Neue Zeiten für den SC Freiburg: Bundestrainer Klopp hat vier Spieler des aktuellen Tabellenführers der Bundesliga in die Nationalmannschaft berufen – was für alle vier eher überraschend war.
Reaktionen der Freiburger DFB-Neulinge
„Es wird ganz oft über Mentalität gesprochen. Die Freiburger haben sie und bringen sie mit“, begründete Jürgen Klopp die Nominierung von Philipp Treu, Max Rosenfelder, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant, für die es jeweils eine Premiere im Trikot der A-Nationalmannschaft ist.
„Man kann Mentalität erarbeiten, aber der Verein achtet schon darauf, dass Charaktere hier herkommen, die das schon ein Stück weit in sich drin haben und mitleben“, sagte Mittelfeldspieler Engelhardt, der in diesem Sommer zum Sport-Club zurückgekehrt ist. „Wir sind keine Übermannschaft wie Bayern oder Dortmund von der Qualität, aber wir fangen es über sehr viel Leidenschaft und Charakter auf.“
Auch Rosenfelder sieht es als „Bestätigung für den Verein, dass hier einiges richtig gemacht wird“, dass jetzt vier Spieler beim DFB-Team dabei sind. Mit Treu und Engelhardt hat er schon zusammen in der U 23 des SC gespielt, „von daher ist es für uns drei sehr besonders, dass wir zusammen zur A-Nationalmannschaft gehen dürfen“.
Rosenfelder zunächst ungläubig – Schuster: Ist bei „100 Prozent“
Allerdings hatte der 23-Jährige „ehrlicherweise nicht so unbedingt damit gerechnet“, berufen zu werden, nachdem er bei Freiburg zuletzt auf der Bank saß und wieder Philipp Lienhart den Vortritt lassen musste. Am Anfang konnte er es „nicht so recht glauben“, als er die Nachricht von Klopp bekommen hat, der ihn beim Spaziergang mit dem Hund erreichte, aber jetzt will er „alles aufsaugen und genießen, sich mit den Besten messen und sich zeigen“. Auch wenn das Gespräch mit dem Bundestrainer noch nicht ins Detail ging, glaubt er, dass er „zu seinem Spielstil passt mit einer hohen Kette, dass ich mit meinem Tempo hinten viel ablaufen kann, dass ich mit Ball auch meine Stärken habe“.
Der Bundestrainer könne „komplett mit ihm planen und ihn einsetzen“, sagte SC-Trainer Julian Schuster über Rosenfelder, „er hatte eine gute Vorbereitung und ist bei 100 Prozent“. Dass er zuletzt Lienhart den Vorzug gegeben hat, war eine „sehr harte Entscheidung“, weil „Nuancen“ den Ausschlag geben hätten. Und angesichts der positiven Spielverläufe habe es keinen Grund zum Wechseln gegeben.
Schuster nicht ohne Stolz
Schuster berichtete auch über seinen Austausch mit Klopp, der im Detail wissen wollte, „was die Jungs für Rollen bei uns in der Mannschaft haben“. Er sieht es als „Bestätigung der individuellen Entwicklung und als großes Kompliment für die gesamte Mannschaft“. Und den vier Nominierten hat der SC-Coach nun mitgegeben, dass sie beim DFB „das transportieren, was uns hier auszeichnet, mit allen den Werten, die sie hier verkörpern“. Er habe dem Bundestrainer gesagt, dass „die Jungs jeder Mannschaft guttun“, mit ihrer Einstellung, ihrem Einsatz und ihrem Willen – auch für die deutschen Nationalmannschaft sei es gut, „solche Spielertypen in ihren Reihen zu haben“.
Treu und Engelhardt unisono: Die Intensität macht’s
Treu hat von seiner Nominierung übrigens auf der Couch erfahren, während er Zweitligakonferenz geschaut hat. Jetzt möchte er gerne beweisen, dass es in Deutschland doch gute Rechtsverteidiger gibt. „Ich will zeigen, wer Philipp Treu ist, der aus Freiburg kommt, und den Fans Freude bereiten mit meiner Intensität, mit meiner Spielweise“, sagte er nach der Bekanntgabe am Donnerstag. „Da will ich zeigen, dass ich jemand bin, der nie aufhört und immer Gas gibt.“ Für alle vier Freiburger Debütanten gilt, was der Ex-Berliner Scherhant zu seiner Berufung gesagt hat: „Es bedeutet mir alles, es ist mehr als ein Traum, der in Erfüllung geht, und es ist ein bisschen surreal.“
Wie seine drei Mitspieler hat er erst mal Namen und Profilbild gecheckt, als der Anruf kam. Alle berichten von einem ersten kurzen Austausch, die Details würden erst nach dem nächsten Auswärtsspiel mit dem Sport-Club in Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr) folgen. „Ich glaube, er will ein intensives Spiel haben, was zu meinem Spiel passt, lauffreudig, viel mit und gegen den Ball, was uns als Freiburg auszeichnet“, vermutet Engelhardt, „deswegen haben es auch ein paar Freiburger ins Aufgebot geschafft“.

