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Rolfes stimmt Grimaldos Kritik zu – mit einer Ausnahme

Nach der Kritik von Alejandro Grimaldo an Einstellung und Konsequenz der Mannschaft stimmt Manager Simon Rolfes dieser zu. Anders als der Profi klammert er dabei einen essenziellen Aspekt auf der Trainerseite bei der Ursachenforschung nicht aus.

Nach Weckruf des Spaniers

Als die TV-Kameras am Samstag Simon Rolfes nach dem Treffer zur Wolfsburger 3:1-Führung einfingen, brauchte man das Bild nicht zu kommentieren. Fast im Nähmaschinen-Tempo malträtierte der Geschäftsführer mit den Zähnen seinen Kaugummi. Dokument für den maximalen Stress, unter dem man als Verantwortlicher in dieser entscheidenden Saisonphase steht. Erst recht, wenn der eigene Klub gerade kurz davor ist, seine letzte Chance auf einen Platz in der Champions League zu verspielen.

Bayer: In 45 Minuten vom Verlierer zum Gewinner des Spieltags

Als Rolfes nach dem Abpfiff in die Mixed Zone zu den wartenden Journalisten kam, war kein Kaugummi mehr vonnöten, der zuvor den unheilvollen Auftritt der Leverkusener Defensive abfedern musste. Schließlich hatte der Werksklub die Partie mit einem Chancen-Feuerwerk noch eindrucksvoll in einen 6:3-Sieg gedreht. In weniger als einer Stunde Spielzeit hatten Bayer 04 und Rolfes den Wandel vom Verlierer zum Gewinner des Spieltags vollzogen.

Statt wie zuvor in einem Dreikampf um den letzten Champions-League-Platz steckt der deutsche Vizemeister jetzt vor allem durch die Stuttgarter Niederlage in einem Vierkampf um die Ränge 3 und 4. Wobei die Mannschaft von Kasper Hjulmand gegen die aktuell dort platzierten Klubs, RB Leipzig und den VfB Stuttgart, noch antritt. Leverkusens Chancen auf die Königsklasse haben sich trotz der Verfolgerrolle merklich verbessert, auch wenn Bayer 04 die Qualifikation noch nicht in der eigenen Hand hat.

Rolfes verschweigt trotz des Spektakels nach der Pause die Probleme nicht

Rolfes hätte also alle Möglichkeiten gehabt, all die positiven Seiten dieses Nachmittags in den Vordergrund zu stellen. Doch der Manager verschloss nicht die Augen vor der ersten Hälfte, die ein großes Grundproblem dieser Mannschaft in diesem Jahr exemplarisch dokumentierte: fehlende Nachhaltigkeit und mangelnde Konsequenz, vor allem in der Defensivarbeit.

Diese hatte zuvor bereits Alejandro Grimaldo mit einem bemerkenswerten Weckruf angeprangert. Wobei der spanische National- und Leverkusener Schlüsselspieler erklärt hatte, dass es dabei „nicht um Qualität und Taktik“ gehe. Ein Blickwinkel, den Rolfes, der sonst völlig mit Grimaldos Analyse einverstanden war, nicht in dieser Form einnahm.

Keine Frage von Qualität und Taktik? „Ganz isoliert kann man das nicht betrachten“

„Ganz isoliert kannst du das, glaube ich, nicht immer betrachten“, begann Rolfes also sein Statement, um dann all die Kritikpunkte aufzuführen, die offensichtlich waren – und die der Manager nicht beschönigen wollte.

Rolfes einleitender Satz hatte einen Hintergrund. Der Manager weiß um den Fakt, dass diese, seine Mannschaft nach den Sommer-Abgängen von Akteuren wie Florian Wirtz, Granit Xhaka, Piero Hincapie, Jonathan Tah, aber auch Jeremie Frimpong und Amine Adli, die in Sachen Aggressivität und/oder Gegenpressing herausragend waren, an Schärfe in der Defensivarbeit verloren hat. Und dass deshalb für den im Sommer neu zusammengestellten Kader das Signal zu maximalen Galligkeit und Bissigkeit viel stärker auch über den Faktor Taktik gegeben werden muss.

