Nach einem durchwachsenen Saisonstart rotierte Felix Nmecha gegen den SC Paderborn auf die Bank – und lieferte von dort einen eindrucksvollen Nachweis dafür, was möglich ist, wenn er sein Top-Niveau wieder erreicht.
BVB-Motor glänzt als Joker
Kurz musste Felix Nmecha überlegen, als er in der Mixed Zone gefragt wurde, ob sein zweiter Treffer des Tages zum 3:0-Endstand gegen Paderborn denn der schönste in seiner bisherigen Karriere war. „Ich glaube schon“, antwortete der 25-Jährige mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Per Fallrückzieher hatte er den Ball aus knapp zehn Metern ebenso artistisch wie platziert ins linke untere Eck gesetzt. „Als ich ihn getroffen habe, wusste ich direkt, dass er drin ist.“
Es war die Kirsche auf dem Dortmunder Sieg und auch auf Nmechas ganz persönlicher Leistung. Der Nationalspieler war erstmals in dieser Saison von der Bank gekommen und hatte schon neun Minuten vor seinem Kunststück nach einem Doppelpass mit Maximilian Beier und einem Haken um Luka Duric durchaus sehenswert getroffen. Sein Jokereinsatz war das erste große Ausrufezeichen des so begabten Dortmunder Mittelfeld-Motors, nach einem bislang eher durchwachsenen Saisonstart.
„Ich fühle mich aktuell gut.“ (Felix Nmecha)
Die Spuren seiner ersten WM-Teilnahme waren Nmecha durchaus anzumerken, die Fitness nicht auf dem gewohnten Level. Auch deshalb ging Niko Kovac bislang sehr behutsam mit dem Achter um, dessen große Bedeutung für den BVB er dennoch regelmäßig unterstrich. „Es war wichtig, in Absprache mit unserer medizinischen Abteilung, dass wir Felix immer wieder dosieren in den letzten Wochen“, erklärte der Trainer nach dem fünften Pflichtspiel-Sieg in Serie. „Diesmal haben wir ihn so dosiert, dass er erst von der Bank kam. Aber ich glaube, er war nicht sauer, weil er ganz genau wusste, wie ich es vorhabe.“
Einen Eindruck, den Nmecha selbst in der Mixed Zone bestätigte. „Ich fühle mich aktuell gut“, sagte er selbst mit Blick auf sein aktuelles Level. „Ich bin immer bereit, alles zu geben. Das habe ich auch diesmal gemacht.“ Gegen Paderborn allerdings noch einmal mit einem deutlich anderen Einfluss auf das Spiel als in den Wochen zuvor.
Bestwerte im kürzesten Einsatz
Nach seiner Einwechslung in der 65. Minute führte er sieben Zweikämpfe, so viele wie in keinem seiner fünf vorangegangenen Startelf-Einsätze in dieser Spielzeit, einschließlich des Supercups. Vier davon entschied er für sich (57 Prozent), womit er seine bisherige Quote von nur 45 Prozent hochschraubte. Auch die drei statistisch verzeichneten Dribblings – davon zwei erfolgreich – sind sein Saisonbestwert. Und in nur 26 Minuten sammelte er fast halb so viele Ballkontakte (31) wie vier Tage zuvor beim 3:2 gegen Villarreal in 74 (63).
Die Formkurve zeigt zweifelsfrei nach oben, nun geht es für Nmecha darum, auch über 90 Minuten wieder auf seinem persönlichen Spitzen-Niveau performen zu können. Der Härtetest in Stuttgart am kommenden Samstag (18.30 Uhr) wäre sicherlich kein schlechter Zeitpunkt, um genau damit zu beginnen.

