Niko Kovac könnte am Freitagabend etwas gelingen, das zuletzt Lucien Favre 2019 schaffte. Seither verteidigte Borussia Dortmund nie eine Tabellenführung. Das Testspiel-Debakel von Werder Bremen spielt im Kopf des Trainers allerdings keine Rolle.
Verteidigt Dortmund erstmals seit sieben Jahren die Spitze?
Es ist schon eine ganze Weile her, dass Borussia Dortmund als Tabellenführer in einen Bundesliga-Spieltag ging. Vor dem 34. Spieltag 2022/23 war das zuletzt der Fall. Damals gab der BVB auf dramatische Weise die Meisterschaft aus der Hand, weil er selbst nicht über ein 2:2 gegen Mainz hinauskam und Jamal Musiala die Bayern kurz vor Schluss zum 2:1-Sieg in Köln schoss.
Diese Art von Dramatik ist am Freitagabend sicherlich nicht zu erwarten, wenn Dortmund und Werder Bremen den 5. Spieltag eröffnen. Doch für Schwarz-Gelb geht es darum, erstmals seit dem 2. Spieltag 2019/20 eine Tabellenführung zu verteidigen. Seither stand der BVB viermal ganz oben, verlor zweimal, spielte zweimal Remis und musste Platz 1 dabei stets abgeben. Der fünfte Sieg im fünften Spiel würde diese Serie sicher beenden.
Der Platz an der Sonne: Genuss und Verantwortung
„Die Jungs haben es sich hart erarbeitet, dass wir dort stehen“, betonte Niko Kovac am Mittwoch, sprach allerdings auch davon, dass es nach vier Partien natürlich nur eine Momentaufnahme sei. „Es ist noch viel zu gehen, um vielleicht das Ziel zu erreichen, das der eine oder andere im Kopf hat.“
Der große Traum, erstmals seit 2012 wieder die Hände an die Schale zu bekommen, lebt rund um den BVB natürlich unweigerlich. „Wir genießen im Moment die Position, wissen aber auch, dass wir eine Verantwortung haben, weiterhin hart zu arbeiten, um diese zu bestätigen und so lange wie möglich zu halten“, nahm Kovac seine Spieler in die Pflicht. „Klar, jetzt sind wir die Gejagten, aber wir werden mit Sicherheit nicht denken, dass alles von allein geht.“ Das Motto gab der Trainer gleich mit vor: „Arbeiten, dran glauben und weiterhin positiv bleiben.“
Tests in der Länderspielpause? „Es hat nichts gebracht“
Und vor allem den Gegner nicht unterschätzen – auch wenn dieser in der Länderspielpause ein Debakel erlebte. Bei Twente Enschede ließen sich die Bremer herspielen, lagen schon zur Halbzeit mit 0:6 hinten und verloren letztlich mit 0:7. Doch dass das nichts zu sagen hat, weiß Kovac aus eigener Erfahrung. „Ich kenne solche Momente ja. Wir haben damals in Frankfurt auch die Länderspielpausen genutzt, um Freundschaftsspiele zu spielen.“
Ganz so schlimm endete es für Kovac zwar nie, doch im Frühjahr 2017 unterlag er beispielsweise in einer Länderspielpause mit der SGE den Würzburger Kickers (0:1), die am Saisonende in die 3. Liga abstiegen – übrigens nur zweieinhalb Wochen nachdem man zwischen zwei Ligaspielen mit einer stark durchmischten Elf beim damaligen Hessenligisten Hessen Dreieich verloren hatte (1:2). „Es hat nichts gebracht“, erinnerte sich Kovac an damalige Tests in der spielfreien Zeit. „Es ist nichts los, einige sind enttäuscht, weil sie nicht bei der Nationalmannschaft sind, keiner will sich verletzen.“ Gerade deshalb seien diese Spiele nicht zu bewerten.
Stattdessen richtete sich Kovacs Blick auf das letzte Aufeinandertreffen. „Da haben wir auswärts zwar 2:0 gewonnen und das Spiel dominiert, aber es war trotzdem kein einfaches Spiel“, erinnerte er sich an den 34. Spieltag der vergangenen Saison, an dem Serhou Guirassy nach 59 Minuten traf und Yan Couto tief in der Nachspielzeit für den Endstand sorgte. Der Coach erwartet eine „richtig gute“ Bremer Mannschaft, die dem BVB „Paroli bieten“ wird. Und die auch mit Blick auf das erneute Wiedersehen im Pokal in zweieinhalb Wochen sicherlich ein Ausrufezeichen setzen möchte.

