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Böller und Raketen im Rheinderby: „Es ist nicht völlig aus dem Ruder gelaufen“

Das Spiel zwischen Köln und Gladbach wurde am Sonntag von Ausschreitungen überschattet. Beide Klubs verurteilten die Vorkommnisse scharf und kündigten eine Aufarbeitung an. FC-Geschäftsführer Philipp Türoff verteidigt derweil das neue Sicherheitskonzept.

FC-Boss Türoff mit mildem Fazit

Nachdem vor Beginn der Partie massiv Pyrotechnik gezündet worden war und sich der Anpfiff deshalb ein wenig nach hinten verschoben hatte, kam es in der 76. Spielminute sogar zu einer Spielunterbrechung durch Schiedsrichter Florian Badstübner. Aus dem Gladbacher Fanblock wurden Böller in Richtung gegnerischer Fans geworfen, es flogen Leuchtraketen, auch eine Plexiglasscheibe, die zur Trennung dient, brach. Erst als die Polizei anrückte, beruhigte sich die Lage.

Gladbachs Sportchef Rouven Schröder wurde deutlich. „Wir brauchen nicht drum herumzureden. Das gehört nicht ins Stadion. Das hat uns alle erschrocken. Nicht umsonst wird ein Spiel dann auch unterbrochen“, verurteilte er die Geschehnisse. „Das will niemand sehen. Gewalt grundsätzlich nicht. Böller haben da nichts zu suchen. Ich habe auch eine Familie und möchte im Stadion sicher sein.“ Der 50-Jährige kündigte eine Aufarbeitung an, die auch im Interesse der Gladbacher Fans ist, denn „wir möchten, dass unsere Anhänger woanders auch sicher sind“.

Kölns Geschäftsführer Philipp Türoff bezog anschließend ebenfalls Stellung und ging auch auf das erstmals zum Einsatz gekommene Sicherheitskonzept in Nordrhein-Westfalen ein, welches im Juli zwischen NRW-Innenminister Herbert Reul und den Profivereinen, den sogenannten „Stadionallianzen NRW“ vereinbart wurde. Kurz gefasst ist die Idee dahinter, dass sich die Polizei aus Stadion und direktem Umfeld weitgehend zurückzieht und die Vereine sowie deren Sicherheitsdienste mehr Präsenz zeigen. Da stellt sich dann die Frage nach den Erkenntnissen aus dem Rheinderby, das als erster echter Härtetest für das neue Konzept diente.

Rheinderby als Härtetest

Die Antwort darauf fällt ambivalent aus. Für Türoff ist klar, dass das das Sicherheitskonzept nicht versagt hat. Es habe auch nicht außergewöhnlich lange gedauert, ehe die Polizeikräfte kamen – und es sei auch völlig berechtigt gewesen, dass sie kamen. „Das ist ein Vorfall, wo Sicherheitsglas durchbrochen wird. Dafür ist Werkzeug erforderlich, dann greifen die Routinen sofort. Hier musste die Polizei reagieren, weil das auch eine gewaltbereite Szene ist. Sie haben reagiert und sind so zügig gekommen, wie es eben ging. Das wäre in anderen Szenarien nicht anders gewesen, weil wir bei einem Hochsicherheitsspiel wie gegen Gladbach in Alarmbereitschaft sind.“

Türoff sprach von Individualtätern und betonte, dass es „eine Illusion“ wäre, zu glauben, jeden kontrollieren zu können. Klar sei aber, dass „jeder einzelne Böller und jede einzelne Rakete“ zu viel sei. Er bat aber auch darum, das Gesamtbild zu betrachten. Und da kam er zu dem Schluss, dass „wir heute nichts gesehen haben, was uns die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt, auch wenn es einzelne Szenen gab, die wir im Stadion nicht wollen und wo wir schauen müssen, wie wir im Nachgang damit umgehen.“

Explizit darauf angesprochen, dass auch Raketen in den gegnerischen Fanblock geschossen wurden, stellte Türoff klar: „Selbstverständlich verurteilen wir aufs Äußerste die gewalttätigen Aktionen, von denen wir heute auf der Nordtribüne leider Zeuge werden mussten. Diese Bilder haben im Fußball nichts verloren und geben dem Derbysieg heute einen unschönen Beigeschmack.“ Insgesamt betrachtet aber stellte er klar: „Es muss es auch erlaubt sein, die Dinge einzuordnen. Völlig aus dem Ruder gelaufen ist es nicht.“

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