Heute vor genau 25 Jahren wurde die Arena auf Schalke eröffnet, die damalige Feier hatte einige Kuriositäten zu bieten. Ein kurzer Rückblick auf die 50-Grad-Sauna, gellende Pfiffe – und einen Plastikball, der Geschichte schrieb.
Herrlich will Rosmarin-Aufguss, Pfeifkonzert für „MV“
Nach nur zweieinhalb Jahren Bauzeit stand sie – die neue „Arena AufSchalke“, wie sie bei der Eröffnung am 13. August 2001 noch hieß. Pläne für eine neue Heimstätte hatten schon seit der Ära Eichberg in der Schublade gelegen und sollten unter anderem mithilfe von Günter Netzer in die Tat umgesetzt werden. Doch erst nachdem Nachfolger Rudi Assauer Ordnung in das Chaos gebracht hatte, wurde am 21. November 1998 die symbolische Pfahlgründung südlich des Parkstadions gelegt.
Dass das 191 Millionen Euro teure Schmuckstück als eine Multifunktions-Arena dienen kann, wollten die Schalker bei der zweitägigen Eröffnungsparty gleich mal unter Beweis stellen. Als Beigabe zum Blitzturnier mit Borussia Dortmund und dem 1. FC Nürnberg präsentierten sich namhafte Künstler aus der Musikbranche am ersten Tag in Gelsenkirchen. Erst „Right Said Fred“, dann „Pur“ – und als Haupt-Act Lionel Richie.
Doch ehe der US-Amerikaner die Bühne betrat, wurde erst einmal Fußball gespielt. Die erste Partie stieg standesgemäß zwischen Schalke und Borussia Dortmund. „Ich habe mich daran erinnert, dass uns der BVB zur Einweihung des Westfalenstadions eingeladen hat. Diese Geste wiederholen wir jetzt“, begründete Assauer die Einladung.
Vor vollem Haus duellierten sich so unter anderem die Euro-Fighter Olaf Thon, Mike Büskens und Youri Mulder sowie der Ex-Dortmunder Andreas Möller mit den BVB-Größen Heiko Herrlich, Micky Stevic und Fredi Bobic. Tore wollten in der auf 45 Minuten angesetzten Begegnung allerdings nicht fallen.
Auch, weil es bei geschlossenem Dach in der Arena einfach zu heiß war? Herrlich bezeichnete sie jedenfalls nach dem Spiel als die „modernste Großraum-Sauna Europas. Die Verantwortlichen vom Verein sollten sich überlegen, ob sie morgen einen Rosmarin-Aufguss machen. Es war wirklich brutal für die Spieler, hier hat es sicherlich 50 Grad auf dem Platz.“
Mayer-Vorfelder versteht sein eigenes Wort nicht mehr – Ritchie trifft
Für Furore sorgte auch der Auftritt des damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der unter anderem mit Franz Beckenbauer und dem damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter zugegen war. Schalke wurde wenige Monate zuvor bei der Meisterschaft der Herzen die Schale im letzten Moment entrissen, die über 60.000 Fans ließen ihre ganze Wut nun an Mayer-Vorfelder aus. Was er genau beim Interview mit Sat.1-Moderator Jörg Wontorra von sich gab, war vor lauter Pfiffen nicht einmal sauber im Fernsehen zu hören. „Ich wollte eigentlich etwas Positives sagen, aber wenn ich vor lauter Pfeifen nicht zu Wort komme, ist es schwierig“, war von Mayer-Vorfelder gerade noch so zu verstehen.
Und dann fiel auch endlich das erste Tor auf Schalke – allerdings auf etwas unerwartete Weise. Lionel Richie betrat nach dem Auftritt von „Pur“ die Bühne. Nachdem ihm ein Fan einen Plastikball zugeworfen hatte, schoss er ihn kurzerhand ins Netz und erzielte damit symbolisch das erste Tor in der Arena.
Das erste „richtige Tor“ fiel übrigens erst einen Tag später beim zweiten Turnierspiel zwischen Dortmund und dem 1. FC Nürnberg (1:1), BVB-Stürmer Bobic war die Ehre vorbehalten. Erster Schalke-Torschütze wurde Victor Agali beim anschließenden 1:2 gegen den FCN, womit die Franken den ersten Sieg in der Arena feierten.
Assauer war trotz des mauen sportlichen Abschneidens, das sogar einige Pfiffe zur Folge hatte, mit der Feier zufrieden: „Wir haben die Feuertaufe bestanden. Das Baby ist geboren, jetzt muss es wachsen.“ Die ersten 25 Jahre sind schon mal geschafft.

