Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen

Warnschuss an der Stamford Bridge: Ten Hags bittere Rückkehr

Bei der 0:2-Niederlage beim FC Chelsea zeigt Bayer 04 deutliche Schwächen. Doch Trainer Erik ten Hag betont die positiven Aspekte – obwohl es von diesen kaum welche gab.

Bayers enttäuschende Generalprobe

Als Erik ten Hag nach der 0:2-Niederlage beim FC Chelsea auf seine Rückkehr auf die Insel angesprochen wurde, gab sich Leverkusens Trainer positiv. „Ich bin sehr glücklich, zurück in England zu sein“, sagte der Niederländer, der von 2022 und 2024 bei Manchester United als Teammanager tätig war, es ist immer ein gutes Ambiente, so dass ich es genieße, hier zu sein.“

Der Vizemeister enttäuscht defensiv wie offensiv

In den 90 Minuten zuvor dürfte sich der Genuss allerdings in Grenzen gehalten haben. Wurde das Team des Niederländers vom Gewinner der Klub-WM doch über weite Strecken mächtig durcheinander gewirbelt und lieferte sowohl defensiv wie offensiv eine enttäuschende Leistung ab.

Ohne einen gut aufgelegten Mark Flekken im Tor, hätte sich die Werkself eine böse Klatsche abholen können. So groß war besonders vor dem Seitenwechsel der Leistungsunterscheid zwischen beiden Teams, als Bayer phasenweise nur als Spielball der Engländer diente. Die 90 Minuten an der Stamford Bridge sind – auch wenn es nur ein Vorbereitungsspiel war – als unüberhörbarer Warnschuss einzuordnen.

„Die erste Hälfte war hart für uns, aber wir haben zusammengehalten.“ (Erik ten Hag)

Ten Hag betonte danach bei seiner Analyse aber vorwiegend die positiven Aspekte, die allerdings auch für den 55-Jährigen selbst sehr schwer zu finden waren. „Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft gespielt, den Gewinner der Klub-WM“, begann der Trainer, um dann zuzugestehen: „Die erste Hälfte war hart für uns,  aber wir haben zusammengehalten. Es war das dritte Spiel innerhalb einer Woche“, bat er quasi um mildernde Umstände für seine starke ersatzgeschwächte Mannschaft.

Wobei anzumerken ist, dass der FC Chelsea erst in dieser Woche wieder das Training aufgenommen hat und bei weitem nicht seine Bestbesetzung aufs Spielfeld geschickt hatte. Und dennoch waren die Blues der Werkself spielerisch wie taktisch haushoch überlegen.

Gegen hoch attackierende Engländer verlor ten Hags Mannschaft viel zu schnell den Ball und konnte ihrerseits das eigene Pressing, wenn es denn überhaupt versucht wurde, nur ganz selten erfolgreich gestalten. Chelsea löste sich meist mit spielerischer Leichtigkeit aus dem Druck und fand selbst sowohl in den Halbräumen zwischen den Linien sowie auf den Flügeln immer wieder genug Platz, um das eigene Spiel nach Belieben aufzuziehen.

Die Konsequenz: Eine Chancenflut für die Gastgeber besonders vor der Halbzeit und keine klar herausgespielte für die Werkself im gesamten Spiel, die nur durch einen Freistoß von Alejandro Grimaldo und nach einem individuellen Aussetzer von Josh Acheampong, der über den Ball stolperte, durch Patrik Schicks geblockten Abschluss wirklich gefährlich wurde.

Die Werkself war nie wirklich auf Augenhöhe mit Chelsea

All diese Dinge können ten Hag nicht ansatzweise gefallen haben, der dennoch sagte: „Wir haben es gut gemacht“, um allerdings einzuräumen: „Es gab Situationen, die wir besser lösen können, natürlich.  Chelsea war besser – das war offensichtlich.“ In der Tat.

Doch dann betonte er den Teamgeist seiner Profis, die sich nie wirklich auf Augenhöhe mit dem Tabellenvierten aus der Vorsaison der Premier League bewegten: „Ich war glücklich zu sehen, dass meine Mannschaft zusammengehalten hat. Es war ein sehr gute Test kurz vor dem Saisonstart.“

Bayer fehlt noch entscheidende Qualität in der Offensive

Zumindest in der Hinsicht, dass die Mängel ganz klar sichtbar wurden bei der Generalprobe vor dem Pflichtspielstart. Dass Bayer in der Offensivabteilung hinter dem wie schon beim 2:1-Sieg in Sittard blassen Schick entscheidende individuelle Qualität fehlt, um den Torjäger regelmäßig in aussichtsreiche Positionen zu bringen, ist unverkennbar.

Den Verlust von Ausnahmekönner Florian Wirtz hat Bayer noch nicht ansatzweise aufgefangen. Und das wird auch durch die zum Liga-Start erhoffte Rückkehr von Mittelfeldspieler Malik Tillman (Faszienverletzung in der Wade) nicht annähernd gelingen. Dies ist unübersehbar.

„Florian Wirtz zu ersetzen, ist fast unmöglich.“ (Erik ten Hag)

Ten Hags Worte zum Fehlen der besonderen Fähigkeiten des deutschen Nationalspielers, der inzwischen für den FC Liverpool zaubert, waren vielsagend: „Florian Wirtz ist so jung, aber er hatte trotzdem einen so großen Impact auf das Spiel von Leverkusen. Wir müssen zusammenarbeiten, um ihn zu ersetzen. Aber das ist fast unmöglich. Doch wir versuchen es.“

Doch es muss auch gelingen. Dass viel Arbeit vor ihm liegt, ist dem Trainer bewusst. „Bayer war in den vergangenen Jahren unter Xabi Alonso ziemlich erfolgreich. Sie haben ein großartiges Team geformt mit einigen unglaublich guten Spielern. Einige von diesen haben den Klub verlassen. Jetzt müssen wir das lösen“, analysierte ten Hag, „wir müssen neue Spieler hierher bringen, und auch mit den Spielern, die hier sind, eine gute Mannschaft formen.“

„Ich liebe es, Titel zu gewinnen. Es ist meine Herausforderung, mit Leverkusen das Gleiche zu machen.“ (Erik ten Hag)

Um den Ambitionen gerecht zu werden. Denen des Klubs und auch den eigenen. „Ich liebe es, Titel zu gewinnen. Das habe ich in meiner ganzen Karriere gemacht“, sagte der Coach in London, der in seiner Zeit von 2017 bis 2022 bei Ajax Amsterdam mit seinem Team begeistert und zahlreiche nationale Titel gesammelt hat, „ich möchte, dass dieser Prozess anhält. Es ist meine Herausforderung, mit Leverkusen das Gleiche zu machen.“ Nach den Eindrücken vom Freitagabend ist er davon, diese Challenge zu bestehen, noch viele Schritte entfernt.

Hinterlasse einen Kommentar

0.0/5