Ohne aggressiv-offensiven Ansatz verliert Bayer massiv an Galligkeit

Immer, wenn Bayer bedingungslos im Angriffspressing agiert und sich nicht nach einer Führung zurückzieht, funktioniert die Mannschaft. Weil dann auch die defensive Schärfe der Akteure, die diese nicht wie ein Exequiel Palacios automatisch mitbringen, gepusht wird. Ohne diese taktische Initialzündung fehlt Bayer der Impuls, so griffig aufzutreten, wie es die Werkself nach dem 2:3 und besonders in der zweiten Hälfte gegen Wolfsburg eindrucksvoll demonstrierte.

Ohne diesen auch durch die personellen und taktischen Maßnahmen von Hjulmand zur Halbzeit bewirkten Push bot Bayer eben das defensiv desolate Bild der ersten Hälfte, das auch Rolfes erschrak. „Gerade die Zweikampfführung, die zweiten Bälle hat Wolfsburg alle aufsammeln können“, analysierte der Ex-Profi, „dass das nicht geht und dass wir da aggressiver spielen und auch mehr mit Entschlossenheit in die Duelle gehen müssen, haben wir dann in der zweiten Halbzeit gezeigt.“

Die Reaktion nach dem 1:3 war für Rolfes der wichtigste Faktor

Und so lobte Rolfes, seinem besten Spieler zustimmend: „Da waren mit Sicherheit Situationen in der Abwehr, die Grima auch zu Recht kritisiert. Aber insgesamt haben wir auch in der zweiten Halbzeit eine andere Entschlossenheit, eine andere Dynamik auf allen Positionen gezeigt. Deswegen: Wir können von den Dingen aus der ersten Halbzeit viele Sachen besser machen.“

Die entscheidende Botschaft der Mannschaft, die bei Rolfes ankam, war die, dass diese bereit und fähig war, sich nach dem 1:3 aufzubäumen. „Das war mit Sicherheit auch ein schwieriger Moment. Wo geht dieses Spiel hin? Wie reagiert die Truppe? Lassen sie die Köpfe hängen oder stemmen sie sich dagegen? Und das ist der wichtigste Faktor für mich, dass sich die Mannschaft nicht damit abgefunden hat. Sondern sie hat gesagt: Nein, wir müssen das Spiel drehen und wir glauben auch daran, das zu drehen.“

Auch wenn der Gegner Wolfsburg für solch einen Turnaround ein dankbarer war und schon der kommende mit Borussia Dortmund vielleicht nicht mit dem identischen taktischen Muster attackiert werden kann, so ist die „proaktive“ Spielweise, von der Hjulmand nachher selbst sprach, der wohl unabdingbare Schlüssel, wenn das wichtigste Saisonziel noch erreicht werden soll.

Dafür dient das Wolfsburg-Spiel als Mutmacher. „Die Reaktion hat mir gefallen. Und dieses Feuer und diesen unbedingten Willen, das ist auch die Marschrichtung oder der Ausblick für die nächsten Spiele, die wir zeigen müssen“, sagte Rolfes, der weiterhin um die Schwere der Aufgabe weiß.

Die Profis müssen Mut zeigen – Hjulmand das Signal geben

„Klar, wir sind in der Verfolgerrolle. Es ist ja nicht so einfach, das aufzuholen, das machst du nicht einfach so, sondern da musst du alles geben und dein Herz auf den Platz lassen“, fordert der Manager und wünscht sich für die verbleibenden sechs Endspiele um die Champions-League-Qualifikation von seinen Profis den Mut und die Entschlossenheit aus der zweiten Hälfte gegen Wolfsburg, sowie auch das entsprechende Signal dafür von seinem Trainer – von der ersten Minute an.

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