Polnischer Pragmatismus für die Werder-Defensive: Oskar Wojcik spricht an seinem Geburtstag über Wünsche, andere Angebote, Sergio Ramos und den Unterschied zwischen körperbetontem Spiel und Härte.
Geburtstag, Glik und Grenzen
Aus dem Bremer Trainingslager in Zell am Ziller berichtet Tim Lüddecke
Sein 23. Geburtstag verlief bis zum frühen Dienstagnachmittag unspektakulär: „Es war ein ganz normaler Tag. Ich bin aufgestanden, hatte Training, Mittagessen, die Mannschaft hat für mich ‚Happy Birthday‘ gesungen, ich habe ein paar Kuchen bekommen – und das war’s bisher“, berichtet Oskar Wojcik. „Später haben wir noch eine zweite Trainingseinheit.“
Nichts Besonderes, keine polnischen Bräuche. Und dann schob der aus Krakau verpflichtete Neuzugang noch so einen pragmatischen Satz hinterher, der in einem Trainingslager ohnehin immer gut ankommt: „Ich bin hier, um zu trainieren – nicht um meinen Geburtstag zu feiern.“
Der Innenverteidiger teilt sich seinen Geburtstag indes mit Cheftrainer Daniel Thioune, der am Dienstag 52 wurde – und bei der Vormittagseinheit ebenfalls mit einem (Fan-)Ständchen empfangen wurde. Ein Geschenk hatte Wojcik jedenfalls nicht für seinen Coach: „Vielleicht war das ein Fehler …“, entgegnet er lächelnd.
Wojciks Wunsch: „Zeigen, was ich kann“
Derlei Aufmerksamkeiten wird es jedoch gar nicht brauchen; Thioune war auch so von den Fähigkeiten des Mannes überzeugt, der Ende Mai sein Debüt für die polnische Nationalmannschaft gab, wo er übrigens auch auf einen gewissen Robert Lewandowski traf. „Er ist natürlich der beste polnische Fußballer der Geschichte und einer der besten Stürmer der Welt.“ Sein eigenes Vorbild sei indes: Sergio Ramos („Ich habe ihm immer sehr gern zugeschaut“).
Drei Millionen Euro investierte Werder in die Dienste Wojciks. Zu seinem Geburtstag hat er eigentlich nur einen bescheidenen Wunsch: Gesund zu bleiben. „Und wenn ich gesund bin, weiß ich, dass ich alles zeigen kann, was ich kann“, so Wojcik: „Das ist für mich das Wichtigste.“
Seine ersten Wörter auf Deutsch führte er sogleich auch schon vor: „Natürlich, genau, danke schön, bitte – moin!“ Entscheidender sein werden jedoch seine Darbietungen auf dem Platz – und da hinterlässt der Verteidiger in den ersten Einheiten seit seiner Ankunft einen buchstäblich starken Eindruck.
Die harte Glik-Schule
Wojcik greift mit seiner Physis, den 1,91 Metern Körperlänge und viel Intensität ins Geschehen ein, geht robust und mit hohem Tempo in die Zweikämpfe und langt dann auch schon mal dazwischen. „Ich bin dieser Typ, der auf dem Platz immer 100 Prozent gibt“, erläutert der Neuzugang: „Ich spiele gern körperbetonten Fußball – so wie viele Verteidiger.“
Besteht da für ihn ein Unterschied zwischen körperbetont und hart? „Ich denke, das ist ähnlich. Ich möchte auch hart verteidigen – außerdem habe ich bei Cracovia mit Kamil Glik zusammengespielt.“ Der mittlerweile 38 Jahre alte, 103-malige Nationalspieler (ehemals Monaco) gilt als sogenannter beinharter Verteidiger. „Er hat mir viel geholfen“, so Wojcik: „Natürlich möchte ich auch so spielen.“
Es sei schon immer so gewesen, erzählt er, „dass ich jede Aktion zu Ende bringe“ – auch mal an der Grenze zur sportlichen Legalität: „Alles ist erlaubt“, sagt Wojcik mit einem Lächeln: „Ich liebe Eins-gegen-eins-Duelle mit Stürmern und versuche, sie die ganze Zeit unter Druck zu setzen.“
Wojcik: „Bereit“ für die Bundesliga
Als einer der Shootingstars der polnischen Liga lagen ihm auch „andere Angebote“ vor, berichtet Wojcik: „Aber als die Verantwortlichen extra nach Polen gekommen sind, um mit mir zu sprechen, wusste ich: Ich will nur zu Werder.“ Nun also der Sprung in die Bundesliga. Und Wojcik betont: „Ich denke, ich bin bereit dafür.“

