Dass RB Leipzig sich von Ole Werner getrennt hat, kam für viele in Fußball-Deutschland überraschend. Nun hat sich Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer sehr selbstkritisch zum Umgang mit dem geschassten Coach geäußert.
Umgang mit entlassenem Coach „einfach schlecht“
Platz 3 in der Bundesliga, die Rückkehr in die Champions League souverän geglückt, dazu den zuvor unbekannten Yan Diomande zu einem möglichen 100-Millionen-Euro-Mann entwickelt: Die Premierensaison von Ole Werner bei RB Leipzig konnte sich sportlich durchaus sehen lassen. Trotzdem musste der Trainer einige Wochen nach Saisonende seinen Hut nehmen und Platz für Martin Demichelis machen.
Eine Trennung, die nicht ohne Nebengeräusche stattfand – wegen der Überraschung, die die Personalie mit sich brachte, aber auch aufgrund des Zeitpunkts und der Außendarstellung. „Die letzten Wochen – und so selbstkritisch muss man sein – waren alles andere als optimal, einfach schlecht. Punkt“, sagte Leipzigs Geschäftsführer Sport nun in einem Bild-Interview selbstkritisch.
Bereits vor der Südafrika-Reise der Mannschaft kurz nach Saisonende habe er ein „längeres, vertrauliches Gespräch“ mit Werner geführt. Dieses sollte zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. In der Zwischenzeit aber war bereits an die Öffentlichkeit gedrungen, dass Leipzig Werner ablösen und durch Demichelis ersetzen wolle. Was sich „aus verschiedensten Gründen in der Öffentlichkeit abgespielt hat, war sowohl dem Menschen als auch dem Trainer Ole Werner gegenüber absolut unwürdig“, stellte Schäfer nun klar und sprach eine Entschuldigung gegenüber Werner aus: „Mir tut das wirklich sehr leid. Gar keine Frage.“
Demichelis bringt „Begeisterung, Feuer, Leidenschaft“ – anders als Werner?
Offiziell hatte Schäfer bei der Trennung von Werner erklärt, „dass eine inhaltliche Weiterentwicklung und eine veränderte Herangehensweise für die vor uns liegenden Aufgaben erforderlich sind“. Entscheidungen wie diese, führte der Ex-Profi nun aus, seien manchmal „knallhart“. Dennoch nahm sich Schäfer in die Pflicht: Es gehe bei solchen Vorgängen „immer um eine respektvolle Art und Weise. Das haben wir alles dieses Mal nicht geschafft.“
Werner selbst hatte sich nach seinem Aus in einem offenen Brief bei Schäfer bedankt, die Red-Bull-Doppelspitze Oliver Mintzlaff und Jürgen Klopp, die in die Entscheidungsfindung involviert waren, aber nicht erwähnt. Auch Werner hatte dabei Kritik am Zeitpunkt der Entscheidung durchklingen lassen.
Eine weitere Begründung für Werners Aus lieferte Schäfer im Interview ebenfalls noch zwischen den Zeilen. Zu Werners Nachfolger Demichelis sagte er, der Argentinier vereine „diese Begeisterung, dieses Feuer, diese Leidenschaft“ – allesamt Attribute, die Werner trotz seines sportlichen Erfolges in der Öffentlichkeit nicht zugeschrieben wurden. Er glaube, so Schäfer, „dass uns Martin mit seinen Erfahrungen und mit seinen Charakterzügen einfach guttun wird“.

