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Der Bayern-Vorstand, den die Nazis hinrichteten: Gedenktafel für Willi Buisson

Schon 2015 erinnerten die Fans des FC Bayern mit einer Choreografie an Willi Buisson, der einst weit mehr als nur ein Vorstandsmitglied des Klubs war. Am Freitag wurde zu seinen Ehren eine Gedenktafel in München eingeweiht.

Auch FCB-Präsident Hainer spricht

Das Gros der Bayern-Anhänger dürfte bislang noch nicht mit dem Namen Willi Buisson in Verbindung gekommen sein. Auf Fans, die den Rekordmeister hin und wieder auch in fremden Stadien unterstützen, trifft dies indes nur bedingt zu. Der Apotheker, der am 17. April 1892 im badischen Emmendingen geboren wurde, hat einen wichtigen Grundstein für die heutige Fankultur des FC Bayern gelegt – seine bedeutendsten Verdienste aber leistete er abseits des Fußballs.

Initiator des ersten bekannten Autokorsos zu einem Auswärtsspiel

Nachdem sich Buisson im Jahr 1926 dem Fußballklub angeschlossen hatte, verantwortete er als „Vergnügungswart“ etwa Mitgliederversammlungen oder sonstige Zusammentreffen der Fans. Einen bis heute prägenden Aufruf veröffentlichte er dabei im März 1929.

„An alle Auto-fahrenden Bayern“, begann Buisson sein Schreiben, in dem er sich also an einen bestimmten Teil der Münchner Anhängerschaft richtete. „Jetzt, wo die lachende Frühlingssonne den grimmigen Winter k.-o. geschlagen hat, wo die Straßenverhältnisse wieder gut sind, wollen wir den frisch gewaschenen Bauch unserer Benzinrösser ordentlich mit ‚Schneps‘ füllen, den rot-weißen Wimpel aufpflanzen und gemeinsam nach Nürnberg eilen“, appellierte Buisson.

Der erste bekannte Autokorso zu einem Auswärtsspiel war damit ins Leben gerufen und zog schließlich gemeinsam von der Germaniastraße in Schwabing zum Auswärtsspiel nach Nürnberg. „Gitarre, Maurerklavier (umgangssprachlich für Ziehharmonika, Anm. d. Red.) oder Fotzhobel (umgangssprachlich für Mundharmonika, d. Red.) nicht vergessen! Schon die erste gemeinsame Bayernausfahrt soll lustig und fidel werden, ein guter Auftakt für weitere Fahrten“, prophezeite der Gründungsvater.

Einsatz für die erste deutsche Demokratie

Doch Buisson war keineswegs nur für das Vergnügen zuständig. Angesichts des aufkeimenden rechtsextremen Terrors engagierte sich der überzeugte Demokrat schon früh in der Politik.

Nach mehreren Attentatsversuchen auf Erhard Auer – SPD-Politiker und zugleich erster bayerischer Innenminister – stellte Buisson für diesen 1921 eine Sicherheitsabteilung zusammen, die auf den Namen „Auer-Garde“ hörte. Deren Mitglieder wiederum schlossen sich drei Jahre später der überparteilichen Organisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ an, die sich den Schutz der Weimarer Republik zum Auftrag gemacht hatte. Buisson fungierte hierbei in verschiedenen Rollen und übernahm 1930 die Leitung der Schutzformation (Schufo) in München, einer Eliteeinheit zur Verteidigung der Verfassung und zum Schutz von demokratischen Parteiversammlungen.

Widerstand aus dem Exil und Todesurteil

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entzog sich Buisson dem Zugriff der Gestapo durch die Flucht ins Ausland. Aus der Tschechoslowakei steuerte er für die SPD den Schmuggel verbotener Schriften nach Deutschland und organisierte den Informationsaustausch über die Grenze. Zudem arbeitete er zeitweise für den tschechoslowakischen Nachrichtendienst und soll sogar an Attentatsplänen auf Adolf Hitler beteiligt gewesen sein.

Im März 1938 spürte ihn die Gestapo schließlich bei einer Mission im österreichischen Linz auf und nahm ihn fest. Wegen „Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat“ verhängte der Münchner „Volksgerichtshof“ am 26. April 1940 das Todesurteil. Am 6. September 1940 wurde der 48-Jährige in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet.

FCB-Boss Hainer: „Ein Vorbild für Zivilcourage“

86 Jahre später erinnert die Stadt München fortan mit einer Gedenktafel an Buisson, die am Freitagnachmittag in der Gümbelstraße 5 im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg enthüllt wurde. „Nie wieder ist jetzt. Wenn man Buissons ganze Lebensgeschichte kurz auf einen Nenner bringen möchte“, sagte Historiker Dr. Rüdiger Zimmermann, der eine Biografie über Buisson verfasst hat.

Klubpräsident Herbert Hainer würdigte Buisson als „fußballbegeisterten Demokraten“ und als „Vorbild für Zivilcourage“. Buisson habe Werte wie Weltoffenheit, Toleranz und Respekt vertreten, betonte Hainer: „Nur wenige sind dem Nationalsozialismus so entschieden entgegen getreten wie er.“ Damit sende seine Geschichte eine Botschaft ins Heute: „Wir müssen den Mut haben, jederzeit für Menschenwürde und Demokratie einzutreten.“ Buissons Werte, versprach Hainer, werden „den FC Bayern immer antreiben“.

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