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Dominant in Frankfurt: Scherhant und Schuster erklären Freiburgs Weiterentwicklung

Anders als in der jüngeren Vergangenheit zeigte der SC Freiburg in Frankfurt eine spielerisch beeindruckende Leistung. Der formstarke Nationalelf-Neuling Derry Scherhant und Trainer Julian Schuster erklären, woher das neue Selbstverständnis kommt.

Neues Selbstverständnis bei namhaften Gegnern

Es gab da fast immer diese eine, natürlich anmutende Grenze auf dem Freiburger Erfolgsweg der vergangenen Jahre. Vor allem auswärts bei den Branchenriesen aus München und Dortmund gab es selten etwas zu holen für das gut funktionierende Kollektiv aus dem Breisgau, dafür regelmäßig Klatschen. Ähnliches Bild auch bei den finanzstarken Leipzigern, oder immer mal wieder auch in Leverkusen, Stuttgart oder Frankfurt, deren Klubs mehr Geld in ihre Kader stecken und dadurch dort mehr individuelle Klasse versammeln.

Nicht das Ergebnis, sondern der Gesamtauftritt beim 2:2 in Frankfurt markiert in dieser Erzählung zumindest einen vorläufigen Wendepunkt. Man muss dazu erwähnen, dass die Eintracht, vorige Saison als Achter einen Platz hinter dem SC gelandet, nach dem Umbruch unter Adi Hütter ein gutes Stück von ihren (Europacup-)Glanzzeiten der vergangenen Jahre entfernt ist. Dennoch beeindruckte der Auftritt der Mannschaft von Julian Schuster.

Früher abwartend, jetzt dominant und ohne Hektik

Die SC-Profis, die früher in solchen Partien meist eher abwartend aus einem tieferen Block agierten, übernahmen direkt die Initiative. 66 Prozent Ballbesitz waren es zur Pause, 58 Prozent insgesamt – daraus entstand immer wieder Torgefahr.

Ihre Abläufe sind inzwischen so gefestigt, dass die SC-Spieler auch nach dem frühen Rückstand in der 10. Minute, als die Abstände nicht stimmten, ohne Hektik weiterspielten. Insbesondere über Igor Matanovic, der sich öfter fallen ließ, um Bälle im Zentrum festzumachen und gut weiterzuleiten, erspielte sich Freiburg einige Möglichkeiten, ehe Derry Scherhant den verdienten Ausgleich erzielte. Wieder nach gewonnenen Duellen in der Mitte, der Verlagerung nach links und einem guten Steilpass von Jordy Makengo.

Auch der prompt folgende Nackenschlag zum 2:1, als die SC-Defensive bei einer Frankfurter Ecke nicht konsequent zupackte, brachte die besonders bei zweiten Bällen griffigen Gäste nicht aus dem Konzept. Wieder zwei erarbeitete Gelegenheiten inklusive Scherhant-Freistoß an den Pfosten vor der Pause und kurz danach der erneut verdiente Ausgleich.

„Wir wissen, wir kriegen unsere Chancen, weil wir so viel Qualität haben und jeder für den anderen läuft.“ (Derry Scherhant)

Woher kommt dieses neue Selbstverständnis, inzwischen auswärts in einem wuchtigen Stadion über weite Strecken – nach gut einer Stunde hatte Freiburg bei vier SGE-Chancen eine anfällige Phase – so dominieren zu können? Zehn Torchancen für den SC in Frankfurt sind der bisher höchste Wert in der kicker-Datenbank.

„Wir sind gut eingespielt, haben eine unglaublich gute Teamchemie, jeder gibt Vollgas im Training und gönnt dem anderen Erfolg“, erklärt Scherhant, in Frankfurt mit Tor, Assist und weiteren guten Szenen der beste Mann: „Wir wissen, wir kriegen unsere Chancen, weil wir so viel Qualität haben und jeder für den anderen läuft. Der Trainer stellt uns da immer top ein.“

Scherhant steht sinnbildlich für diese Qualität und hat von der Arbeitsatmosphäre profitiert. Nach seiner ersten SC-Saison mit starkem Start und einem schwächeren zweiten Halbjahr hat der Berliner seit Sommer enorme Fortschritte gemacht. Ihm ist es gelungen, Dauer-Top-Scorer Vincenzo Grifo aus der Startelf zu drängen und sich mit seinen Leistungen – mit neun Scorerpunkten in sieben Spielen (2 Tore/7 Assists) ist er aktuell der beste Scorer vor Matanovic (6/2) – bis in die Nationalelf zu spielen.

Schuster: „Die Jungs verstehen, welche Räume jeweils aufgehen“

Die Nominierung („einfach crazy“) habe Scherhant „vielleicht einen zusätzlichen Push“ gegeben. Ähnlich dürfte es bei den ebenso nominierten Philipp Treu und Yannik Engelhardt gewesen sein, die auch erfreuliche Leistungen zeigten. Engelhardt hing zwar beim 2:1 defensiv mit drin, leitete aber auch beide SC-Tore mit ein.

Schuster freute sich nach den vier Nominierungen – Max Rosenfelder blieb erneut auf der Bank – vor allem über die Art des Auftritts. „Wir haben klare Abläufe, abhängig davon, ob uns der Gegner in Unterzahl oder in Gleichzahl presst. Die Jungs verstehen, welche Räume jeweils aufgehen und bespielen sie. Es war klar, wenn wir diesen guten Ballbesitz bewahren, muss der Gegner viel hinterherlaufen und wird am Ende wohl körperliche Probleme bekommen.“

So war es, nur setzte Joker Lucas Höler einen Kopfball knapp neben den Pfosten und vergab somit die letzte SC-Chance auf einen eigentlich verdienten Sieg, der die Tabellenführung bewahrt hätte. Aber auch als Dritter dürfen sich die Freiburger Profis über ihr neues Selbstverständnis, zehn Punkte und eine komplette freie Woche freuen.

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