Dieser Mann schreibt gerade kräftig an seiner Erfolgsgeschichte: Santiago Castaneda. Für sein Team besitzt er eine große Bedeutung. Im zentralen Mittelfeld – und demnächst auch auf einer Reise in seine Heimat.
US-Amerikaner bricht den Bann
Sven Michel, wieder fit nach einer zähen Adduktorenverletzung, lauerte auf der Bank. Eigentlich wäre der Paderborner Routinier prädestiniert gewesen für diesen Moment, in dem der Bann gegen die TSG Hoffenheim brach. War es doch der heute 36-Jährige, der das bis zum Sonntagabend letzte Paderborner Bundesligator erzielt hatte. Vor über sechs Jahren, am 27. Juni 2020 beim 2:3 in Frankfurt.
Es folgten der Abstieg, Jahre in der 2. Liga, der Wiederaufstieg in diesem Sommer – und das lange Warten auf das nächste Bundesligator des SCP07. Nun, am 4. Spieltag, war es so weit. Und es kam ebenfalls nicht von ungefähr, dass es Santiago Castaneda war, der seine Farben nach knapp einer halben Stunde von dem Druck, endlich treffen zu wollen, erlöste.
Zweimal klappte es in den Pokal-Erstrundenspielen
Der 21-jährige US-Amerikaner mit kolumbianischen Wurzeln schreibt in diesen Wochen kräftig an seiner persönlichen Erfolgsgeschichte. In der vergangenen Zweitligasaison hatte er sich einen festen Platz im defensiven Mittelfeld der Ostwestfalen erarbeitet und diesen eine Liga höher verteidigt. Zweikampfstark und stellungssicher präsentiert sich der 2024 vom MSV Duisburg gekommene Akteur – und inzwischen auch torgefährlich.
Für Letzteres brauchte es einen langen Anlauf in Paderborn, ehe es nun mit dem 1:0-Führunsgtreffer klappte. „Er schließt sogar mit seinem schwächeren linken Fuß ab, mogelt den Ball so ein bisschen rein“, wunderte sich selbst Sportchef Sebastian Lange über durchaus Ungewöhnliches: In nun gut zwei Jahren beim Sportclub erzielte Castaneda nämlich erst zwei Pflichtspieltore, beide jeweils in einem Pokal-Erstrundenmatch – 2024 gegen den Bremer SV (4:0) und jüngst beim 4:2 über Phönix Lübeck. Nun der erste Treffer in einem Punktspiel für die Domstädter.
„Diesmal schießt er. Der Ball wird abgefälscht. Tor.“ (PADERBORNS TRAINER RALF KETTEMANN)
Ralf Kettemann hob beim 3:1-Sieg des Aufsteigers die steile Lernkurve seines Teams in dieser Saison hervor, verkörpert auch von Castaneda und verbunden mit einem Vergleich zu dessen Aktion bei der 0:3-Niederlage in Dortmund am Spieltag zuvor. „Letzte Woche, 80. Minute, hat er 16 Meter vor dem Tor mit links den Ball, er schießt nicht“, so der Trainer. „Das haben wir besprochen. Diesmal schießt er, der Ball wird abgefälscht, Tor. Darum geht es mir.“
Der Spieler selbst gab das Lob gerne weiter. „Wir haben viel gelernt und gezeigt, was wir drauf haben. Jetzt können wir die Pause nutzen, weiter an unserer Chemie zu arbeiten. Das geht alles etwas entspannter mit diesen drei Punkten. Der Hunger und die Leidenschaft der Jungs waren heute entscheidend.“ Darüber hinaus sei das Aha-Erlebnis in jener 29. Minute sehr hilfreich gewesen. „Für mich persönlich ist dieses erste Tor gut auf meinem Weg. Ich lerne jeden Tag, versuche, Fehler zu vermeiden, positiv zu sein.“
Castaneda, der kürzlich seinen Vertrag in Paderborn längerfristig verlängerte, freut sich über seinen Höhenflug in einem Team, in dem ihm das Fußballspielen viel Spaß macht. Wie geht es weiter? Ein guter Start in die Bundesliga, ein Premierentor – und bald auch eine Einladung für den U-21-Nationalspieler vom US-Nationalcoach Mauricio Pochettino? „Ich fokussiere mich auf mich selbst und schaue, was ich tun und zeigen kann. Früher oder später werde ich dann hoffentlich einmal einen Anruf bekommen.“
Führungsspieler und „Reiseleiter“
In sein Heimatland geht es für den Sonnyboy jetzt aber auch ohne Berufung – mit dem SC Paderborn 07, der am Freitag zu einer einwöchigen Marketing-Tour nach Washington D.C. aufbricht. Natürlich sei auch dieser Trip auch für ihn besonders. „Meine Familie wohnt nur zwei Flugstunden von Washington D.C. entfernt in Florida. Es ist lange her, dass ich dort war.“ Aber dafür, nicht nur auf dem Platz als ein Führungsspieler, sondern in den Staaten auch als „Reiseleiter“ für seine Teamkollegen fungieren zu können, reicht es offenbar. „Ich werde den Jungs ein bisschen was zeigen können.“

