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Das Ende der Achterbahnfahrt? Tellas Fluch und Segen

Nach einer bitteren Saison nimmt Nathan Tella einen neuen Anlauf. Dabei setzt der Stürmer auch auf den neuen Trainer Carles Martinez, von dem er regelrecht schwärmt. Ob dem Stürmer die eigene Vielseitigkeit hilft, sein Ziel zu erreichen, stellt er aber infrage.

Stürmer selbstkritisch und mit Tatendrang

Wenn man sich mit Nathan Tella unterhält, bekommt man eines ganz sicher: ein breites Lächeln. Ist der Nigerianer doch ein absolut lebensbejahender Mensch. Von Grund auf positiv. Freundlich. Empathisch. Doch das heißt nicht, dass der 27-Jährige nicht auch ernste Gedanken fassen kann. Und dazu hatte er in der vergangenen Saison Anlass genug. Bescherte ihm diese doch mehr Tiefschläge als Highlights.

„Ich möchte diese Frustration und diese Wut in etwas Positives umwandeln.“ (Nathan Tella)

„Es war keine schöne Achterbahnfahrt“, blickt der Angreifer auf eine Spielzeit mit langwierigen Verletzungen zurück, „natürlich gibt es manchmal solche Phasen, in denen man sich fit fühlt und dann passiert etwas, und man versucht, den Schwung wiederzufinden, der immer wieder ins Stocken gerät, aber jetzt fühle ich mich gut.“

Tella möchte das alte Tief für ein neues Hoch nutzen. „Für mich geht es darum, daraus neue Kraft zu schöpfen“, sagt er, „ich möchte diese Frustration und diese Wut, die ich letztes Jahr hatte, in etwas Positives umwandeln.“ Die Tiefschläge hatten es allerdings in sich. So hatte sich Tella in der Hinrunde erst eine hartnäckige Knieprellung zugezogen und erlitt dann im Januar eine Fußverletzung, wegen der er erneut mehr als zwei Monate ausfiel, um Anfang Mai mit muskulären Problemen passen zu müssen.

„Ich muss mir anschauen, was für mich abseits des Spielfelds schiefgelaufen ist.“ (Nathan Tella)

Die Sommerpause hat dem schnellen Flügelstürmer deshalb gutgetan. „Ich konnte neue Energie tanken. Ich konnte mich auch konzentrieren und fit werden – so fit, wie ich nur sein kann“, sagt er und sieht dabei nicht allein seinen Körper als Faktor. „Natürlich geht es jetzt darum, in dieser Saison einen neuen Ansatz zu verfolgen: Ich muss mir anschauen, was für mich abseits des Spielfelds schiefgelaufen ist – wo ich mir vielleicht meine Verletzungen zugezogen habe – aber ich muss mich auch einfach nur konzentrieren.“

Tella, der durchaus das Image hat, ein fleißiger Profi zu sein, zeigt sich selbstkritisch und ist dies auch beim Blick auf die für Bayer 04 enttäuschende Vorsaison. „Es gab in der letzten Saison natürlich Momente, in denen wir gut gespielt haben und wir dann die Konzentration verloren haben“, merkt der Rechtsfüßer kritisch an, „aber es geht darum, konzentriert zu bleiben, auf die kleinen Details zu achten, und individuell und auch gemeinsam als Mannschaft das zu tun, wozu wir fähig sind.“ Dinge, die offenbar in ihrer letzten Konsequenz fehlten.

„Wir haben einen großartigen Trainer – das hat sich schon in der ersten Trainingseinheit gezeigt.“ (Nathan Tella)

Doch Tella zeigt sich – natürlich, möchte man sagen – optimistisch, dass sich dies ändert. Dies verknüpft er auch mit dem neuen Trainer Carles Martinez. „Wir haben einen großen Kader, wir haben viele talentierte Spieler und einen großartigen Trainer – das hat sich schon in der ersten Trainingseinheit gezeigt“, sagt er, „ich freue mich darauf, loszulegen.“

Den Trainerwechsel bewertet er positiv. „Natürlich finde ich es auch gut, einen neuen Trainer zu haben, einen spannenden Trainer“, sagt Tella, der bei Martinez den richtigen Ansatz sieht, wie dieser das Team anpackt: „Er äußert sich sehr deutlich, und das sorgt für viel Austausch – und genau das brauchen wir als Mannschaft. Wir haben neue Spieler, darunter auch einige jüngere, und es ist wichtig, dass wir alle eine klare Vorstellung davon bekommen, was er von uns als Mannschaft erwartet und was er auch auf dem Platz von uns erwartet.“

Martinez packte Tella schon beim ersten Telefonat

Tella persönlich hat Martinez schon beim ersten Gespräch während des Urlaubs gekriegt. Der Anruf des Trainers kam, als der Angreifer auf Ibiza war. „Es war ein sehr gutes, wirklich sehr gutes Telefonat“, schwärmt der Rechtsfüßer geradezu. „Er hat gesagt, dass er sich darauf freut, zu versuchen, das Beste aus mir herauszuholen. Und als Spieler ist das eines der wichtigsten Dinge, die man hören möchte.“

Dass es für ihn zahlreiche Konkurrenz gibt, stört Tella nicht. „Ja, es gibt viele Flügelspieler im Kader, aber wenn man keine Konkurrenz hat, strengt man sich nicht so sehr an, weil man das Gefühl hat, dass einem der Einsatz sicher ist“, erklärt Tella seine Sichtweise. Denn er weiß im Kampf um die Plätze ein Argument auf seiner Seite: seine Vielseitigkeit.

Vielseitigkeit als Vor- oder Nachteil?

So kann er rechts wie links stürmen, aber auch als zweite Spitze oder, wenn Bayer auf Konter spielt, sogar als Neuner. Oder ist dies gar kein Vorteil, sondern gar ein Nachteil? „Ehrlich gesagt, versuche ich immer noch, das selbst zu klären“, antwortet Tella, der Fluch und Segen der eigenen Flexibilität kennt.

„Es gibt Momente, in denen ich mir eine bestimmte Position wünsche, aber andererseits bedeutet das auch, dass ich mehr Spiele bestreiten kann“, beschreibt er den Zwiespalt. Wenn Tella fit war, hat er bislang seine Einsatzzeiten bei Bayer 04 bekommen. Richtig festgespielt hat er sich in Leverkusen aber auf keiner Position.

Gelingt ihm dieser Schritt, eröffnet er dem Nigerianer auch die Perspektive auf eine Rückkehr in seine Heimat-Auswahl. „Wieder in die Nationalmannschaft zu kommen, ist ein Traum von mir, ein Ziel, das ich erreichen möchte.“ Sagt er und geht mit einem breiten Lächeln – das er in der kommenden Saison auch aus sportlichen Gründen dauerhaft aufsetzen möchte.

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