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Anführer in Ansätzen: Skhiri soll das Vakuum im Zentrum schließen

Als Ellyes Skhiri zum 1. FC Köln zurückkehrte, war der Auftrag klar: Der 31-Jährige soll einer der Anführer auf dem Platz werden. Und so jemand wird auch dringend benötigt.

Kölns Sechser zeigt seinen Wert

Ellyes Skhiri gilt als topfitter Musterathlet, trotzdem könnte es sein, dass er am Sonntagmorgen Muskelkater hatte. Nicht etwa aber wegen der 13 abgespulten Kilometer beim 1:1 gegen Werder Bremen in den Beinen, sondern in den Armen. Denn das Pensum, mit dem Skhiri auf dem Platz Anweisungen gab, dürfte ordentlich in die Arme gegangen sein: Fast durchgehend zeigte der Tunesier seinen Kollegen offene Räume und zu deckende Gegenspieler an. Eine Qualität, die Köln zuletzt durchaus vermisste.

„Wenn Spiele mal eine Welle bekommen, eine Delle bekommen, dann wird nicht immer alles gleich sein“, beschrieb Trainer René Wagner das Auf und Ab eines Spiels, dass die Kölner auch gegen Werder erlebten. „Der Gegner stellt sich ein, der Gegner hat andere Ideen“, sagte der Coach und fuhr fort: „Genau dann brauchen wir Spieler auf dem Feld wie Ellyes, der die Mannschaft führt.“ Ein Auftrag, der ankam.

Passquote, Laufleistung, Vorlagen: Skhiri liefert Bestwerte

Dass Routinier Skhiri bei seinem ersten Startelfeinsatz nach der Rückkehr aus Frankfurt gleich in die Chefrolle schlüpfte, war nicht zu übersehen. Die Rolle des Denkers und Lenkers oblag sofort dem 31-Jährigen, als Steuerer im defensiven Mittelfeld orchestrierte er quasi sämtliche Mitspieler. Dass Köln den SV Werder in der ersten halben Stunde komplett im Griff hatte, lag auch an Skhiri: 95 Prozent Passquote sind herausragend, die 13 Kilometer Laufleistung Bestwert am Samstagabend. Dazu kommen drei Torschussvorlagen, ebenfalls der Spitzenwert. Zudem brachte Skhiri mit eröffnenden Diagonalbällen aus der letzten Reihe ein neues Element ins Spiel, das dem FC zuletzt fehlte.

„Flaco ist für uns ein wichtiger Spieler“, hob Wagner hervor und formulierte, was ihm Hoffnung macht: „Für uns ist es wichtig, dass wir Struktur bekommen und dass wir in Phasen, in denen das Spiel vielleicht mal nicht für uns läuft, genau diese Spieler auf dem Feld haben.“ Gemeint sind Leitwölfe wie eben Skhiri, der spät zum FC stieß und trotzdem schnell Autorität gewann. Trotzdem ist klar, dass auch der 31-Jährige noch Zeit benötigt.

Krauß soll von Skhiri lernen

Denn in der Schwächephase vor dem Bremer Ausgleich konnte auch Skhiri das Übergewicht im Bremer Mittelfeld nicht verhindern. Als Werder das Zentrum schloss, klaffte plötzlich ein Hohlraum zwischen Aufbauspielern und Stürmern. Köln war abgemeldet – oder hatte sich selbst abgemeldet. Und Torschütze Linton Maina monierte später die Ratlosigkeit auf dem Platz.

„Ich versuche, mit Flaco die Lösung zu finden, aber das haben wir in dem Moment nicht geschafft“, monierte Skhiris Nebenmann auf der Doppelsechs, Tom Krauß. Der 25-Jährige ist schon ein Jahr länger da, stieg aber erst im Laufe der vergangenen Rückrunde vom Ergänzungs- zum Stammspieler auf und entwickelt sich gerade dahin, nun auch weiterführend Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen. Ein angehender Führungsspieler, der vom designierten Anführer Skhiri lernen kann und soll.

Dass derweil noch nicht alles perfekt läuft, ist da eingepreist. Doch die Ansätze waren zu sehen. „Wir sind noch früh in der Saison, das war jetzt ein erster Beginn“, stellte Wagner klar und umriss, was er nicht nur von Skhiri erwartet: „Es ist wichtig, dass wir den Kern der Mannschaft stärken. Die Jungs, die auf dem Platz stehen, sollen das Selbstvertrauen haben, dass sie führen können, führen dürfen und auch führen sollen. Da gehört Ellyes dazu, und das wird er auch tun in der Zukunft.“

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