Beim Pokalsieg in Verl hat Louis Lemke (16) als jüngster Pflichtspieltorschütze des HSV Geschichte geschrieben. In Dortmund steht er nach einem Kurzeinsatz in der Vorsaison nun vor dem Startelf-Debüt auf der ganz großen Bühne.
HSV-Talent hat die Transferpläne der Bosse verändert
Den Ablauf vor dem ersten Pflichtspiel von Louis Lemke als Teil der HSV-Startelf hat Merlin Polzin am Montagabend nach dem 3:0-Pokalerfolg in Verl verraten. „Ich habe Louis gefragt, ob er bereit ist, und er hat gesagt, dass er sich einfach total freut.“ In den letzten Tagen vor dem Bundesliga-Auftakt könnte sich dieser Dialog zwischen Trainer und Teenager wiederholen. Die Hamburger reisen wieder Richtung Westen, dieses Mal aber noch knapp 100 Kilometer weiter, und die Aufgabe ist kein Drittligist, sondern Dortmund – zu groß für einen 16-Jährigen?
Lemke besticht spätestens seit Vorbereitungsbeginn, genau genommen jedoch schon seit seinem Aufrücken in den Profikader im Frühjahr, mit Unbekümmertheit, Energie und Lernbereitschaft. Das hat dem Linksverteidiger schnell den Status des Lieblings eingebracht. Beim Trainerteam und den Teamkollegen. „Wir alle lieben ihn“, verrät Torwart Sander Tangvik, und Albert Grönbaek schwärmt: „Er hat einen tollen Charakter, will lernen. Louis ist eine ganz tolle Person.“
Polzin registriert das enorm hohe Standing seines Musterschülers innerhalb des Kaders und begründet dies so: „Er bringt richtig gute Leistungen, dazu spüren die erfahrenen Spieler, da ist einer nicht nur sehr talentiert, sondern er gibt auch unglaublich Gas. Und dann kommt eins zum anderen, dann nimmt sich ein Nicolai Remberg seiner an, andere auch.“ Besagter Remberg, seit diesem Sommer Kapitän und ein Musterbeispiel für Eigeninitiative, schrieb, nachdem Lemke im Pokal zum jüngsten Pflichtspieltorschützen der HSV-Geschichte aufgestiegen war, auf Instagram knapp aber wertschätzend: „Gut so, mein Ziehsohn.“
Bemühungen um Ekomié wurden nicht intensiviert
Lemke hat während der Sommervorbereitung mehrere Entwicklungsstufen genommen und sogar die Transferpolitik verändert: Er startete als Platzhalter für WM-Fahrer Miro Muheim, während im Hintergrund die Fahndung nach einem Backup für den Schweizer lief. Mit jeder weiteren starken Woche des Eigengewächses wurden die Bemühungen um einen weiteren Linksverteidiger verhaltener, der gehandelte Jacques Ekomie wechselt von Angers nun zu AFC Wrexham.
Der Grund für die hanseatische Zurückhaltung: Lemke sollte in seiner Entwicklung nicht durch einen weiteren Konkurrenten blockiert werden. Und ist nun sogar, mindestens vorerst, mehr als ein Backup. Muheim trainierte auch zum Wochenstart, wie Jordan Torunarigha (Adduktorenprobleme) nur individuell. Während der Innenverteidiger aber beim BVB startklar sein soll, dürfte auf der linken Bahn Lemke Vorfahrt haben – ist dieses Tempo mit ihm möglicherweise zu schnell?
In Dortmund könnte es zum Bubi-Duell mit dem erst 18-jährigen Konstantinos Karetsas kommen und klar ist: Für den HSV-Aufsteiger dieses Sommers wird es nach dem ersten Pflichtspiel von Anfang an der nächste und noch größere Schritt, mögliche leidvolle Erfahrungen sind eingepreist. Hamburgs Entscheider schätzen neben den fußballerischen und athletischen Qualitäten insbesondere Lemkes Klarheit im Kopf, scheuen deshalb ein gewisses Risiko nicht und fürchten im Falle einer Lehrstunde keinen Crash beim Youngster von der Überholspur. Auch deshalb soll links nur dann nachgelegt werden, wenn kurz vor Transferende Muheim noch kurzfristig abspringen würde.

