei Drittligist Jahn Regensburg, er soll beim FCA die Torhüter im NLZ betreuen, aber auch zu den Profis stoßen.
Für Ströll und Weber bleibt genügend Arbeit, wenn sie aus dem „Big Apple“ zurück sind. Abgeben würden sie beispielsweise gerne Mads Pedersen, doch der Däne, als Typ geschätzt, hat noch ein Jahr Vertrag. Nach der Niederlage Deutschlands gegen Ecuador schauen sie auch England gegen Panama (23 Uhr an diesem Samstagabend MESZ, LIVE! bei kicker), Weber arbeitete jahrelang im Trainerteam von Thomas Tuchel und blickt deshalb bei den Engländern mit besonderem Interesse drauf.
Am Abend vor dem Treffen mit dem kicker lernten er und Ströll bei einem Dinner übrigens Jon Bon Jovi kennen. Doch der kommt höchstens als Neuzugang bei der Stadionmusik infrage.

