Zwei Spiele ohne Treffer sind symptomatisch für die derzeit schwache Offensive von Borussia Dortmund. Dazu kommt die möglicherweise schwere Verletzung von Konstantinos Karetsas.
Zweifel nach zwei Spielen ohne Treffer
Es waren die Spiele Nummer 3 und 4 unter Niko Kovac, Mitte Februar 2025. Eine 0:2-Niederlage beim VfL Bochum und ein müdes 0:0 gegen Sporting Lissabon in der nach dem Hinspiel im Grunde schon entschiedenen K.-o.-Phase in der Champions League. Damals, vor eineinhalb Jahren, hatte Borussia Dortmund größerer Sorgen als zwei Spiele ohne eigenen Treffer. Die Bundesliga-Spitze weit entfernt, selbst die obere Tabellenhälfte außer Reichweite.
Inzwischen gehört der BVB wieder zu dieser Bundesliga-Spitze und würde das gerne auch für den Rest der noch langen Saison beibehalten, der Trend allerdings spricht gegen die Schwarz-Gelben. Zwei Remis in der Liga, dazwischen das enttäuschende 0:1 bei FK Bodö/Glimt in der Champions League – nach dem makellosen Saisonstart schwächelt Dortmund nach der langen Länderspielpause und bleibt zum zweiten Mal in Kovacs Amtszeit zwei Partien ohne Tor.
Einzel-Betrachtungen und ein Muster
„Es ist schon noch alles ganz gut zu erklären“, findet Sportdirektor Ole Book, der Gründe aufzählt und die Spiele separat betrachtet: das 2:2 gegen Bremen mit dem späten Einbruch („Die erste Halbzeit war noch ein bisschen zäh, aber insgesamt haben wir ein gutes Spiel gemacht, was wir gewinnen müssen“), die Pleite am Polarkreis („In Norwegen haben schon viele andere Mannschaften verloren. Das ist super ärgerlich für uns, da waren wir sehr unzufrieden“) und nun Union („Ein schweres Auswärtsspiel, in dem uns vielleicht auch ein kleines bisschen Frische gefehlt hat“).
Einzeln betrachtet ist das sicher richtig, zumal die vergangenen und anstehenden Reisestrapazen die Anforderungen an Regeneration und Belastungssteuerung an ihre Grenzen bringen, ein Muster gibt es aber doch. Denn die fehlende Durchschlagskraft brachte Dortmund zumindest in Bodö und Berlin um Punkte. Vier Chancen in Norwegen, alle nach der 60. Minute, gerade einmal zwei in Berlin, beide nach der Pause. Nur elf Tore in sechs Spielen sind es in der Bundesliga, für die Dortmunder Ansprüche deutlich zu wenig.
In Berlin mangelte es an Inspiration, an Zielstrebigkeit, an Bewegung und Kreativität gegen den tiefen Union-Block. Die vielversprechendsten Szenen waren noch die, in denen die Innenverteidiger andribbelten und Räume schufen. Auf der offensiven Schaltzentrale mit den beiden Offensivspielern hinter einem Mittelstürmer sucht Kovac noch nach der richtigen Besetzung. Maximilian Beier und Ethan Nwaneri, auch Marcel Sabitzer und Carney Chukwuemeka blieben bislang den Beweis schuldig, dass sie regelmäßig die gefragten Lösungen finden.
Dazu kommt das große Pech, dass die beiden griechischen Hoffnungsträger Giannis Konstantelias (fehlt mit Kreuzbandriss bis ins neue Jahr) und Konstantinos Karetsas ihre Qualitäten bisher nicht zeigen konnten. Karetsas musste gegen Union nur acht Minuten nach seiner Einwechslung wieder runter, weil er im Duell mit Rani Khedira übel umknickte, in einem Defensiv-Zweikampf wohlgemerkt. Eine genaue Diagnose der Sprunggelenks-Verletzung steht noch aus, nach den Kreislauf-Problemen des 18-Jährigen ist es der nächste Rückschlag. Bei der Ankunft in Dortmund lief er an Krücken.
Nun wartet Abwehr-Bollwerk Sabah
Doch wie kann die Flaute schnell behoben werden, zumal in den kommenden drei Wochen mit sechs Spielen schwierige Aufgaben anstehen? „Trainingstechnisch wird das gerade relativ schwierig, wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen“, sagt Book mit Blick auf die drei englischen Wochen. An der Qualität im Kader mangele es nicht: „Wir sind schon echt gut und wir haben gute Spieler und wir haben eine tolle Mannschaft und das dürfen die Jungs sich auch immer wieder sagen.“ Seine Hoffnung: „Sie sollen von Anfang an mutig spielen, andribbeln, Lösungen finden, dann wird es auch flüssiger aussehen.“
Waldemar Anton, in Berlin bester Dortmunder, hofft auf „das Quäntchen Glück“, das aktuell im letzten Drittel fehle: „Das musst du dir erarbeiten, das werden wir in den nächsten Tagen machen.“ An der Spielidee liege es nicht, glaubt er: „Wir sind schon länger zusammen, die Abläufe sind für jeden klar.“ Dafür aber am „letzten Pass, an der letzten Entscheidung, der richtigen Entscheidung“. Es klingt beim Innenverteidiger fast nach Erzwingen: „Wenn einer den Willen hat, das Tor zu machen, wird das von alleine wiederkommen.“ Einfacher wird es nicht: Der kommende Gegner Sabah FK aus Aserbaidschan kassierte zuletzt in sechs von acht Spielen kein Gegentor.

