In seiner ersten Saison bei Borussia Dortmund lief es für Jobe Bellingham immer besser. Nun soll er sich im Mittelfeld-Zentrum stabilisieren – mit Unterstützung neben sich.
„Vollprofi“ will den nächsten Schritt gehen
Auf seinen liebsten Urlaubspartner musste Jobe Bellingham den Großteil dieses Sommers verzichten. Nach einem vergleichsweise kurzen gemeinsamen Trip an die südfranzösische Küste reiste Bruder Jude nach Nordamerika, um die englische Nationalmannschaft bei der WM zu vertreten. Jobe dagegen zog es erst weiter nach Florenz, um schlussendlich in Miami zu landen – allerdings ohne offiziellen Auftrag der Three Lions.
Noch zumindest, natürlich bleibt ein gemeinsames Großturnier in zwei, vier oder mehr Jahren eines der großen Ziele des 20-Jährigen. Die ersten Schritte dafür sind immerhin gegangen. Der Wechsel vom zweitklassigen AFC Sunderland zu Borussia Dortmund, den rasanten Aufstieg von Championship zu Champions League, hat der kleine Bruder des Real-Stars bewältigt, wenn auch nicht so mühelos wie einst Jude.
Anderes Tempo für Kopf und Füße
Rund ein halbes Jahr Anlaufzeit benötigte Jobe beim BVB für die körperliche Anpassung an die trotz der Knochenmühle im englischen Unterhaus anderen Anforderungen, für eine taktische Weiterentwicklung, für die Gewöhnung an ein neues Land, eine neue Kultur und eine neue Sprache. Der defensive Mittelfeldspieler bekam seine Einsatzzeiten, aber dosiert. Und er zeigte dabei zu Beginn, dass die Bundesliga ein anderes Tempo in den Füßen und vor allem im Kopf erfordert.
Aber er blieb dran. „Ein Vollprofi“, sei Bellingham, lobte Trainer Niko Kovac im Frühjahr. Wie der Youngster beim Videostudium, der individuellen Analyse und der Mannschaftsanalyse mitdenkt, begeistere ihn: „Er entwickelt sich gut. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Was mir bei ihm gefällt: der Eifer.“
Die Minuten auf dem Platz stiegen beständig, erst recht nach dem Winter-Abgang von Pascal Groß und der Verletzung von Felix Nmecha in der Schlussphase. In der Bundesliga stand Dortmunds Nummer 7 nur in zwei Rückrunden-Spielen nicht in der Startelf, Zweikampf- und Passwerte stiegen beständig an.
Doppel-Sechs, nicht Einzel-Sechs
Als Erkenntnis blieb bei den BVB-Verantwortlichen bei aller Verbesserung aber auch hängen, dass eine Grundordnung mit Bellingham als einzigem Sechser eher keine Option für die nahe Zukunft ist. Die Stärken gegen den Ball sind zwar vorhanden, im Aufbauspiel aber benötigt der Brite einen Nebenmann wie eben Allrounder Nmecha neben sich – obwohl von ihm zukünftig gefordert wird, häufiger in Abschlusssituationen zu kommen, um seine zu selten gezeigte Schussstärke auch regelmäßig nachzuweisen.
Die zweite Saison in Dortmund soll nun eine der Stabilisierung sein. Bellingham wird als Platzhirsch auf der Doppel-Sechs in die Vorbereitung gehen, diese Rolle mit mehr Konstanz und weiterer Verbesserung aber verteidigen müssen, denn ein Spieler soll für diese Position noch kommen.

